Montag, 14. Mai 2018

Rezension: Legal Writing Coach

Jensen, Legal Writing Coach, 2. Auflage, C.H. Beck 2017

Von Carina Wollenweber-Starke, Wirtschaftsjuristin, LL.M., Bad Berleburg

  
Das vorliegende Werk „Legal Writing Coach“ von Chris Jensen ist, wie der Name bereits vermuten lässt, in englischer Sprache verfasst. Diese 2. Auflage beinhaltet insgesamt 146 Seiten, wobei die 5 Kapitel des Hauptteils auf lediglich 52 Seiten aufgeteilt werden und der Rest aus 25 (!) Anhängen (A – Y) besteht. Das Ziel ist, den Leser bei der Formulierung insbesondere juristischer Texte zu unterstützen und ihn auf die häufigsten Probleme aufmerksam zu machen. Dies geschieht grundsätzlich unabhängig von der Jurisdiktion. Entscheidend ist nur, dass die Texte bzw. Verträge in englischer Sprache verfasst werden sollen. Als Adressatenkreis sind insbesondere Anwälte, Studenten und Übersetzer zu nennen. Die Qualifikation des Autors ist beeindruckend. Er hat u.a. einen Master in „Legal Linguistics“ von der City University of Hong Kong und sehr viel Praxiserfahrung sammeln können, welche er in das Werk einfließen lässt.

Kapitel 1 („Tone“) ist mit seinen 2 Seiten sehr kurz gehalten. Der Autor erläutert, wie ein Text u.a. in Bezug auf Sprache und Layout abhängig vom jeweiligen Adressaten gestaltet sein sollte. In Kapitel 2 („Usage“) geht es hauptsächlich um 25 gewöhnliche Fehler im Zusammenhang mit der Zeichensetzung (z.B. Komma, Bindestrich, Klammer) und der Grammatik (z.B. Possessivpronomen). Kapitel 3 („Cuts“) befasst sich mit der Vereinfachung von Sätzen. U.a. geschieht dies durch Streichungen von Wörtern, die Ersetzung von schwierigen Wörtern, die Umstellung von passiv auf aktiv und die Aufteilung in mehrere Sätze. Das 4. Kapitel („Structuring“) beinhaltet 5 Seiten und hilft dem Leser, die Struktur seiner Texte zu analysieren und bspw. durch genauere Überschriften zu verbessern. Kapitel 5 („Presenting Legal Rules“) besteht lediglich aus 2 Seiten und thematisiert zum einen Zitate und zum anderen das gezielte Verständnis einer Norm.

Exemplarisch sind einige der 25 Anhänge zu nennen. In Annex O („Facts that speak for themselves“) wird ein Sachverhalt mit 2 unterschiedlichen Intentionen wiedergegeben: den Angeklagten zu beschuldigen bzw. ihn zu verteidigen. Im Anschluss erläutert der Autor, welche Mittel und warum diese eingesetzt wurden. Annex V („Rules for quoting“) stellt Regeln zum Zitieren vor. „Answers to 20 frequently asked questions“ lautet die Überschrift von Annex X. Bei diesen 20 Fragen handelt es sich um typische Unsicherheiten. Die Antworten sind sehr verständlich verfasst. Besonders gelungen ist Annex Y („Practice exercises with answers“). Der Leser kann testen, was er zuvor gelernt hat. Der Autor erläutert, was an den Beispielsätzen falsch ist und verweist z.T. auf weitergehende Erklärungen im Buch.

Das Werk lebt von seinen Praxisbeispielen, welche immer kursiv gedruckt sind. Dadurch fallen sie dem Leser direkt auf. Besonders gelungen ist, dass es zumeist falsche und richtige Versionen gibt (z.B. S. 3). Die Unterschiede sind häufig unterstrichen. Falsche bzw. nicht optimale Aussagen sind zudem blasser gedruckt. U.a. existieren Angaben, woher der inkorrekte bzw. nicht optimale Satz stammt (z.B. S. 10: Barack Obama; S. 13: Urteil des US Supreme Court; S. 38: International New York Times). Leider wird keine genaue Fundstelle genannt.

Mitunter existieren auch mehrere Möglichkeiten, wie ein Satz sinnvoll verfasst werden kann (z.B. S. 12). Dies zeigt, dass der Leser immer ein gewisses Ermessen hat und seine eigenen Vorlieben einfließen lassen kann. Der Autor erklärt auch regelmäßig, warum eine Änderung vorgenommen werden sollte (z.B. S. 33: aktiv und passiv; S. 46: in Bezug auf Überschriften). Gelegentlich wird auf Ausnahmen verwiesen (z.B. S. 31: kurze Einleitungssätze voranstellen), wenn diese sinnvoll sind.

Es ist beeindruckend, wie sehr Sätze vereinfacht werden können. Nach der Umformulierung werden die Texte bzw. Verträge vom Leser besser verstanden. Durch den durchgestrichenen Text weiß der Leser sofort, welche Abschnitte überflüssig sind (z.B. S. 41). Leider wurden in Nr. 37 bei Annex Y („Practice exercises with answers“, S. 135) bereits in der Aufgabe Satzteile durchgestrichen, sodass der Leser sich nicht selbst testen kann.

