Sonntag, 17. Juni 2018

Rezension: AktG

Hüffer / Koch, AktG, 13. Auflage, C.H. Beck 2018

Von Rechtsreferendar Konstantin Georg Manus, LL. M. (Stellenbosch), Frankfurt a.M.


Seit nunmehr fünfundzwanzig Jahren bereichert der Klassiker zum Aktienrecht aus dem Hause C. H. Beck, begründet von Dr. Uwe Hüffer, die gesellschafsrechtliche Praxis mit einem kompakten Standardkommentar, der durch seine präzise Ausgestaltung sowohl für die relevanten Organe einer Aktiengesellschaft, die Unternehmenspraxis, als auch für Studierende, Referendare, Notare sowie Richter mit aktienrechtlichen Berührungspunkten, unerlässlich geworden ist. Trotz der evidenten Praxisrelevanz vermag der Autor den wissenschaftlichen Diskurs aktiv zu bereichern. Nach der Verwendung einer Vielzahl von Gesamtkommentierungen zum Aktiengesetz lässt sich meines Erachtens kein Werk ausfindig machen, dass eine solch markante Gründlichkeit trotz des eher knappen Umfanges aufwarten lässt. Die seit jeher handgerechte Ausführung des Werkes unterstreicht dieses Faktum.

Nach der Einführung des Gesetzes für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst vom 24.04.2015 (BGBl. I 2015, S. 642 ff.) und dem Gesetz zur Änderung des Aktiengesetzes (Aktienrechtsnovelle 2016) vom 22.12.2015 (BGBl. I 2015, 2565 ff.) blieb das Aktienrecht in den letzten zwei Jahren von basischen Eingriffen verschont. Indes, kam es dennoch zu zahlreichen Entwicklungen, die das Aktienrecht tangieren.

Die Neuauflage berücksichtigt insoweit das Abschlussprüfungsreformgesetz (AReG), die Neubekanntmachung des Deutschen Corporate Governance Kodex (DCGK), die Novellierung des europäischen Marktmissbrauchsrechts, das Erste und Zweite Finanzmarktnovellierungsgesetz. Letzteres beinhaltet eine umfassende Reformierung, die selbst für Experten mit einem mühsamen Umdenken verbunden war. Gleichermaßen schließt der Standardkommentar die neue europäische Koordinierungsrichtlinie mit ein, die ein Gros der gesellschaftsrechtlichen Richtlinien vereint.

Auf exakt 2350 Seiten spricht das Werk eine anregende Sprache, die durchaus den Anstoß zu neuen Gedanken gibt. Beispielhaft hierfür ist ein neu aufkommender Diskurs zur sog. Accounting Judgment Rule, im Hinblick auf die bilanzrechtliche, unternehmerische Entscheidung nach § 93 Abs.1 Satz 2 AktG, der in angemessener Kürze eröffnet wird.

Die zahlreichen Entscheidungen des BGH sowie der Oberlandesgerichte wurden ausgewertet und in den relevanten Zusammenhang gesetzt. Durch die kürzlich zurückliegenden Novellierungen wurde entsprechend jüngere Literatur und Rechtsprechung miteinschlossen, die umfassend aufgeführt ist.

Insbesondere die Thematik der Wissenszurechnung von Vorstandsmitgliedern sorgte im letzten Jahr unter anderem im Zusammenhang mit Share Purchase Agreements (SPAs) oder Asset Purchase Agreements (APAs) und entsprechenden Freistellungsklauseln für Aufsehen. Hierzu stellt das privat erlangte Wissen einzelner Vorstandsmitglieder eine Ausnahme vom Regelfall, der ohnehin schon strittigen Wissenszurechnung dar. Die Thematik wird in historischer Reihenfolge auf den neuesten Stand gebracht und bietet dem Leser den aktuellen Diskussionsstand auf dem Silbertablett.

Inhaltlich findet eine Aufteilung in vier Teile statt. Das erste Buch behandelt die Aktiengesellschaft als solche. Diesem folgt ein kurzgehaltener Abschnitt zur Kommanditgesellschaft auf Aktien. Im dritten Teil befasst sich der Autor detailliert mit verbundenen Unternehmen. Schwerpunkt dieses Kapitel sind Unternehmensverträge und dessen rechtliche Behandlung. Zudem wird auf steuerrechtliche Fragen eingegangen Abschließend wird in angemessener Kürze auf Sonder-, Straf- und Schlussvorschriften aufmerksam gemacht.

Die Neuauflage des Hüffer/Koch ist daher uneingeschränkt als Leistungsträger in der Startaufstellung der aktienrechtlichen Kommentare nicht wegzudenken. Dabei bleibt es!