Donnerstag, 7. Juni 2018

Rezension: Das Strafurteil

Ziegler, Das Strafurteil, 7.Auflage, Vahlen 2018

Von Rechtsreferendar Konstantin Georg Manus, LL. M. (Stellenbosch), Frankfurt a. M.



Das Strafurteil stellt traditionellerweise neben der staatsanwaltlichen Abschlussverfügung und der revisionsrechtlichen Arbeit eines der Hauptgebiete im strafrechtlichen Teil der Zweiten Juristischen Staatsprüfung dar. Demgemäß wendet sich dieses Skript zuvorderst an Rechtsreferendare, aber auch an AG-Leiter. Gleichermaßen kann es für junge Richter als werthaltige Hilfestellung in der Praxis dienen. Insbesondere in Nordrhein-Westfalen stellt die zweite Strafrechtsklausur in etwa 70% der Fälle eine Revisionsklausur dar. Demungeachtet, besteht in Ausnahmefällen die Chance, dass anstelle einer Revisionsbegutachtung ein Strafurteil anzufertigen ist. Sicher bleibt es jedem selbst überlassen dieses Skript in Kürze durchzuarbeiten oder sich damit über einen längeren Zeitraum auseinanderzusetzen. Gleichwohl gilt es, dazu in der Lage zu sein diese Aufgabe im strafrechtlichen Teil der zweiten Juristischen Staatsprüfung zu bewältigen. Hierzu ist eine Lektüre des beschriebenen Werkes zweifellos angebracht.

Auf nicht mehr als 157 Seiten widmet sich die mittlerweile 7. Auflage des Skriptes zum Strafurteil, herausgegeben von dem ehemaligen Regensburger Oberstaatsanwalt und im Jahr 2017 ernannten Vizepräsidenten des Landgerichts Landshut, Theo Ziegler, seit über zehn Jahren der Aufgabe ein praxisnahes, examensrelevantes sowie wissenschaftlich fundiertes Skript zur Verfügung zu stellen, dass zudem noch einen äußerst akzeptablen Preis (EUR 25,90) vorweisen kann. Bei dem Autor handelt es sich um einen erfahrenen Praktiker, der Einsicht in die Ausbildung von Rechtsreferendaren hat.

Von zentraler Bedeutung ist die Auseinandersetzung mit den notwendigen Formalien bei der Abfassung eines Strafurteils. Hierzu werden zahlreiche Mustertexte eingearbeitet. Der Grund hierfür ist die Tatsache, dass der optimale Ansatz zur Lösung einer Rechtsfrage seinen Stellenwert einbüßt, soweit es nicht gelingt, ihn entsprechend der verlangten Aufgabenstellung im Rahmen eines ordnungsgemäßen Strafurteils zu veranschaulichen. Nichtsdestotrotz ersetzen die multiplen Mustertexte nicht die Arbeit der Anfertigung der relevanten Urteilsgründe.

Es findet eine Aufteilung in drei Teile statt. Zunächst werden die Grundlagen des Urteilsaufbaus erarbeitet. An einleitender Stelle wird das Rubrum eines Strafurteils in all seiner erforderlichen Kürze behandelt. Es wird auf die zwingend erforderlichen Formulierungen Bezug genommen, wohingegen weniger examensrelevante Szenarien nicht selten mit einem Satz abgehakt werden. Die Erörterungen sind jedoch insgesamt knapp und fokussiert auf das Wesentliche. Gerade deswegen eignet sich das Werk zur zügigen Auseinandersetzung und ermöglicht dem Rechtsreferendar einen angemessen Einblick in die Thematik der Abfassung eines Strafurteils.

Im zweiten Teil beschäftigt sich Ziegler mit den einzelnen Bestandteilen des schriftlichen Strafurteils. Mit 130 Seiten stellt dieser Teil den Schwerpunkt des Werkes dar. Auffällig intensiv greift das Werk den Themenkomplex der Strafzumessung auf. An dieser Stelle beabsichtigt der Autor nicht nur die Grundsätze des Abfassens eines Strafurteils zu behandeln. Vielmehr wird beispielsweise die nachträgliche Gesamtstrafenbildung im Sinne des § 55 StGB überaus ausgeprägt und dennoch anschaulich dargestellt. Abschließend werden besondere Urteilsformen erörtert. Etwas verkürzt wird an dieser Stelle das Strafurteil in Jugendsachen und das Berufungsurteil ausgeführt. Begründet liegt dies wohl in der Größenordnung des Skriptes, als auch in der angestrebten Konzentration auf die wichtigsten- und damit auch examensrelevanten Besonderheiten des Strafurteils.

Das Werk präsentiert sich in durchdacht übersichtlicher Art und Weise und ermöglicht es dem Leser gezielt Problematiken bei der Anfertigung eines Strafurteils zu erörtern. Zudem wurde für die Neuauflage die aktuelle Rechtsprechung und Literatur eingearbeitet.

Insgesamt handelt es sich um ein hilfreiches Skript, welches dem Leser, der nur ein knappes Zeitbudget vorzuweisen hat, die wesentlichen Inhalte des Strafurteils in Umrissen zu erläutern. Gleichermaßen beabsichtigt der Autor seine hierdurch verschriftlichte Expertise, als Straf- und Jugendrichter, sowie Beisitzer und Vorsitzender einer Großen Strafkammer und einer Jugendkammer, (angehenden) Richterinnen und Richtern zur Verfügung zu stellen.