Donnerstag, 7. Februar 2019

Rezension: Kompetenztrainer Rechtsdidaktik

Zimmermann / Aksoy, Kompetenztrainer Rechtsdidaktik. Juristisches Lehren und Lernen gestalten, 1. Auflage, Nomos 2019

Von Dr. jur. Michael Höhne, Frankfurt am Main


Seit einigen Jahren erfährt das Thema ‚Rechtsdidaktik‘ vermehrt Aufmerksamkeit: Im letzten Jahr fand bereits zum dritten Mal die biennale ‚Fachtagung Rechtsdidaktik‘ in Österreich statt. Seit dem Jahr 2013 erscheint die ‚Zeitschrift für Didaktik der Rechtswissenschaft‘ (ZDRW) quartalsweise. Sogar schon seit dem Jahr 2011 erscheint die Schriftenreihe ‚Schriften zur rechtswissenschaftlichen Didaktik‘; mittlerweile sind darin über zehn Werke publiziert worden. Wenig überraschend ist es folglich, dass nunmehr ein Buch erscheint, das sich zur Aufgabe gemacht hat, „dem Dozenten Werkzeuge an die Hand zu geben, mit denen er seine Veranstaltungen gestalten kann“ (siehe Vorwort, Seite 5). Einerseits können dabei die durch die neuerlich aufflammenden Diskussionen gewonnenen Erkenntnisse verarbeitet werden und andererseits kann von den Autoren auf langjährige persönliche Erfahrung im Bereich der juristischen Lehre zurückgegriffen werden.

Die grobe Struktur des Buches ist nachvollziehbar und sinnvoll: Behandelt werden übergeordnet die Themen „Begriff ‚Rechtsdidaktik‘“, „Kriterien guter Lehre“, „Planung von Lehrveranstaltungen“, „Durchführung und Nachbereitung von Lehrveranstaltungen“, „Aktivierende Methoden für Veranstaltungen“ und „Klausuren“. Die Bereiche werden dabei weitgehend sehr grundlegend aufgearbeitet und dargestellt. Die Autoren legen großen Wert darauf, dass man jeden Gedankenschritt nachvollziehen kann. Sehr angenehm und sinnvoll ist, dass am Anfang jedes Abschnitts Fragen formuliert werden, deren Beantwortung jeweils im Folgenden erfolgen soll, und dass am Ende jeweils eine Zusammenfassung der wesentlichen Aspekte steht.

Nicht selten ist es nur ein kleiner Schritt von der allgemeinen Didaktik hin zu einer Rechtsdidaktik, so gibt es etwa sicherlich Lehrmethoden, die sich besonders gut im juristischen Kontext eignen (vgl. Seite 102), aber eben keine didaktischen Methoden, die nur für den Juristen relevant sind. Dies führt bereits dazu, dass man einige Informationen auch aus anderen Lehrkontexten kennt (etwa noch aus der Schulzeit). Die Autoren versuchen deshalb insbesondere über Beispiele aus der Juristenausbildung die konkrete Relevanz für eine Rechtsdidaktik hervorzuheben (anschaulich etwa das Struktur-Diagramm auf Seite 99). Positiv hervorzuheben ist auch die konkrete Berücksichtigung der großen Bandbreite von Lehrveranstaltungsarten (siehe etwa Seite 53 ff., 104).

Der Titel des Buches klingt gut und ansprechend, er ist allerdings m.E. nicht ganz präzise: Störend ist die Verwendung des Begriffes ‚Trainer‘. Nach meinem Verständnis ist ein Trainer eine Person, die zunächst auf einer theoretischen Ebene die wichtigsten bzw. relevanten Informationen liefert, aber nicht minder auch den Fortschritt in der Praxis beobachtet und gezielte Hinweise zur Verbesserung gibt. Naturgemäß ist – nach derzeitigem technischem Stand – die unmittelbare Kommunikation zwischen Leser und Autor über das Medium Buch nicht möglich. Gleichwohl wäre es durchaus möglich gewesen, dem Leser Trainingseinheiten an die Hand zu geben. Denkbar wäre es etwa, abstrakt ein Problem oder einen Fall darzustellen und dann den Leser überlegen zu lassen, wie (bzw. mit welchen Methoden) man didaktisch besonders zielführend agieren könnte. Insbesondere, wenn man verschiedene Antwortmöglichkeiten zur Verfügung stellen würde, könnten danach die Vor- und Nachteile einer Methode am Beispiel aufgezeigt werden. Es ist sicherlich nicht zwingend, etwas Vergleichbares im Buch aufzunehmen. Allerdings legt der Buchtitel nahe, dass das Werk nicht bei der Erläuterung endet.

Generell wird sich – auf kurz oder lang – die Frage stellen, inwieweit Präsenzunterricht überhaupt noch zeitgemäß ist. Insbesondere Großveranstaltungen wie Vorlesungen müssen schon jetzt von Studierenden nicht mehr zwingend besucht werden. Das online-Angebot wird immer größer und besser. Beispielhaft zu nennen sind etwa die sehr guten Jura-Podcasts der LMU München (siehe https://www.jura.uni-muenchen.de/studium/e-learning/index.html Stand: 07.01.2019). Wenn eine Vorlesung online abrufbar ist, dürfte die Motivation sinken, in der Universität präsent zu sein. Auch Kleingruppenveranstaltungen werden mittlerweile online zur Verfügung gestellt (gebührenpflichtig etwa https://www.lecturio.de/ Stand: 07.01.2019). Der Vorteil von Präsenzveranstaltungen liegt – noch – darin, dass konkret auf die Zuhörer bzw. Studierenden eingegangen werden kann. Sicherlich lassen sich mittlerweile auch bei Live-Übertragungen unmittelbar Fragen stellen. In einer bereits aufgezeichneten Veranstaltung kann aber im Nachhinein (derzeit) nicht mehr auf individuelle Bedürfnisse eingegangen werden. Die juristische Lehre sollte in Präsenzveranstaltungen deshalb besonderen Wert auf die aktivierenden und einbeziehenden Methoden legen, da sich Präsenzlehre dadurch längerfristig legitimieren kann. Ausgesprochen wertvoll ist deshalb die im Buch getroffene Auswahl der für die Lehrtätigkeit eines Juristen besonders geeigneten didaktischen Methoden (Seite 102 ff.).

Wünschenswert wäre es gewesen, die Möglichkeiten technikunterstützten Vorgehens mehr auszuloten. So wird etwa der Bereich E-Learning / Blended Learning sehr kurz und auffällig kritisch gehalten (siehe Seite 61). Auch Präsentationssoftware dürfte in der Praxis ein höherer Stellenwert als im Buch zukommen (siehe Seite 65 ff.). Des Weiteren wäre beispielsweise eine nähere Darstellung (siehe nur Seite 136) von Audience Response Systems erfreulich gewesen (siehe dazu etwa Eickelberg, Didaktik für Juristen, 2017, S. 50; Höhne, ZDRW 2015, S. 297 ff.).

Zusammenfassend lässt sich Folgendes konstatieren: Der Inhalt ist leicht verständlich dargestellt und sollte von jedem Lehrenden verinnerlicht sein. Das Buch ist folglich eine sinnvolle Ergänzung zu bereits bestehender Literatur zur Rechtsdidaktik (z.B. Dyrchs, Didaktikkunde für Juristen, 2013).