Montag, 10. September 2018

Rezension: System der Unterhaltsberechnung

Gutdeutsch, System der Unterhaltsberechnung, 1. Auflage, C.H. Beck 2018

Von RAG Dr. Benjamin Krenberger, Landstuhl


Vom Programm zum Buch, so in etwa könnte man die Erstauflage des Werks zur Unterhaltsberechnung von Gutdeutsch zusammenfassen. Denn der Autor ist vor allem durch sein Berechnungsprogramm bekannt, das bei Gerichten, Behörden und auch in Kanzleien Anwendung findet (WinFam). Schon bei der Nutzung des Programms fiel stets die besonders hohe Dichte an Details und Hinweisen auf, sodass die Schaffung eines Grundlagenwerks zur Unterhaltsberechnung nur ein logischer weiterer Schritt ist.

Mit gerade einmal 250 Seiten kommt das Buch angenehm schlank daher und verspricht eine überschaubare Lektürezeit. Dafür sorgt auch die gelungene Gestaltung des Werks. Neben dem großzügigen und damit lesefreundlichen Layout werden die vorhandenen Fließtexte mit fett gedruckten Schlagwörtern, echten Fußnoten und unzähligen Berechnungsbeispielen ausgestattet, sodass Theorie und Praxis sofort ineinander fließen. Ergänzend findet man Prüfungsanleitungen und eingerahmte Beispiele.

Das Buch soll keinen Kommentar zum Unterhaltsrecht ersetzen, sondern das Grundlagenwissen schaffen, das man benötigt, um später einen Kommentar mit Gewinn nutzen zu können. Dementsprechend ist der erste Teil (A.) auch mit „Grundlagen“ überschrieben und nimmt gut die Hälfte des Buches für sich in Beschlag. Neben einleitenden Worten zum Aufbau des Unterhaltsanspruches, dessen Prüfungsreihenfolge noch im Schlussteil (F.) zusammenfassend erläutert wird, kommen der Bedarf und korrelierend das Einkommen ausführlich zur Sprache. Anschließend werden im zweiten Teil (B.) die einzelnen Unterhaltsrechtsverhältnisse dargestellt, hiernach die Mehrheit von Unterhaltsberechtigten (C.) und Unterhaltspflichtigen (D.) sowie abschließend die Konstellation der Unterhaltsverpflichtung von ihrerseits Unterhaltsberechtigten (E.).

Gut gefällt bei all den vorhandenen grundlegenden Ausführungen, dass Gutdeutsch an allen wichtigen Stellen ins Detail geht, um den Variantenreichtum der Materie plastisch zu demonstrieren. Dies ist etwa beim Mindestselbstbehalt zu sehen, der in bestimmten Konstellationen erhöht oder vermindert werden kann (S. 27 ff.), bei der Hinzurechnung fiktiven Einkommens (S. 65 ff.) oder bei der Herabsetzung bzw. zeitlichen Begrenzung des nachehelichen Unterhalts (S. 154 ff.). Die einschlägigen Fallgestaltungen werden sukzessive erarbeitet und gelöst, selbstverständlich mit passenden Beispielen und unter Bezugnahme auf die Rechtsprechung des BGH und der Obergerichte. Sollte einmal die Situation eintreten, dass es widerstreitende OLG-Meinungen gibt, ohne dass der BGH sich bereits positioniert hat, macht Gutdeutsch dies stets in knappen, aber klaren Worten deutlich (S. 116).

Ich kann dieses Buch nicht nur jedem Dezernatseinsteiger in Familiensachen empfehlen, sondern meiner Ansicht nach ist das Buch auch im Referendariat gut geeignet, um den jungen Juristen den Blick auf eines ihrer späteren Hauptberatungsfelder im Familienrecht zu öffnen. Der konsequente systematische Ansatz der Darstellung hilft an vielen Stellen über die faktische Komplexität der Materie hinweg und entzaubert mitunter manchen Mythos des angeblich so verworrenen Unterhaltsrechts. Ein gelungenes und empfehlenswertes Buch.