Donnerstag, 10. Mai 2018

Rezension: MüKo BGB Band 11 (IPR)

Münchener Kommentar zum BGB, Bd. 11, Internationales Privatrecht I, 7. Auflage, C.H. Beck 2018

Von Rechtsanwalt Florian Decker, Rechtsanwälte Andrae & Simmer, Saarbrücken


Der Beck-Verlag ist derzeit nach wie vor darin befasst, den Großkommentar zum Bürgerlichen Recht vollständig zu aktualisieren und in die siebte Auflage zu überführen. Im Zuge dessen wurde nun auch Bd. 11 erneuert, der sich als einer von zwei Bänden (neben Bd. 12) mit dem Internationalen Privatrecht befasst. Die Aufteilung auf zwei Bände ist dem Umstand geschuldet, dass das „Europäische Privatrecht“ das nationale Kollisionsrecht immer weiter verdrängt und die Regelungsdichte auf europäischer Ebene stetig zunimmt.

Im vorliegenden Band werden der allgemeine Teil des IPR, das IPR der natürlichen Personen und der Rechtsgeschäfte sowie das Internationale Familien- und Erbrecht abgedeckt. Teil der Kommentierung sind insoweit die entsprechenden Abschnitte des EGBGB sowie auch die jeweils dazugehörigen Internationalen Übereinkommen, wie etwa das CIEC-Übereinkommen, wobei die internationalen Übereinkommen den passenden Regelungen des nationalen Rechts jeweils zugeordnet und „dazwischengeschoben“ dargestellt werden. Daneben werden aber auch andere nationale Gesetze, wie etwa das Adoptionswirkungsgesetz, mit kommentiert. Auch die europäische Erbrechtsverordnung und die in dem Dunstkreis des Familien- und Erbrechts geschlossenen Haager Übereinkommen sind mit kommentiert.

Das Werk verfügt über ein außergewöhnlich umfangreiches Sachverzeichnis von über 200 Seiten, obwohl es insgesamt nur etwa 2200 Seiten aufweist. Man wird annehmen dürfen, dass das Verzeichnis nun wirklich alle sinnvollen Stichworte enthält und diesen, für den Praktiker leider oft etwas obskur erscheinenden, Rechtsbereich somit griffig macht.

Die Kommentierungen selbst sind, wie vom Münchner Kommentar gewohnt, glasklar aufgebaut. Auf den Normentext folgt die Angabe des verwendeten Schrifttums. Danach finden wir ein feingliedriges Inhaltsverzeichnis. Die einzelnen Abschnitte der Besprechung sind am Gesetzestext orientiert gegliedert, von klaren Überschriften durchsetzt, in einem angenehmen Schriftbild gefasst und mit Hervorhebungen versehen, die auch eine zügige Lektüre bzw. ein schnelles Auffinden der gesuchten Stelle ermöglichen, obwohl sehr tiefgehend kommentiert wird.

Die herangezogenen Rechtsquellen, sowohl (sehr intensiv) aus der juristischen Fachliteratur als auch aus der (großteils noch im Aufbau begriffenen) Rechtsprechung entnommen, werden in einem übersichtlichen Fußnotenapparat präsentiert und machen die Ausführungen gut nachvollziehbar.

Mit einem Einzelpreis von 289 € ist das Werk natürlich nicht günstig und daher nur dann zu empfehlen, wenn die fraglichen Teile des Internationalen Privatrechts in der Tätigkeit des Erwerbers auch häufiger vorkommen. Im Hinblick auf verschiedentliche Migrationswellen und die immer größer werdende Freizügigkeit in der EU, wird indes niemand etwa im Familienrecht praktisch tätig sein können, ohne des häufigeren auch grenzüberschreitende Sachverhalte (etwa betreffend eine Ehe zwischen einer luxemburgischen und einer belgischen Person, die in Italien geschlossen wurde und wenn möglich vor dem nunmehr deutschen Wohnsitzgericht der Parteien geschieden werden soll) handeln zu müssen. Für diese Arbeit ist ein solches Werk im Grunde unersetzlich.