Die genannten Problemlösungen (z.B. zur Vermeidung von Zweideutigkeiten) sind schnell und einfach umzusetzen, sodass sich auch derjenige Leser zurechtfindet und verbessern kann, der nicht die Zeit hat, um sich ausgiebig mit der Thematik zu befassen.

Gelungen ist u.a. die Aufzählung von Beispielen (z.B. S. 26: Suffixe, die für die Substantivierung verwendet werden). Der Autor ist darum bemüht, dem Leser Alternativen zu klassischen juristischen Phrasen aufzuzeigen, um eine zu juristische bzw. zu komplexe Sprache zu vermeiden (z.B. S. 20 f.; Annex H: „Word replacement list“), damit der Text im Grunde von jeder Person verstanden werden kann. Dies ist insofern überraschend, da der Leser bei dem Titel „Legal Writing Coach“ in erster Linie davon ausgehen wird, dass er erfährt, wie er besonders „juristisch“ schreibt.

Das Werk bietet eine gute Übersichtlichkeit. Häkchen („Checkmarks“) signalisieren die guten bzw. korrekten Beispiele. „Red flags“ machen auf Problembereiche aufmerksam. Tipps werden neben dem Word „Tip“ auch durch eine Glühbirne hervorgehoben.

Eine besondere Praxistauglichkeit ergibt sich dadurch, dass mitunter auf die Arbeit mit Microsoft Word und dessen Hilfe bei der Gestaltung eingegangen wird (z.B. S. 5: Umgang mit „which“; S. 27: Identifizierung eines „qualifiers“). In Annex G („Help from Microsoft Word“) wird beschrieben, wie der Leser diverse Hilfen einstellen kann.

Gelegentlich wird auch auf Unterschiede in British English (z.B. S. 7: square brackets; S. 8: brackets) und American English (z.B. S. 7: brackets; S. 8: parentheses) hingewiesen. Annex E („British v American legal usage“) beschäftigt sich ausführlich mit dieser Thematik.

Der Leser wird direkt angesprochen (z.B. S. 1), sodass der Autor eine Verbindung aufbauen kann. Bedauerlicherweise erklärt der Autor teilweise (zu) wenig (z.B. S. 9: „modifiers“; S. 27: „qualifier“) und geht davon aus, dass der Leser diese Begriffe bereits kennt. Grundsätzlich sollte der Leser demnach sehr gute Englisch- und insbesondere Grammatikkenntnisse mitbringen. Leider haben sich auch Fehler eingeschlichen (z.B. S. 3: „broader, deeper, and“ ist unterstrichen, obwohl keine Änderung zum Original vorgenommen wurde; S. 7 :„its,“, obwohl es „its“ heißen muss).

Bei Annex C („Common vocabulary errors“) ist anzumerken, dass die Unterschiede nicht immer (verständlich) erklärt sind (z.B. S. 58: „chose v choose“; S. 59: „frontier: This is not a synonym for „border“, as in the border between two countries.“). Annex D („Common preposition errors“) ist besonders verbesserungsbedürftig. Hier muss der Leser zunächst den Satz „The correct preposition is in parentheses“ lesen, da die falsche Formulierung nicht bzw. nur sehr selten kenntlich gemacht wurde. An dieser Stelle kann der Leser nicht schnell nachschlagen, da er sonst die falsche Präposition verwenden wird. Dies sollte zur Vermeidung von Verwechslungen in der nächsten Auflage behoben werden.

Das Werk ist trotz des eher „trockenen“ Inhalts anschaulich und teilweise sogar lustig verfasst (z.B. S. 19: „cut the fat, not the organs“; S. 51: „we don´t paraphrase Shakespeare“) und lockert auf.

Das Werk hat ein Vorwort und ein Inhaltsverzeichnis. Ein Sachverzeichnis existiert hingegen nicht. Häufig finden sich im Text Verweise zu den entsprechenden Stellen im Text bzw. in den Anhängen (z.B. S. 3). Randnummern sind jedoch nicht vorhanden. Weiterführende Literatur wird nicht genannt, sodass auch kein Literaturverzeichnis benötigt wird.

Fazit: Insgesamt handelt es sich bei dem Werk „Legal Writing Coach“ von Chris Jensen um ein gutes Nachschlagewerk für typische Fehler bei der Gestaltung englischer Texte. Besonders interessant ist, dass das Werk z.T. generell bei der Gestaltung von Texten, unabhängig von Jurisdiktion und Sprache, helfen kann, indem der Leser allgemeingültige Regeln lernt. Das Werk kann insbesondere dem vielbeschäftigten Anwalt u.a. aufgrund der Praxistauglichkeit empfohlen werden. Dem Autor ist allerdings anzuraten, die aufgezeigten Fehler in der Neuauflage zu beheben.