Samstag, 14. Juli 2018

Rezension: Europäisches Unionsrecht

Vedder / Heintschel von Heinegg (Hrsg.), Europäisches Unionsrecht: EUV, AEUV, GRCh, EAGV. Handkommentar, 2. Auflage, Nomos 2018

Von Dr. Matthias C. Kettemann, LL.M. (Harvard), Frankfurt am Main


Ob Brexit, der Stabilitätsfond oder die Datenschutzgrundverordnung: keine Juristin und kein Jurist können sich in Deutschland heute leisten, das Europäische Recht zu ignorieren. Der Einfluss europarechtlicher Aspekte auf die Arbeit des Bundestags ist ebenso groß wie auf die Verfahren vor deutschen Gerichten. Selbst in der täglichen Anwaltspraxis vergeht kaum ein Tag ohne Fälle, die zumindest auch europarechtliche Dimension aufweisen.

Kurz gesagt: Jede Juristin und jeder Jurist muss wissen, wie Unionsrecht zustande kommt und funktioniert, welche Rolle der EuGH hat, wie Grundrechte durch die Charta beeinflusst werden und wie sich das Europarecht in die deutsche rechtliche Grundordnung einfügt.

Angesichts der rapiden Entwicklung des Europarechts reicht auch die Konsultation von Primär- und Sekundärrecht nicht aus. Einen Kommentar zur Rate zu ziehen, ist Pflicht. Angesichts der Vielfalt von guten Kommentaren alleine im deutschen Sprachraum fehlt die Wahl allerdings schwer. Nun liegt in der 2. Auflage ein wirklich exzellenter Handkommentar von fast 20 hochkarätigen Kommentatorinnen und Kommentatoren unter Leitung von Christoph Vedder (Augsburg) und Wolff Heintschel von Heinegg (Frankfurt/Oder) vor.

Mit dem Handkommentar Europäisches Unionsrecht (2. Auflage, Nomos, 2018) haben sie eine exzellente Handreichung verfasst. Auf fast 1700 Seiten wird auf Dünndruckpapier (und daher sehr handlich) alles geboten, was in einer üblichen Rechtspraxis an europarechtlichen Kenntnissen erforderlich ist. Und wo der Handkommentar aus Platzgründen keine weiteren Ausführungen enthält, verweist der ausführliche und behutsame editierte Anmerkungsapparat auf tiefergehende Beiträge, wie etwa aus der zehnbändigen Enzyklopädie Europarecht.

Der Handkommentar weist schön die systemischen Zusammenhänge im Europarecht nach. Er enthält die Unionsverträge EUV und AEUV, die Grundrechtecharta mit Erläuterungen, die acht Protokolle und Erklärungen zu den Verträgen und die Schlussakte zum Vertrag von Lissabon sowie den Euratom-Vertrag. Im Kommentar auch zu finden ist eine Übersicht über die Begleitgesetze, die in den Kommentierungen einbezogen wird.

Weiters wartet der Handkommentar mit einem guten Literaturverzeichnis und einer konzisen historischen Einführung auf. Gemeinsam mit einem sorgsam erarbeiteten, umfangreichen Stichwortverzeichnis bietet der Handkommentar einen wirklichen Mehrwert für rasche Forschungstauchgänge in die Untiefen des Europarechts.

2018 erschienen ist das Werk von Vedder und Heintschel von Heinegg sehr aktuell: Das Singapur-Gutachten und die Entscheidungen zur Flüchtlingsquote des EuGH und der PSPP-Vorlagebeschluss des BVerfG konnten noch einbezogen werden.

Der Handkommentar Europäisches Unionsrecht bleibt auch in seiner 2. Auflage eine wichtige europarechtlichen Erkenntnisquelle für alle, die mit der Realität des Europarechts zu tun haben: von angehenden Juristinnen und Juristen über Praktikerinnen und Praktiker bis hin zu Europarechtsexpertinnen und -experten.