Samstag, 1. September 2018

Rezension: Einführung in das englische Recht

Christoph Graf von Bernstorff, Einführung in das englische Recht, 5. Auflage, C.H. Beck 2018

Von Dr. Carina Wollenweber-Starke, LL.M., Bad Berleburg


Das vorliegende Werk „Einführung in das englische Recht“ des Autors Prof. Dr. Christoph Graf von Bernstorff erscheint bereits in der 5. Auflage in der JuS Schriftenreihe bei C.H. Beck. Es befasst sich mit den Grundzügen des Rechts von England und Wales. Da das englische Recht immer wichtiger für international tätige Unternehmen und Juristen wird, erscheint es auch angebracht, sich mit den Grundzügen ausgiebig zu beschäftigen. Gesetze und Entscheidungen wurden noch bis Ende 2017 berücksichtigt.

Das 265-seitige Werk umfasst insgesamt 23 Kapitel (§), welche in 6 Teile unterteilt sind. Der 1. Teil trägt den Titel „Grundlagen des englischen Rechts“ und umfasst 2 Kapitel. Thematisiert werden sowohl allgemeine Besonderheiten des englischen Rechts (Kapitel 1) als auch das englische Staats- und Verfassungsrecht (Kapitel 2). Teil 2 widmet sich dem englischen Zivilrecht und ist in insgesamt 8 Kapitel unterteilt. Obwohl es in Kapitel 4 speziell um „Das Recht des Warenkaufs“ geht, wird bereits in Kapitel 3 „Grundlagen des Vertragsrechts“ viel zum Kaufrecht erläutert (z.B. S. 54 f.). Zusätzlich befasst sich Teil 2 insbesondere noch mit dem Deliktsrecht (Kapitel 6), dem Eigentumsrecht (Kapitel 7) und dem Familien- und Erbrecht (Kapitel 9). Der 3. Teil „Grundzüge des englischen Zivilverfahrensrechts“ besteht aus 3 Kapiteln: dem Zivilprozessrecht (Kapitel 11), dem Zwangsvollstreckungsrecht (Kapitel 12) sowie dem Insolvenz- und Vergleichsrecht (Kapitel 13). „Das Handels- und Gesellschaftsrecht“ wird im 4. Teil thematisiert. Es umfasst lediglich 2 Kapitel. Im 5. Teil geht der Autor auf „Weitere Bereiche des Wirtschaftsrechts“ in insgesamt 5 Kapiteln ein. Es wird in gebotener Kürze u.a. auf die Produkthaftung (Kapitel 18) und das Arbeitsrecht (Kapitel 19) eingegangen. Außerdem ist das internationale Privatrecht (Kapitel 20) zu betonen. Der 6. und somit letzte Teil „Strafrecht und Strafprozessrecht“ umfasst 3 Kapitel, wobei auffällig ist, dass Kapitel 23 („Mögliche Änderungen durch den Brexit“) nicht zu Teil 6 zu passen vermag. Dies hätte anderweitig gelöst werden können.

Dem Leser wird somit auffallen, dass alle wesentlichen Bereiche des englischen Rechts abgedeckt werden. Allerdings handelt es sich, wie der Titel bereits verrät, lediglich um eine Einführung, welche keine besondere Vertiefung bietet. Dies ist jedoch auch nicht der Anspruch des Autors.

Besonders hervorzuheben sind die vielen Vergleiche zwischen dem englischen Recht oder gelegentlich dem common law mit dem kontinental-europäischen (z.B. S. 57), aber insbesondere dem deutschen Recht (z.B. S. 43: Vertragsrecht; S. 49: Zugang von Willenserklärungen). Neben den zahlreichen Unterschieden weist der Autor auch auf Ähnlichkeiten hin. Der Autor liefert gelegentlich Erklärungen, warum diese Unterschiede vorliegen und woher sie stammen (z.B. S. 58: Beweisrecht). Dadurch kann der Leser sie sich gut einprägen.

Das Werk beinhaltet auch viele Zusatzinformationen, die für das Verständnis dieser Rechtskultur wichtig sind. So wird bspw. die Geschichte des englischen Rechts thematisiert und der Weg erläutert, bis ein Gesetz in Kraft tritt (S. 11 f.). Auch die Entwicklung des Vertragsrechts (S. 42 f.) und die Rechtslage der Produkthaftung bis 1988 (S. 215) werden nicht ausgespart. Diverse Zahlen (z.B. S. 16: Anzahl „County Courts“; S. 18: Anzahl der Richter im „High Court of Justice“; S. 24: Anzahl der „Solicitors“ und „Barristers“) lassen den Leser einen sehr guten Eindruck vom englischen Rechtssystem bekommen. Zusätzlich wird das Berufsbild des englischen Juristen dargestellt (S. 22 ff.) und die Juristenausbildung mit derjenigen in Deutschland verglichen (S. 27).

