Samstag, 2. Juni 2018

Rezension: BGB Crashkurs

Timme, BGB Crashkurs. Der sichere Weg durch die Prüfung, 5. Auflage, C.H. Beck 2018

Von Dr. jur. Michael Höhne, Frankfurt am Main


Das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) stellt mit seinen derzeit 2394 Vorschriften (wegen weggefallenen und in verschiedene Buchstaben unterteilte Normen wie §§ 675a – z BGB nicht mehr 2385 [so aber S. 14]) einen zentralen und umfangreichen Bestandteil der Rechtsordnung dar. Dr. Michael Timme, Professor an der FH Aachen sowie Richter am LG Aachen, widmet sich dem sehr ambitionierten Unterfangen auf 159 Seiten einen gewinnbringenden Einstieg in die Materie zu verschaffen. Dabei wurden insbesondere auch die zum 01.01.2018 eingetretenen Änderungen des (Verbrauchsgüter-)Kaufrechts umfassend berücksichtigt (S. 115 ff., 119 ff.).

Die gegenständliche Rezension wird sich an den drei Aspekten aus Titel („BGB Crashkurs“), Untertitel („Der sichere Weg durch die Prüfung“) und „Werbezusatz“ auf dem Cover („Fall für Fall durch das Privatrecht“) orientieren.

„BGB Crashkurs“
Laut Buchtitel wird das BGB behandelt. Die Notwendigkeit einer sehr intensiven Komprimierung des Inhalts des BGB ergibt sich schon aus dem Format der Reihe „Beck kompakt“. Die Bücher haben regelmäßig nicht mehr als 160 Seiten in einer Größe ähnlich DIN A6. Im vorgegebenen Format würde allein der Abdruck der amtlichen Überschriften der Paragraphen des BGB im Fließtext das Buch zur Hälfte füllen.

Das BGB besteht aus fünf Büchern. Von diesen fünf Büchern werden (nur) die ersten drei Bücher näher behandelt. Buch 4 (Familienrecht) und Buch 5 (Erbrecht) werden nicht näher dargestellt. Auch wenn sicherlich für den Einstieg – in das Studium – die ersten drei Bücher eine besondere Relevanz entfalten, wäre zumindest ein kurzer Abriss der konkreten Regelungsmaterien auch des vierten und fünften Buches interessant gewesen. Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund, dass am Ende des Crashkurses auf 14 Seiten „Grundbegriffe des Handelsrechts“ dargestellt werden und eine „Einführung in das Gesellschaftsrecht“ erfolgt; bei einer Gesamtstärke von 152 Seiten (ohne Inhaltsverzeichnis und Vorwort) macht dieser Teil fast 10 Prozent aus und hätte auch sehr gut vollständig in dem „HGB Crashkurs“ von Timme (C.H. Beck, 2. Aufl. 2016) aufgenommen werden können.

Es besteht nur eine feine Linie zwischen einem Crashkurs – also einer Schulung, in der der Unterrichtsstoff besonders komprimiert und in kurzer Zeit vermittelt wird – und einem Crash-Kurs – mithin der (in Deutschland üblichen und bekanntesten) Übersetzung des Begriffes crash entsprechend einer Strecke, die zu einem Unfall führt. Das Buch von Timme hat sich dabei verdient, auf den Bindestrich zu verzichten, da die Lektüre sicherlich (auch im übertragenden Sinne) nicht in einem Unfall endet. Vielmehr liefert das Buch einen wirklich sehr nachvollziehbaren Überblick, der aber auch an vielen relevanten Punkten (hinreichend) tiefgehend ist. Besonders schön ist der Einstieg gelungen, der sogar Menschen, die noch nie mit dem BGB in Berührung gekommen sind, einen federleichten Zugang ermöglicht.

„Der sichere Weg durch die Prüfung“
Zunächst fragt sich, welche Prüfung der Autor meint und auf welche Prüfung die Aussage zutrifft. Es gibt in der juristischen Ausbildung nicht die Prüfung, sondern eine Vielzahl von Prüfungen, die von Studierenden zu bewältigen ist. Timme war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der ersten Auflage bereits seit sechs Jahren Professor an der FH Aachen am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften. Vor diesem Hintergrund dürfte nachvollziehbar sein, dass mit der Prüfung vorrangig eine solche aus dem Bereich des Studiengangs Wirtschaftsrecht gemeint ist. Dies lässt sich auch daran erkennen, dass das Buch gegen Ende einen besonders wirtschaftsrechtlichen Einschlag bekommt (siehe oben). Der sachliche Zuschnitt des Buches ermöglicht aber auch generell einen Einstieg in die Vorbereitung für Klausuren zum Allgemeinen Teil des BGB oder zum Deliktsrecht.

