Mittwoch, 13. Juni 2018

Rezension: Die Verteilungspraxis der Verwertungsgesellschaften

Heinemann, Die Verteilungspraxis der Verwertungsgesellschaften, 1. Auflage, Mohr Siebeck 2017

Von RA Daniel Lagerpusch, Essen




Das Werk „Die Verteilungspraxis der Verwertungsgesellschaften“ von Tobias Heinemann liegt in der ersten Auflage vor. Es erschien 2017 im Mohr Siebeck Verlag in der Reihe „Geistiges Eigentum und Wettbewerbsrecht“. Der Autor setzt sich in dem Werk, das er als Arbeit im Rahmen seiner wissenschaftlichen Mitarbeit an einem juristischen Lehrstuhl an der Humboldt Universität Berlin verfasste, kritisch mit den Mechanismen auseinander, die der Verteilung der Einnahmen der Verwertungsgesellschaften zugrungeliegen.

Der Leser findet in dem Werk einen guten Einstieg in die Materie durch eine einführende Darstellung des rechtlichen Rahmens der kollektiven Rechtewahrnehmung durch die Verwertungsgesellschaften. Sprachlich gelungen und gut strukturiert führt der Autor, durch zahlreiche Fußnoten belegt, in das Thema ein.

Im weiteren Verlauf der Arbeit werden neben dem rechtlichen Rahmen, mithin den nationalen, europäischen und internationalen Regelungen, auch die außerrechtlichen Begründungsansätze dargestellt. Mit den Auswirkungen der im Rahmen der Privatautonomie geschlossenen Verträge der am System teilnehmenden Parteien setzt sich der Autor zunächst in Bezug auf seine Untersuchung, sodann in Bezug auf die Verteilungspraxis auseinander. Dabei stellt er detailliert einzelne Ansätze dar und ermittelt, sehr gut fundiert, die jeweiligen Kenntnisse und Konsequenzen aus diesen Ansätzen für die Beurteilung der Materie.

Im Rahmen des dritten Abschnitts der Arbeit, „Verteilungs- und Förderungspraxis der Verwertungsgesellschaften“ geht der Autor intensiv auf die aktuelle geltende Praxis ein und stellt die gängigen Mechanismen der GEMA, GVL und VG Wort dar. Dabei werden die jeweiligen Satzungen zugrunde gelegt, woraufhin die pauschalierende Verteilung der Gesellschaften explizit besprochen wird. Diesen Ausführungen folgen weitere zu der kulturellen Förderungspraxis sowie der sozialen Förderungspraxis, die allesamt pauschalierende Verteilungsmechanismen aufweisen, weshalb der Autor auch diese Mechanismen in seine Arbeit mit einbezogen hat. Mit den dargestellten Verteilungspraxen setzt sich der Autor jeweils kritisch auseinander.  Binnenrechtliche Aspekte sowie die Aufsicht der Gesellschaften und zu guter Letzt eine Schlussbetrachtung runden das Werk ab. 

Im Laufe der Lektüre erkennt man durchaus das fundierte Fachwissen des Autors. Auch wenn es stilistisch gut formuliert ist, eignet es sich aufgrund seines Charakters als wissenschaftliche Arbeit selbstredend weniger für einen praktisch tätigen Autor. Auch Künstlern, die mit den Gesellschaften in Berührung stehend dürfte dieses Werk wohl weniger als Nachschlagewerk dienen. Ein solches ist es nämlich gerade nicht. Die Thematik muss dem Leser in ihren Grundzügen bekannt sein. Das Werk geht in vielen Bereichen sehr in die Tiefe und kann somit einen wenig bis gar nicht mit der Materie vertrauten Leser schnell überfordern.

Schön wären tatsächlich auch in Einzelfällen Diagramme oder andere grafische Darstellung gewesen, die die Verbindung einzelner Beteiligter oder einzelner Abläufe zueinander besser dargestellt und greifbarer gemacht hätten. Auch wenn solche grafischen „Goodies“ in Dissertationen in der Regel nicht vorkommen, wäre es doch an der einen oder anderen Stelle hilfreich gewesen, durch eine Grafik die Bezüge der Beteiligten untereinander besser zu verstehen. Dies ist jedoch „Jammern auf hohem Niveau“, denn es ist letztlich ein Aspekt, dessen Fehlen die Wertigkeit des Werkes nicht schmälert, dessen Vorhandensein jedoch noch ein zusätzlicher Bonus gewesen wäre.

Hervorzuheben sind die zahlreichen Fußnoten, die es dem Leser ermöglichen, sich intensiver  mit der Materie zu beschäftigen, auch wenn dies durch die gut ausgearbeitete Darstellung nach hiesiger Auffassung nicht erforderlich erscheint.

Fazit: Das Werk bietet eine umfassende und zum Nachdenken und weiterführenden Selbststudium anregende Darstellung der Verteilungspraxis der Verwertungsgesellschaften. Für den bereits mit der Materie vertrauten Rechtsanwalt bietet es eine gute Übersicht der Strukturen und Mechanismen, die die Verteilungspraxis besser nachvollziehen lässt. Die Gesamtheit des Ablaufs wird ausführlich erläutert. Ein Grundwissen der Materie und des Zwecks der Verwertungsgesellschaften sollte jedoch beim Leser vorhanden sein, um die Dissertation in ihrer Gänze nachvollziehen und sich mit ihr intensiv beschäftigen zu können.