Zu erwähnen ist des Weiteren, dass eine gewisse Praxistauglichkeit durch die Nennung verschiedener Websites erzeugt wird (z.B. S. 12: englische Gesetzestexte; S. 30: Urteile des House of Lords).

Sehr gelungen ist, dass der Autor ausdrücklich auf die jeweiligen Auswirkungen des Brexit eingeht. Außer in Kapitel 23 wird der Brexit immer aufgegriffen, wo eine Bezugnahme angebracht erscheint (z.B. S. 15: kein Vorrang von EU-Recht mehr).

Auffällig ist, dass eine Orientierung an Leitentscheidungen („cases“) stattfindet. Diese Entscheidungen werden zusätzlich in einem Entscheidungsregister geführt, in welchem wiederum auf die jeweilige Seite im Werk verwiesen wird.

Wie bereits erwähnt befindet sich das Werk auf dem Stand von Ende 2017. Leider wird in Bezug auf den Werklieferungsvertrag nur auf § 651 BGB verwiesen anstatt auch zu erwähnen, dass dies ab 01.01.2018 § 650 BGB sein wird (S. 78). Der Autor hätte bereits auf kommende Änderungen hinweisen können, wie dies z.B. bei einem Verweis auf die Incoterms 2020 geschehen ist (S. 80).

Z.T. fällt die Verwendung von alten Begriffen aus der deutschen Rechtssprache auf (z.B „Wandlungsrecht“ (S. 54) oder „Wandlung“ (S. 81) anstatt „Rücktritt“). Dies könnte der Autor in der nächsten Auflage an den heutigen Sprachgebrauch anpassen.

Mit Hilfe des Sach- und Inhaltsverzeichnisses kann sich der Leser problemlos orientieren. In der Kopfzeile befindet sich u.a. der jeweilige Teil und das entsprechende Kapitel mitsamt Namen. Das Abkürzungsverzeichnis unterstützt den Leser beim Verständnis.

In der Fußzeile befinden sich die Fußnoten, welche häufig Aufschluss über die jeweilige Herkunft einer Aussage geben oder den Leser mit zusätzlichen Informationen versorgen. Allerdings könnten öfter Fußnoten verwendet werden (z.B. S. 75: kürzere Verjährungsfristen; S. 79: dispositiver Übergang von Gefahr und Eigentum; S. 80: Schadensersatz ohne Verschulden). Dies ist wünschenswert, falls der Leser weitere Informationen zur Thematik sucht.

Ein Literaturverzeichnis existiert nicht. Vielmehr ist die verwendete Literatur jedem Kapitel vorangestellt. Bei einigen Kapiteln wird auch zusätzlich die englische Literatur separat genannt, was hilfreich sein kann.

Randnummern zum präzisen Verweisen existieren nicht. Vielmehr wird auf das jeweilige Kapitel mit Unterkapitel verwiesen. Dies ist aber nicht immer der Fall, sodass eindeutigere Verweise wünschenswert gewesen wären (z.B. S. 43: „finden sich weiter unten“; S. 52: „dazu unten“).

Auch der Fettdruck zum Hervorheben wird lediglich für Überschriften oder Zwischenüberschriften verwendet. Vielmehr benutzt dieses Werk den Kursivdruck zur Kenntlichmachung von besonders wichtigen Wörtern. Dies würde durch Fettdruck allerdings besser funktionieren. Der Kursivdruck wird zudem verwendet, um zu betonen und um den Leser auf bestimmte Wörter oder Silben aufmerksam zu machen (z.B. S. 49: „Im deutschen Recht“, „Im englischen Recht“; S. 58: „nicht“; S. 217: „Privateigentum“). Dies gelingt mit der dezenten Art und Weise sehr gut. Die relativ dicken Seiten sind gut zum Markieren geeignet, sodass der Leser für ihn wichtige Wörter auch selbst hervorheben kann.

Fazit: Das vorliegende Werk bietet eine hervorragende Einführung in das englische Recht. Der Leser wird an viele verschiedene und äußerst abwechslungsreiche Rechtsgebiete herangeführt und erhält viele interessante Informationen zur Thematik. Da es sich lediglich um eine grobe Einführung handelt, wird sich der Leser naturgemäß weitere Literatur beschaffen müssen, um sich vertieft mit der Materie zu befassen. Demjenigen Leser, welcher einen ersten Einblick in das englische Recht, insbesondere auch mit vielen Vergleichen zum deutschen Recht wünscht, ist das vorliegende Werk sehr zu empfehlen.