Für viele Klausuren aus dem universitären Bereich dürfte gelten, dass das Buch nicht einen „Weg durch die Prüfung“ darstellen kann. Ein fundamentaler Überblick, der zweifelsfrei geliefert wird, ist zwar notwendig, aber zumeist nicht hinreichend für die Bearbeitung von Klausuren. Das Buch ermöglicht demnach vielmehr einen schnellen „Weg in die konkrete Prüfungsvorbereitung“ oder im Nachgang zur Wiederholung eine „Abkürzung durch die Prüfungsinhalte“. Die sehr wertvollen Beispielsfälle (dazu sogleich mehr) werden zudem auch nicht immer genau so dezidiert im Gutachtenstil gelöst, wie dies von den Prüflingen üblicherweise erwartet wird. Sie dienen deshalb auch eher als Anhaltspunkt und nicht als Muster für die Prüfung(en).

Wie bereits angesprochen, handelt es sich nicht um eine Anleitung zur Nutzung eines „Crash-Kurses“. Vielmehr wird ein sicherer Weg für die Leser geebnet. Noch sicherer fühlt man sich auf einem Weg, wenn man weiß, wo man sich genau befindet und was sich gerade links und rechts von einem vorfinden lässt. Dies gewährleistet das Buch aufgrund der Abstufung der Gliederung in nur zwei Ebenen im Inhaltsverzeichnis ohne eine Nummerierung der Gliederungspunkte sowie eher seltene interne Verknüpfungen der Aspekte nicht vollständig (z.B. wo das Widerrufsrecht vorgestellt wird, hätte man es in Bezug zu den schon thematisierten Gestaltungsrechten Anfechtung und Rücktritt setzen können). Dieser Stil entspricht dabei der üblichen Aufmachung der Reihe „Beck kompakt“.

Eine verbesserte Absicherung wird auch durch die Rückbindung der Informationen an den Gesetzestext erzielt. Timme nimmt erfreulicherweise sehr häufig den Gesetzestext in Bezug. Ein kleines Verbesserungspotenzial ist gleichwohl noch bei Legaldefinitionen zu sehen (z.B. Seite 16: Definition Anspruch aus § 194 Abs. 1 BGB; Seite 87: Definition Fahrlässigkeit aus § 276 Abs. 2 BGB).

Insgesamt dienen die vielen prägnanten „Merkkästen“, „Auf den Punkt gebracht“-Abschnitte und Checklisten einer gesicherten Kenntnis der in dem Buch enthaltenen zentralen Informationen. Durch das Erlernen der vielzähligen dargestellten Definitionen erlangen Studierende zudem die für die Prüfung notwendige Grundsicherung.

„Fall für Fall durch das Privatrecht“
Der Aspekt, mit dem sich das Buch von anderen Büchern oder auch online verfügbaren Darstellungen am meisten abhebt, ist sicherlich die extrem hohe Dichte an sachnahen Beispielen. Kaum eine im Text abstrakt dargestellte Konstellation bleibt ohne praxisgerechtes und verständliches Beispiel. Die Lektüre wird damit sehr erleichtert und die Informationen werden in einer Art und Weise präsentiert, dass man sie leicht verarbeiten sowie besser erinnern kann. Wer sich später etwa einer vertiefenden Lektüre anderer Quellen widmet, wird häufig die schon bekannten Beispiele wiedererkennen, was eine Verfestigung und Vertiefung des zuvor Gelernten ungemein erleichtert.

Das Buch wird den Informationen aus Titel, Untertitel und „Werbezusatz“ im dargestellten Umfang gerecht. Als Einstiegsliteratur für das BGB (ohne Familien- und Erbrecht) sowie als Arbeitshilfe zur Wiederholung ist das Buch sehr zu empfehlen. Wer auch einen einfachen Einstieg in das Familien- und Erbrecht sucht, kann diesen z.B. bei Lange/Tischer, Familien- und Erbrecht, C.H.Beck, 4. Aufl. 2017, aus der verwandten Reihe „Jurakompakt“ finden.