Sonntag, 1. April 2018

Rezension: ZPO

Baumbach / Lauterbach / Albers / Hartmann, Zivilprozessordnung: ZPO, 76. Auflage, C.H. Beck 2018

Von Rechtsreferendarin Patricia M. Popp, M.A., Darmstadt

  
Die Zivilprozessordnung stellt die Grundlage der deutschen Zivilgerichtsbarkeit dar und bestimmt deren Gesetzmäßigkeit bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts. Zahlreiche Autoren versuchen daher seit vielen Jahrzehnten, die Mutter des modernen Verfahrensrechts zu ergründen, indem sie entsprechende Kommentarliteratur verfassen. Eines dieser Kommentare ist das Werk der Herren Baumbach / Lauterbach / Albers / Hartmann und stammt aus dem Hause C.H. Beck. Ursprünglich entstammt der Kommentar aus der Feder von Dr. Adolf Baumbach. Nach dessen Tod im Jahr 1945 führte Prof. Dr. Wolfgang Lauterbach die Kommentierung fort. Dann übernahm Dr. Jan Albers die Verantwortung und bis heute wird der Kommentar von Dr. Dr. Peter Hartmann verfasst. Auch wenn die federführenden Autoren zum Großteil bereits verstorben sind, so wird nach wie vor durch ihre Namen auf Buchrücken und Einband des Kommentars an sie erinnert.

Der Kommentar zur Zivilprozessordnung von Baumbach / Lauterbach / Albers / Hartmann erscheint jährlich und liegt nun in der 76. Auflage vor. Eingearbeitet sind rund 5.000 neueste Fundstellen und fast 30 Gesetzesnovellen. Als Beispiele seien hier exemplarisch das Netzwerkdurchsetzungsgesetz, die PKH-Bekanntmachung 2017 oder die Reform des Bauvertragsrechts vom April 2017 genannt. Selbstverständlich sind die § 1 bis § 1117 der Zivilprozessordnung nach dem voraussichtlichen Gesetzesstand vom Oktober 2017 bis Januar 2018 kommentiert. Es finden sich aber auch detaillierte Kommentierungen zum EGZPO, dem FamFG oder dem GVG, die dem Leser ermöglichen, sich die zivilprozessrechtliche Materie in einem erweiterten Kontext zu erschließen.

Der Baumbach zählt zu den Standard-ZPO-Kommentaren. Der stattliche Umfang von über 3300 Seiten macht das Werk zu einem wahren „Schwergewicht“. Hier hilft mitunter das detaillierte Stichwortverzeichnis weiter, das dem Leser das Nachschlagen und den schnellen Zugriff auf einzelne Themengebiete ungemein erleichtert. Sei es zum Stichwort „Baumbach‘sche Formel“, die übrigens auf den Autor selbst zurückgeht und vielen Referendaren aus dem Prozesskostenrecht bekannt sein dürfte, oder zum Stichwort „Vollstreckungstitel“, im Stichwortverzeichnis finden sich in der neuen Auflage zahlreiche Unterpunkte.

Die Digitalisierung macht auch vor der ZPO keinen Halt. Deshalb bietet die 76. Auflage des Baumbach’schen Kommentars ein besonderes Schmankerl: Der neue § 130d ZPO zur Nutzungspflicht elektronischer Dokumente für Rechtsanwälte und Behörden ist hier nämlich bereits kommentiert. Zwar soll § 130 d ZPO erst am 1.1.2022 in Kraft treten, die Autoren geben daher den Hinweis, dass die Kommentierung zur Vorinformation erfolgt, da eine Vorverlegung des Geltungsbeginns im weiteren Gesetzgebungsverfahren möglich erscheint. Zum Schmunzeln ist der Abschnitt über den Regelungszweck, in dem pragmatisch festgestellt wird, dass der Geist längst aus der Flasche ist“ und ohne Digitalisierung kein brauchbares Rechtsleben“ mehr einhergehe.

Der Baumbach gehört seit vielen Jahren zum Standardrepertoire zahlreicher Juristen. Sowohl die Anwaltschaft, angehende Praktiker oder auch Studierende und Referendare sind mit der Heranziehung von Baumbach in ihrer täglichen Arbeit oder Ausbildung stets gut beraten. Ein wichtiger Hinweis sei deshalb auch an alle saarländischen Rechtsreferendare gegeben: der ZPO Kommentar von Baumbach ist zur Zweiten Juristischen Staatsprüfung im Saarland zugelassen. Es empfiehlt sich daher bereits frühzeitig im Referendariat die eigene Arbeitsweise mit dem Standardwerk zu optimieren.

Abschließend bleibt nunmehr festzuhalten, dass auch mit der neuesten Auflage des ZPO Kommentars das Erbe von Baumbach erfolgreich fortgesetzt wird. Das Standardwerk ist und bleibt ein verlässlicher Begleiter für den juristischen Alltag und stellt ein optimales Nachschlagewerk für Fragestellungen im Bereich des Zivilprozessrechts dar. Die Folgeauflage ist bereits für das 4. Quartal diesen Jahres angekündigt, weshalb auch in Zukunft davon ausgegangen werden kann, dass der Baumbach’schen Ambition jährlich, verlässlich, topaktuell“ weiterhin entsprochen wird.