Samstag, 8. September 2018

Rezension: Strafrecht BT. Definitionen mit Erläuterungen

Küper / Zopfs, Strafrecht Besonderer Teil. Definitionen mit Erläuterungen, 10. Auflage, C.F. Müller 2018

Von Gregor Lienemann, München


Definitio est mater studiorum - Strafrecht lernen heißt zu einem nicht unerheblichen Teil, sich Definitionen einzuprägen. Die Fähigkeit zur präzisen Bestimmung von Tatbestandsmerkmalen entscheidet mit über den Erfolg von Fallbearbeitungen in einem Rechtsgebiet, das mit einer Vielzahl an erklärungsbedürftigen Begrifflichkeiten operiert. Kein Wunder also, dass sich das zu besprechende Buch als umfänglichste Definitionensammlung zum Besonderen Teil des StGB – nunmehr in 10. Auflage – bewährt hat.

Das mittlerweile vom Mainzer Strafrechtslehrer Jan Zopfs verantwortete Lexikon hält, was es verspricht (Vorwort, S. VII): es nimmt dem Leser die mühsame und kleinteilige Arbeit ab, aus Literatur und Judikatur die verschiedenen Definitionsansätze zu exzerpieren und zu gewichten. Von A wie Abfall bis Z wie Zwangsvollstreckung findet sich der aktuelle Stand definitorischer Erkenntnisse. So wurden etwa die Neuerungen in § 244 IV StGB (dauerhaft genutzte Privatwohnung, Rn. 823) und § 315d StGB (verbotene Kfz-Rennen, Rn. 385) eingearbeitet. Daneben hat sich so manches Delikt jenseits des Pflichtstoffs (z.B. § 292 StGB – Wilderei, Rn. 402) eingeschlichen, während überwiegend Unproblematisches (z.B. §§ 138, 241, 266b StGB) oder zum Allgemeinen Teil Gehöriges (z.B. § 228 StGB oder die Erfolgsqualifikationen) konsequent ausgespart wird.

Der innere Aufbau der Einträge ist sehr stringent und nach Meinung des Rezensenten ein wesentlicher Vorzug des Buches in Sachen Übersichtlichkeit und Lesbarkeit. Auf die Nennung des jeweiligen Rechtsbegriffs und seine Verortung im StGB folgen – grau hinterlegt – die eigentlichen Definitionen. Um der lexikalischen Vollständigkeit willen sollen diese wohl für alle Eventualitäten der Fallgestaltung rüsten und geraten daher bisweilen zu lang, um als klausurtauglich gelten zu können. Dies ist freilich auch Sub-Definitionen geschuldet (z.B. beim Urkundsbegriff, Rn. 540). In jedem Fall lassen sich die Definitionen grundsätzlich nicht 1:1 auf Karteikarten übertragen; hier liegt die etwaige Straffung oder Priorisierung beim Leser, dem die eigenständige Arbeit mit dem Buch ohnehin nützt.

Den Definitions„kästen“ nachgeschaltet sind die Belegstellen aus Schrifttum und Rechtsprechung. Letztere lassen Küper/Zopfs an ausgewählten Stellen im Original zu Wort kommen, sodass mancherorts zugleich eine wertvolle Anthologie zu höchstrichterlichen Leitentscheidungen entsteht. Folglich kann man ohne eigenen Rechercheaufwand nachlesen, welche Brüche oder Kontinuitäten die Rechtsprechung – mitunter seit dem Reichsgericht – durchziehen.

Mit dem Abschnitt „Erläuterungen“, welcher der breiteren Abhandlung von Strukturfragen, Auslegungsproblemen und den zugehörigen Streitständen dient, nimmt das Definitionenbuch unweigerlich Züge eines Lehrbuchs an. Gerade die Betrugsdogmatik wird relativ ausführlich entfaltet (Rn. 625-687, dort auch separat zum Dreiecksbetrug). Dies ist insoweit unerlässlich, als die Autoren andernfalls Mindermeinungen, die sich nicht in den Ausgangdefinitionen wiederfinden, unterschlügen und somit das diskursive Moment der (Strafrechts-)Wissenschaft missachteten. Zudem schaffen die „Erläuterungen“ vertiefte Verständniseffekte im Zusammenspiel mit den auswendig gelernten Inhalten. Konzeptionell können sie damit selbstredend kein systematisches Lehrbuch oder Skript ersetzen, insbesondere fehlen Prüfungsschemata und zusammenhängende Überlegungen zu Deliktsgruppen.

Fazit: Ein durchweg zu empfehlendes Kompendium zu den Tatbestandsmerkmalen des Besonderen Teils, das mehr ist als eine bloße Auflistung der gängigen Definitionen für die Reproduktion in Prüfungsarbeiten. Sein Mehrwert steckt nach Meinung des Rezensenten vielmehr in der Möglichkeit für Anfänger wie Fortgeschrittene, sich verständnisorientiert solide Begriffskenntnisse anzueignen.