Samstag, 21. April 2018

Rezension: Münchener Anwaltshandbuch Sozialrecht

Plagemann (Hrsg.), Münchener Anwaltshandbuch Sozialrecht, 5. Auflage, C.H. Beck 2018

Von Ri’in LG Domenica D’Ugo, Saarbrücken



Das von Rechtsanwalt Prof. Dr. Plagemann herausgegebene Werk im typischen Rot der „Münchener Anwaltshandbücher“ erfüllt die hohen Erwartungen an ein Buch aus der genannten Reihe beinahe vollständig. Der insgesamt knapp 1.800 Seiten starke Wälzer ist in 15 Teile gegliedert, die sich mit den allgemeinen Themen „Das sozialrechtliche Mandat“ (Teil A), „Versicherungs- und Beitragspflichten“ (Teil B), „Verwaltungsverfahren“ (Teil L), „Gerichtsverfahren“ (Teil M) und „Kosten und Gebühren“ (Teil O) sowie den wesentlichen sozialrechtlichen Bereichen (Arbeitsförderung, GKV, GRV, GUV, Rehabilitation und Teilhabe, PV, Kindergeld und Elterngeld, Soziale Entschädigung und Sozialhilfe) auseinander setzen. Innerhalb der Ausarbeitungen der Spezialrechtsgebiete findet sich wiederum eine tiefe Gliederung, die oftmals über die Verschaffung eines Überblicks zum Thema hinausgeht und eine recht umfassende Einarbeitung ermöglicht. Beispielhaft soll hier Teil G zum SGB IX angeführt werden: Nach Lektüre der rund 144 Seiten (deren drei Paragrafen sich um das Verfahren im Rehabilitations- und Teilhaberecht (§ 27 des Buches), die entsprechenden staatlichen Leistungen (§ 28) und das Thema der Behinderung und dem Grad der Behinderung (§ 29) drehen) sollte sich der damit befassende Rechtsanwalt tatsächlich in der Lage sehen, einen behinderten Menschen umfassend hinsichtlich seiner Rechte zu beraten und sogar einen entsprechend formulierten Antrag/Widerspruch oder auch eine Klage zu erstellen, ohne dass eine Heranziehung weiterer Literatur nötig wäre. Perfektionisten ihrer Zunft sollten hierbei jedoch beachten, dass in den vergangenen Jahren im SGB IX mehrere Änderungen der „Hausnummern“ vorgenommen wurden, die jedoch nur teilweise mit gleichzeitig inhaltlichen Änderungen einhergingen, etwa die Regelungen bezüglich des Merkzeichens „aG“. Diese Neuerungen sind im vorliegenden Werk nur rudimentär angerissen bzw. durch Fußnoten vermerkt worden.

Lobend hervorgehoben werden muss in jedem Fall § 18 des Buches, der sich mit dem Vertragsarztrecht beschäftigt. Ansonsten wird dieser Teil des Sozialrechts in der Allgemeinliteratur schamhaft verschwiegen oder wirklich nur gestreift. Im „Plagemann“ finden sich im vom Herausgeber selbst geschriebenen Kapitel, das immerhin 56 eng beschriebene Seiten umfasst, die wesentlichen Grundzüge dieses hochkomplexen, allseits gefürchteten und für den Rechtsanwalt doch finanziell teilweise sehr lukrativen Rechtsgebiets.

Wer über einen entsprechenden Zugang verfügt, kann den „Plagemann“ auch online benutzen; das Werk ist vollständig in der Beck-Online-Datenbank abrufbar.

Wer lieber noch echtes Papier in Händen hält, kann das Buch für 149 Euro erwerben. Kein Schnäppchen, aber eine sicherlich lohnende Investition. Und dies nicht nur für Rechtsanwälte, sondern auch andere mit dem Sozialrecht beschäftigte Personen, insbesondere auch Richter.