Samstag, 1. Dezember 2018

Rezension: Der Erbprozess

Bonefeld / Kroiß / Tanck, Der Erbprozess, 5. Auflage, zerb 2017

Von RAG Dr. Benjamin Krenberger, Zweibrücken


Trotz der respektablen Wurzeln des Erbrechts bis hinein die Zeiten des Römischen Rechts gehört das Rechtsgebiet ganz klar zu einem der modernsten, da beratungsintensivsten Betätigungsfelder für Rechtsanwälte, Steuerberater und Gerichte. Von diesem Umstand zeugt auch das in nunmehr fünfter Auflage vorliegenden Handbuch zum Erbprozess, das sich in erfreulich abwechslungsreicher Gestaltung präsentiert und den Leser und Rechtsanwender zu keinem Zeitpunkt im Zweifel darüber lässt, dass er das Erbrecht vielschichtig und ergebnisorientiert begreifen muss: in den Fließtext eingeflochtene Zitate der Rechtsprechung, praktische Hinweise, Musterformulierungen, Beispiele, Berechnungen und Checklisten sorgen stets dafür, dass sich die Erläuterungen effektiv und zugleich pragmatisch in den Rechtsalltag des Lesers einfügen lassen. Das Bearbeiterteam ist größtenteils aus vielen anderen Publikationen zum Erbrecht bekannt und bewährt, sodass man sich auch qualitativ auf ein schönes Lektüreerlebnis freuen kann. Ungefähr 1250 Seiten inklusive Verzeichnissen harren der punktuellen oder sukzessiven Bearbeitung. Nicht enthalten ist eine CD-Rom oder ein Link, unter dem man die zahlreichen Formulierungsmuster abrufen und in die eigene Fallbearbeitung übernehmen oder modifizieren kann. Dies wäre sicherlich eine Anregung für die Folgeauflage und entspräche dem Angebot anderer Verlage.

Insgesamt 15 Abschnitte fassen den Erbprozess unter verschiedenen Gesichtspunkten zusammen. Es beginnt mit Verfahren nach der ZPO, die mit erbrechtlichen Ansprüchen zu tun haben, wohingegen das Erbscheinsverfahren nach dem FamFG später in Kapitel 12 zu finden sein wird. Dennoch wird das FamFG sinnvoll in das erste Kapitel integriert, etwa wenn es um einstweiligen Rechtsschutz geht (§ 1, Rn. 197). Im Folgenden wird unterschieden nach der Erbenstellung, sodass zunächst die Durchsetzung der Ansprüche des Alleinerben und danach des Miterben, dann des Vorerben und schließlich des Nacherben erläutert wird. Sodann kommen Vermächtnis und Pflichtteil zur Sprache sowie im Anschluss der Testamentsvollstrecker. Weitere Kapitel widmen sich der Erbenhaftung, den Kosten in Erbsachen, der Zwangsvollstreckung und der Teilungsversteigerung. Abgerundet wird das Werk mit Abschnitten zum internationalen Erbrecht sowie zur Prozessfinanzierung. Das Nachlassinsolvenzverfahren hat kein eigenes Kapitel erhalten, sondern wird inzident in § 9, Erbenhaftung, mit behandelt.

Der stichprobenartige Blick zeigt zunächst, dass die Ausführungen durchweg aktuell sind. Beispielhaft zu sehen ist dies in § 14, wo die seit dem Jahr 2015 geltende EU-ErbVO ausführlich dargestellt wird, insbesondere was die Auswirkungen auf das Verfahrensrecht oder die Prüfung des ordre public angeht. Des Weiteren ist eine sinnvolle assoziative Herangehensweise bei den Ausführungen zu beobachten, wenn immer wieder auch steuerrechtliche Hinweise mit einfließen, aber auch mögliche Ansprüche nicht nur beispielhaft angeführt werden, sondern, wie etwa in § 9 ausführlich mit jeweils eigener Zwischenüberschrift behandelt werden, sodass man sich zum einen ein gutes Gesamtbild verschaffen kann, aber auch viel besser als in einem Kommentar bei konkreter Recherche fündig werden wird. Ebenfalls sehr erfreulich ist der durchweg durchgehaltene Dualismus des Blicks der Autoren auf die einvernehmliche sowie die streitige Lösung von erbrechtlichen Problemen. Dies zeigt dem Leser klar auf, welche Strategien bei der Beratung des Mandanten bzw. auch dem Richter im Hinblick auf Vergleichsmöglichkeiten denkbar sind. Zu nennen wäre pars pro toto die Auseinandersetzung der Miterbengemeinschaft, die zuerst, § 3, Rn. 322 ff., als einvernehmliche Lösung präsentiert wird, um anschließend, § 3, Rn. 413 ff., beim Scheitern der Verhandlungen in die Erbteilungsklage überzugehen. Schließlich überzeugt (mich) auch die konsequente Heranführung des Lesers an die vorhandenen Rechtsschutzmöglichkeiten für die behaupteten Ansprüche, indem gerade die Mittel des einstweiligen Rechtsschutzes immer wieder aufgegriffen und ggf. auch mit eigener Einschätzung bewertet werden, schön zu sehen etwa in § 6, Rn. 133 ff., bei der einstweiligen Sicherung des Anspruchs aus einem Vermächtnis.

Das Fazit zu diesem Handbuch ist einfach: wer die Strukturiertheit des Erbrechts bereits materiell-rechtlich schätzt, wird sich dieses Werk als prozessualen Begleiter nicht entgehen lassen können. Aufbau, Konzeption und die Ausführungen im Detail überzeugen von vorne bis hinten und die Lektüre ist selbst für den prozesserfahrenen Juristen eine Bereicherung.