Dienstag, 10. April 2018

Rezension: Münchener AnwaltsHandbuch Arbeitsrecht

Moll (Hrsg.), Münchener AnwaltsHandbuch Arbeitsrecht, 4. Auflage, C.H. Beck 2017

Von Rechtsanwalt (Syndikusrechtsanwalt) und Fachanwalt für Arbeitsrecht Stephan Lemmen, Bad Berleburg

  
Das im Vergleich zu anderen Werken dieser Kategorie noch recht junge Werk – die Erstauflage erschien 2005 und liegt nunmehr in der vierten überarbeiteten und erweiterten Auflage vor – wird von dem erfahrenen Praktiker Dr. Wilhelm Moll LL.M. - Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht in Köln – herausgegeben. Neben diesem wird es mittlerweile von über 30 Praktikern aus Richter- und Anwaltschaft bearbeitet, unter denen sich viele in Fachkreisen bekannte und vertraute Namen befinden, die für erstklassige und praxisorientierte Literatur stehen.

Die vierte Auflage bringt das Werk auf den Stand von September 2016 und berücksichtigt die seit dem Erscheinen der dritten Auflage 2012 ergangene Rechtsprechung, Gesetzeslage und Literatur und trägt damit der schnellen Rechtsfortentwicklung im Arbeitsrecht der vergangenen Jahre Rechnung. Insbesondere die Dynamik beim Arbeitnehmerdatenschutz, in der AGB-Kontrolle und bei AGG-Problemstellungen hat zu umfangreicheren Kapiteln in diesem Bereich geführt. Auch eine nähere und ausführlichere Beschäftigung mit dem Recht der Geschäftsleiter der beiden wesentlichen Kapitalgesellschaften (Aktiengesellschaften und Gesellschaft mit beschränkter Haftung) hat Eingang in das Werk gefunden, da auch BAG und EuGH eine Tendenz zur Ausweitung arbeitsrechtlicher Regelungen mindestens auf den GmbH-Geschäftsführer erkennen lassen.

Das im Hauptteil stolze 2928 Seiten umfassende Handbuch gliedert sich in 18 Teile, die vom Mandatsverhältnis - mit insbesondere für den Anfänger lesenswerten Kapiteln zum Anwaltsvertrag im arbeitsrechtlichen Mandat, zur entsprechenden Anwaltsvergütung und zum Umgang mit Rechtschutzversicherungen – über die Darstellung des Arbeitsgerichtsverfahrens sowie möglicher Wege der Mediation und des Konfliktmanagements bis hin zur Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat alles enthalten, was der anwaltliche Praktiker im Tagesgeschäft zur Hand haben muss.

Neben dem oben schon erwähnten Teil „Das arbeitsrechtliche Mandatsverhältnis“ von Stephan Altenburg – Fachanwalt für Arbeitsrecht in München – sind für den im Arbeitsrecht noch unerfahrenen Anwalt die Kapitel „Der Kündigungsschutzprozess“ von Dietrich Boewer - Vorsitzender Richter am Landesarbeitsgericht Düsseldorf a.D.; Rechtsanwalt in Köln - und die Kapitel des Teiles „Arbeitsgerichtsverfahren“, hier insbesondere das Kapitel „Der Anwalt im Arbeitsgerichtsprozess“ von Dr. Christoph Ulrich – Vorsitzender Richter am Landesarbeitsgericht Düsseldorf –, besonders lesenswert und verschaffen diesem einen hervorragenden Überblick, auch aus der Sichtweise der Richterschaft.

Hierneben bieten die Kapitel zu Nebenpflichten im Arbeitsverhältnis, wie z.B. „Geheimnisschutz“ und „Wettbewerbsverbote“ von Dr. Roland Reinfeld – Fachanwalt für Arbeitsrecht in Kempen – und „Compliance und Datenschutz“ von Prof. Dr. Renate Dendorfer-Ditges LL.M., MBA – Fachanwältin für Arbeitsrecht in Bonn –, für den erfahrenen Praktiker neue und weiterführende Anregungen sowie einen umfangreichen Fundus an Rechtsprechung und Literatur für die Bearbeitung derartiger Problemstellungen, die in der ebenfalls schnelllebigeren und sich verändernden Arbeitswelt heute einen immer größer werdenden Teil der anwaltlichen Beratung und Vertretung ausmachen. Genauso die äußerst lesenswerten Teile „Betriebliche Altersversorgung“ von Dr. Thorsten Leisbrock – Dipl.-Kfm. und Fachanwalt für Arbeitsrecht in Köln – und das Kapitel „Änderung und Flexibilisierung von Entgeltzahlungen“ von Christoph Hexel – Fachanwalt für Arbeitsrecht in Köln - sowie der Teil „Teilzeitarbeitsverhältnisse und Geringfügige Beschäftigung“ vom schon erwähnten Dr. Roland Reinfeld und von Dr. Holger Lüders – Fachanwalt für Arbeitsrecht in Düsseldorf.

Fazit:
Das Werk kann allen im Arbeitsrecht tätigen Anwälten aber auch denjenigen uneingeschränkt empfohlen werden, die erste Einblicke in die Materie gewinnen möchten oder sich ein erstes Handbuch anschaffen wollen. Neben diesem braucht man erst einmal lange Zeit kein weiteres. Auch für arbeitsrechtliche Praktiker abseits der Anwaltschaft ist es ein Zugewinn im Handapparat.

Struktur, Layout, Inhalts-, Abkürzungs- und Literaturverzeichnis sowie Sachverzeichnis des Werkes lassen keine Wünsche offen. Wichtiges ist im Fließtext durch Fettdruck hervorgehoben, so dass schnelles Auffinden und gute Lesbarkeit gewährleistet sind.

Weiter lobend zu erwähnen sind die umfangreichen Literatur- und Rechtsprechungshinweise, die für die Vertiefung in einzelnen Bereichen unerlässlich sind. Genauso die besonders gekennzeichneten Praxistipps, Formulierungsvorschläge und Checklisten, die das Werk in Gänze zum erstklassigen Handwerkszeug machen. Leider stehen das Werk und insbesondere die Formulierungsmuster und Checklisten noch nicht mit dem Kauf auch automatisch elektronisch zur Verfügung. Dies sollte bei der nächsten Auflage unbedingt geändert werden.

Alles in Allem wird der „Moll“ aber sicher mit fortschreitendem Alter – sprich weiteren Auflagen – einen genauso festen Platz unter den arbeitsrechtlichen Standardwerken erhalten wie „ältere“ Werke ihn innehaben. Dem ein oder anderem den Rang abzulaufen, dazu ist er heute schon in der Lage.