Donnerstag, 12. Juli 2018

Rezension: Münchener Anwaltshandbuch Bank- und Kapitalmarktrecht

Fandrich / Karper, Münchener Anwaltshandbuch Bank- und Kapitalmarktrecht, 2. Auflage, C.H. Beck 2018

Von Rechtsreferendar Konstantin Georg Manus, LL. M. (Stellenbosch), Frankfurt a. M.


Das von Andreas Fandrich und Ines Karper herausgegebene Anwaltshandbuch im Bank- und Kapitalmarktrecht erschien nun auch schon in der zweiten Auflage mit dem Stand der Gesetzgebung von Ende 2017. Das Rechtsgebiet verändert sich rasant durch immer wichtiger werdende europarechtliche Regelungen in einem System der Harmonisierung und der fortschreitenden grenzüberschreitenden Transaktionen. Daher berücksichtigt die zweite Auflage die neuen Zahlungsdienste der EU-Zahlungsdienste-Richtlinie PSD II, das Gesetz zur Umsetzung der Verbraucherrechte-Richtlinie, das Gesetz zur Umsetzung der Wohnimmobilienkredit-Richtlinie sowie das Zahlungskontengesetz.

Das Handbuch gliedert sich in der zweiten Auflage in neun Kapitel beginnend mit den Grundlagen und endend mit den „Steuerlichen Bezügen des Bank- und Kapitalmarktrechts“. Dafür konnten die Herausgeber als weiteren Autor Rechtsanwalt und Steuerberater Nico Schley gewinnen. Auch konnten die Herausgeber Dr. Kai Zahrte für das Kapitel „Zahlungsverkehr“ gewinnen. Gänzlich neu ist das elementar wichtige Kapitel „Bankentgelte und deren Zulässigkeit“ von Rechtsanwalt Professor Dr. Hervé Edelmann und Rechtsanwältin Dr. Miriam Neth-Unger. Weitere Kapitel sind die Bankenaufsicht, die Geschäftsverbindung Bank Kunde, das Kreditvertragsrecht, die Kreditsicherheiten und das Recht der Kapitalanlage.

Inhaltlicher Schwerpunkt sind sicherlich der Zahlungsverkehr und die Kreditsicherheiten. Von besonderem Interesse war für mich das Kapitel des Rechts der Kapitalanlage von Wolf Freiherr von Buttlar. Dieses Kapitel ist sicher nicht nur für Profis interessant, sondern auch für Einsteiger geeignet, die sich entsprechendes Wissen im Bereich der Kapitalanlagen anlesen möchten. So waren für mich die Lektüre zu den Themen Vermögensverwaltung und prozessuale Besonderheiten im Kapitalmarktrecht am spannendsten (vgl § 8 VI, VII). Es gelingt Freiherr von Buttlar, lebensnah und für den Laien verständlich beispielsweise die Pflichten des Vermögensverwalters oder die Fragen der Beweislast detailliert zu besprechen. Ich konnte hier mein Wissen deutlich vertiefen und insbesondere auch bei den prozessualen Besonderheiten Verbindungen zu dem bereits Erlernten im Referendariat knüpfen.

Auch das in der zweiten Auflage erschienene Werk mit gut 900 Seiten erfreut sich großer Beliebtheit bei Praktikern und eignet sich als Nachschlagewerk auch hervorragend für Studenten und Referendare, die einen entsprechenden Schwerpunkt in der Ausbildung belegt haben. Der in diesem Handbuch wiedergegebene Inhalt ist kompakt und verständlich abgefasst bei gleichzeitigem Anspruch auf Vollständigkeit. Das Handbuch enthält Praxistipps, Formulierungsvorschläge und Checklisten, welche insbesondere für den Praktiker essentielles Handwerkszeug sind. Wichtig zu erwähnen ist auch, dass es die Herausgeber schaffen, die Thematik in der Tiefe wissenschaftlich und von der Blickrichtung des Praktikers her zu beleuchten. Die Übersichtlichkeit ist wie auch in der ersten Auflage und wie gewohnt bei der Reihe der Münchener Anwaltshandbücher gegeben, womit sich das Handbuch auch als schnelles Nachschlagewerk eignet.

Einzig kritikwürdig ist das Fehlen eines gewissen Tiefgangs im Bereich des Kapitalmarktrechts wie beispielsweise dem Recht der Verbriefungen, welches in der letzten Dekade als alternatives Finanzierungsmodell insbesondere große und mittelständische Kanzleien beschäftigt hat. Es bleibt zu hoffen, dass das Handbuch um ein solches Kapitel in der nächsten Auflage erweitert wird.

Als Fazit bleibt festzuhalten, dass das Handbuch soweit alles abdeckt, was der Praktiker benötigt. Es ist trotz des vorangegangenen Absatzes von meiner Seite vorbehaltlos empfehlenswert. Es kann mit Spannung abgewartet werden, welche Neuerungen die dritte Auflage mit sich bringt, welche sicherlich in den nächsten fünf bis zehn Jahren zu erwarten ist.