Freitag, 6. April 2018

Rezension: WEG

Hügel / Elzer, Wohnungseigentumsgesetz, 2. Auflage, C.H. Beck 2018

Von Notar Dr. Jan Hupka, LL.M. (Chicago), Hamburg

  
Die Erstauflage des gemeinsam von den Autoren Stefan Hügel und Oliver Elzer verantworteten Kommentars aus dem Jahr 2015 hat sich in Wissenschaft und Praxis schnell als meinungsführend herausgebildet, sodass die nunmehrige Neuauflage zu begrüßen ist. Weiterhin stehen die beiden Autoren hinter sämtlichen Ausführungen gemeinsam, sodass es wahrlich ein Werk aus einem Guss ist. Doppelbearbeitungen oder sich widersprechende Meinungen sind – soweit ersichtlich – nicht zu finden, was durch geschickte Querverweisungen zugleich zur Kompaktheit des Werks beiträgt.

Die Reform des Wohnungseigentumsgesetzes stammt zwar bereits aus dem Jahr 2007, gleichwohl lassen sich die Konsequenzen erst nach und nach in vollem Umfang erkennen. Vor allem die Anerkennung der rechtsfähigen Gemeinschaft der Wohnungseigentümer (§ 10 Abs. 6 WEG) prägt das Wohnungseigentumsrecht nachhaltig. Diesen Auswirkungen geht der Abschnitt in § 10 Rn. 203 ff. ausführlich nach. Meinungsverschiedenheiten bestehen, inwieweit die rechtsfähige Gemeinschaft auch als Organisationssubjekt an der Verwaltung des gemeinschaftlichen Eigentums mitwirkt. Der BGH hält die rechtsfähige Gemeinschaft insbesondere für verpflichtet, Eigentümerbeschlüsse auszuführen (BGH NJW 2016, 1310). Mit dieser Entscheidung setzt sich die Kommentierung in § 21 Rn. 21a kritisch auseinander.

Das Wohnungseigentumsrecht lebt in vielen Bereichen von der Kreativität der Vertragsgestalter und bietet diesen viel Spielraum für neue Ideen. Hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang, dass der Kommentar neben der ausführlichen Auseinandersetzung mit Literatur und Rechtsprechung – über eine klassische Kommentierung hinaus – konkrete Gestaltungsvorschläge macht. Exemplarisch hierfür steht etwa der Abschnitt zur abschnittsweisen Begründung von Wohnungseigentum (§ 8 Rn. 38 ff.). Die Problemstellung ist eine häufige in der Praxis: Auf einem Grundstück soll eine Mehrhausanlage nicht in einem Zuge, sondern in verschiedenen Bauabschnitten errichtet werden. Nach einer Darstellung der denkbaren Modelle, insbesondere der "kleinen" und großen "Aufteilung", wird das Modell eines "überdimensionierten Miteigentumsbruchteils" erläutert. Auch der denkbare Weg der Eintragung einer Vormerkung zur Absicherung des Bauträgers wird vorgestellt, praxisnah im Hinblick auf die damit verbundenen Kosten aber verworfen. Stattdessen wir ein Alternativmodell über die Zustimmung des Verwalters nach § 12 WEG vorgestellt, wenngleich dieses an eigenen Schwächen leidet. Die Ausführungen geben dem Praktiker eine wichtige Hilfestellung an die Hand, wie entsprechende Teilungserklärungen zu gestalten sind.

Das Werk von Hügel/Elzer überzeugt damit sowohl durch wissenschaftlichen Tiefgang als auch durch die praktischen Gestaltungsempfehlungen. Gerade hier zeigt sich die langjährige Erfahrung der Autoren im Bereich des WEG-Rechts und liegt einer der Vorzüge gegenüber den mittlerweile reichhaltigen Konkurrenzwerken. Insgesamt kann der Hügel/Elzer damit jedem mit dem WEG befassten uneingeschränkt zur Anschaffung empfohlen werden.