Dienstag, 12. Juni 2018

Rezension: Examens-Repetitorium Sachenrecht


Habersack, Examens-Repetitorium Sachenrecht, 8. Auflage, C.F. Müller 2016

Von Dr. Christian F. Bock, Hamburg


Wer sich der Vorbereitung im Sachenrecht zuwendet, sieht sich mit der schwierigen Frage konfrontiert, welches der zahlreichen Bücher zur Lektüre angeschafft werden soll. Aus der Unirep Jura Reihe erschien 2016 die 8. Auflage des Skripts Examens-Repetitorium Sachenrecht insbesondere zur Vorbereitung der schriftlichen Klausuren in der Ersten Prüfung. Seinem Selbstverständnis nach setzt das Skript Grundkenntnisse voraus und komprimiert den Stoff auf angenehme rund 220 Seiten. Die Materie wird hinsichtlich des Mobiliarsachenrechts auf die im Examen besonders relevanten Fragen des Eigentumserwerbs, des Eigentumsschutzes und der Sicherungsmöglichkeiten verschlankt. Auf rund einem Drittel des Skripts wird das Immobiliarsachenrecht ausgebreitet, wobei mit den Themenkreisen der Verfügung über Grundstücksrechte, der Vormerkung, der Hypothek und der Sicherungsgrundschuld wiederum die wesentlichen Examensfragen behandelt werden. Insoweit fördert bereits der erste Blick ins Inhaltsverzeichnis den Befund zu Tage, dass ausschließlich dieses Skript zur umfassenden Vorbereitung auf das Sachenrecht nicht ausreicht.

Mit einem untypisch ausführlichen Grundlagenteil beginnt das Examensskript (S. 1-31). Gerade in diesem Teil liegt eine große Stärke des Skripts. Auf einem sehr hohen Niveau schaffen die Ausführungen ein tiefgehendes Grundverständnis. So wird die dingliche Belastung des Vollrechts als Teilübertragung des Rechts beschrieben (Rn. 10) und am mit einem Pfandrecht belasteten Eigentum plausibel gemacht, das weiterhin die Veräußerungs- und Nutzungsbefugnis gewährleiste, aber die Verwertungsbefugnis an den Pfandgläubiger abspalte (Rn. 11). Diese Vorstellung erklärt sinnfällig die häufig entsprechende Anwendung der Übertragungsvorschriften für das Vollrecht auf beschränkt dingliche Rechte (vgl. §§ 1032, 1069, 1205, 1274 BGB). Auch die einprägsame Darstellung der drei Funktionen der Publizitätsmittel (Rn. 18) oder die Erläuterung sachenrechtlicher Grundbegriffe (Rn. 39 ff.), stets mit den durch Einzug als besonders wichtig kenntlich gemachten Passagen (Rn. 39, 41, 42, 47, 54 usw.) erleichtert das Verständnis der anschließenden Kapitel. Insgesamt erweist sich dieser Teil als Glanzstück der Vermittlung sachenrechtlicher Grundlehren.

Platzgreifend gemessen an der faktischen Bedeutung im Examen geraten die Ausführungen zum Pfandrecht (§§ 1204 ff. BGB). Andere Bereiche wie der zum– auch für das Examen – sehr bedeutenden Abwehr- und Beseitigungsanspruch gemäß § 1004 BGB könnten dagegen noch ausgebaut werden (S. 57-62). Allerdings zeigt das Skript auch insoweit ein Gespür für examensgefährliche Fragen, indem die Anwendung des Rechtsgedankens von §§ 251 Abs. 2, 254 sowie der §§ 987 ff. BGB problematisiert wird (Rn. 133, 135). Extrem hilfreich für die Examensvorbereitung stellt sich vor allem heraus, dass dem Leser in einem gewissen Rahmen die Ähnlichkeit und die Wiederholung einiger Problemkreise systematisch vor Augen geführt werden. Denn die analoge Anwendbarkeit der §§ 987 ff. BGB kommt neben § 1004 BGB ebenso beim Grundbuchberichtigungsanspruch nach § 894 BGB (Rn. 329) wie bei einem durch Vormerkung gesicherten schuldrechtlichen Anspruch auf dingliche Rechtsänderung (Rn. 336, 341) in Betracht.

Das Examens-Repetitorium Sachenrecht bereitet mit einem hoch wissenschaftlichen Ansatz auf die wichtigsten Examensfragen vor. Durchgehend orientiert sich das Skript am Examensniveau. Einige Teile weisen einen sehr hohen Schwierigkeitsgrad auf und dürften das Niveau der schwierigsten Klausuren erreichen. Weil das Skript lediglich den für das Examen zwingend präsenten Ausschnitt des Sachenrechts darbietet und zugleich weithin mehr als bloße Grundkenntnisse erfordert, eignet es sich ausschließlich zur Vertiefung des sachenrechtlichen Kenntnisstands. Insoweit ist es hervorragend geeignet und für anspruchsvolle Leser – neben einem weiteren Buch – unbedingt zu empfehlen.