Montag, 3. September 2018

Rezension: Gesellschaftsrecht

Bitter / Heim, Gesellschaftsrecht, 4. Auflage, Vahlen 2018

Von Johann v. Pachelbel, Essen


Die Koproduktion von Prof. Bitter von der Universität Mannheim und dem Münchner Rechtsanwalt Dr. Heim geht in die 4. Auflage. Ihr Konzept zur Vermittlung der Grundlagen des Gesellschaftsrechts an Studenten sowie an Praktiker nennt sich "Lern- und Fallbuch": Das vorliegende Buch zum Gesellschaftsrecht besteht aus einer Kombination des klassischen Lehrbuchs mit einer Fallsammlung. Auf knapp 240 Seiten sind lehrbuchartig die Grundlagen des Gesellschaftsrechts – gegliedert nach Gesellschaftsform – dargestellt. Daran schließen sich auf knapp 140 Seiten 23 Fälle zum Gesellschaftsrecht an. Damit weicht die Struktur des vorliegenden Buches vom Mainstream ab. Nur zu gut kennt der Student Lehrbücher zum Gesellschaftsrecht, in deren Erklärtext kleine Fallbeispiele oder zu lösbaren Fällen aufbereitete Rechtsprechung eingebaut sind. Hier jedoch wird der klare Erklärstrang der abstrakten Ausführungen nicht durch graue Kästchen, kursive Schrift oder kleinere Schriftgrößen unterbrochen, sondern bleibt sozusagen pur und verweist stattdessen lediglich auf den passenden Fall im hinteren Teil des Buches.

Exotisch ist auch die Gliederung der abstrakten Ausführungen. Begonnen wird mit der Darstellung des Vereins, dann der AG und der GmbH und am Ende sind die Personengesellschaften (GbR, OHG, KG) dargestellt. Dies ist die umgekehrte Reihenfolge im Vergleich zu den allermeisten Lehrbüchern zum Gesellschaftsrecht und soll laut den Autoren einen besseren Zugang zur Thematik deswegen ermöglichen, weil die Gesellschaften mit körperschaftlicher Struktur den "Anfänger" nicht so sehr verwirren würden wie die Strukturen einer Personengesellschaft. Tatsächlich ist die Lesart sehr angenehm. Die Ausführungen zum Verein sind knapp gehalten, führen aber aufgrund der simplen Struktur des Vereins klar verständlich an die verschiedenen Institute des Gesellschaftsrechts – Organe, Haftung der Gesellschaft, Vertretung, Geschäftsführung, etc – heran. Gestärkt durch das mit diesem sanften Einstieg gesammelte Verständnis ist nun die Aktiengesellschaft an der Reihe, die deutlich ausführlicher als in anderen Lehrbüchern zum Gesellschaftsrecht, aber immer noch in gebotener Kürze für den Einsteiger dargestellt wird. Konsequent werden Ausführungen, die sich bei den verschiedenen Gesellschaftstypen wiederholen würden, ausgespart und stattdessen Verweise gesetzt. Nach der AG folgt die GmbH, woraufhin die Personengesellschaften, angefangen mit der GbR, folgen. Die Idee hinter der Reihenfolge der Gesellschaftstypen ist, dass der Blick zuerst auf die Gesellschaft selbst und nicht auf die Gesellschafter geworfen werden soll, was bei klar körperschaftlich strukturierten Gesellschaften einfacher ist, weil Gesellschaft und Gesellschafter klar getrennt sind. Schon im Text über die GmbH wird der Fokus auf die Gesellschafter verstärkt, welche dann bei den Personengesellschaften klar im Vordergrund stehen.

Der Lehrbuchtext ist mit ca. 240 Seiten für insgesamt 7 Gesellschaftstypen knapp gehalten. So werden grundsätzlich nur die Grundstrukturen der Gesellschaften beschrieben, auf einzelne Probleme wird nur vereinzelt vertieft eingegangen. Zumeist werden zunächst unklare Rechtslagen beschrieben, die verschiedenen knapp Ansichten dargestellt und dann auf weiterführende Literatur und Rechtsprechung im Fußnotenapparat verwiesen. Die 23 Fälle im zweiten Teil vertiefen ausgewählte Probleme, die auch im Lehrbuch-Teil angesprochen werden.

Die Fälle im zweiten Teil sind kompakt und übersichtlich. Die Sachverhalte sind meist nicht über eine halbe Seite lang und fokussieren den Blick sofort auf ganz bestimmte Problemkreise. Der Lösungsvorschlag führt fast ausschließlich zu dem Problem aus und hält sich nicht mit Formalismen und Offensichtlichkeiten auf. Dementsprechend eignen sich die Fälle nicht zur Übung von Klausuren, weil diese dafür nicht formal genug aufgebaut sind, sondern einzig und allein zum besseren und tieferen Verständnis der abstrakten Ausführungen. Auch schaffen die Fälle mehr Kurzweil beim Lernen. Ist man des Lesens allgemeiner Ausführungen überdrüssig, schaut man sich zur Abwechslung kurz einen oder zwei Fälle an.

Fazit: Das vorliegende "Lern- und Fallbuch" zum Gesellschaftsrecht vermittelt die Grundlagen des Gesellschaftsrechts sehr gut und ist pädagogisch ansprechend aufgebaut. Wissenschaftlich arbeiten kann und soll man mit diesem Buch nicht, höchstens kann man dafür den ausführlichen Verweisen im Fußnotenapparat folgen. An tieferer Dogmatik des Gesellschaftsrechts interessierte Studiosi werden mit diesem Lehrbuch daher nicht glücklich. Seinen selbst gesetzten Zweck erfüllt das vorliegende Lehrbuch allerdings sehr gut. Für den (Wieder-)Einstieg ins Gesellschaftsrecht ist es zu empfehlen!