Mittwoch, 6. März 2019

Rezension: Kollektives Arbeitsrecht

Richardi / Bayreuther, Kollektives Arbeitsrecht, 4. Auflage, Vahlen 2019

Von stud. iur. Lara Ruckh, Münster


Das Lehrbuch „Kollektives Arbeitsrecht“ erscheint nunmehr in der 4. Auflage. Ursprünglicher Autor ist Dr. Reinhard Richardi, ehemaliger Professor der Universität Regensburg. Dort war er Inhaber des Lehrstuhls für Arbeits- und Sozialrecht, Bürgerliches Recht und Handelsrecht sowie Dekan der Juristischen und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät. Zwischenzeitlich war er außerdem Vizepräsident des Deutschen Arbeitsgerichtsverbands. Seit der 2. Auflage schreibt auch Dr. Frank Bayreuther, ebenfalls Professor und aktuell Inhaber des Lehrstuhls für Bürgerliches Recht und Arbeitsrecht an der Universität Passau, an dem Werk mit. Darüber hinaus haben sich beide Autoren als Kommentar-Autoren und Verfasser zahlreicher weiterer Publikationen einen Namen gemacht.

Inhaltlich behandelt das Lehrbuch alle Themen des kollektiven Arbeitsrechts: Das Recht der Koalitionen, das Tarifvertragsrecht, das Arbeitskampf- und Schlichtungsrecht, das Betriebsverfassungsrecht, Besonderheiten des Personalvertretungsrechts, das Recht der Unternehmensmitbestimmung und schließlich die verfahrensrechtlichen Besonderheiten einer betriebsverfassungsrechtlichen Streitigkeit.

In der umfangreichen Behandlung all dieser Themen liegt meiner Meinung nach auch die größte Stärke des Buches: Jedes Problem, welches ich nachgucken und vertiefen wollte, habe ich in Richardis/Bayreuthers Werk gefunden. Meistens sogar gut und ausführlich, aber trotzdem in gebotener Kürze erklärt. Es eignet sich daher hervorragend als Nachschlagewerk oder für besonders interessierte Studenten. Was dabei aber leider auf der Strecke bleibt, sind ausführliche Fälle und insbesondere gutachterliche Lösungen. Für mich als Studentin gab es zu wenig Beispiele, die das eben Erlernte hätten verdeutlichen und anhand der Praxis erklären können.

Auch die optische Aufmachung des Buches ist ein wenig vernachlässigt worden: Es finden sich keinerlei Hervorhebungen innerhalb des Fließtextes, an denen man sich orientieren kann. So ist es schwer zu erkennen, wann ein „Schlagwort“ fällt und der Leser besonders aufmerksam sein sollte. Einziges Stilmittel bleiben somit die verschiedenen Schriftarten und Schriftgrößen. Allein optisch hat das Buch mich daher so gar nicht angesprochen.

Dieser Eindruck wird noch unterstrichen, weil bedauerlicherweise keine einzige Übersicht enthalten ist, sondern bloß ein einziger Blocktext zur Verfügung steht. Meiner Meinung nach haben die Autoren hier die Chance, Zusammenhänge oder Hierarchien zu erklären, schleifen lassen – An vielen Stellen wäre eine Übersicht in Form eines Schaubilds wirklich schön gewesen und hätte beim Erklären große Hilfe leisten können.

Außerdem bin ich persönlich ein großer Fan davon, wenn am Ende jeden Kapitels eine Zusammenfassung, am besten wieder in einem übersichtlichen Schaubild oder anhand eines Katalogs von Wiederholungsfragen, erfolgt. Mit Hilfe dieser erstelle ich nämlich meistens meine Karteikarten und weiß dann nochmal genau, was aus einem Kapitel wirklich Grundwissen und was bloßes Detailwissen oder Vertiefung ist. Außerdem lässt sich das Gelernte daran gut überprüfen. Ich würde den beiden Autoren deshalb gerne empfehlen, zukünftig verschiedene Schaubilder, Übersichten und Prüfungsschemata einzubauen.

Alles in Allem kann ich „Kollektives Arbeitsrecht“ aufgrund seines Umfangs also eher nicht dem regulären Studenten empfehlen, der lediglich eine Vorlesung aus dem Koalitions- und Tarifvertragsrecht besucht. Als „kleines“ Nachschlagewerk für eine Hausarbeit oder Seminararbeit eignet es sich dagegen hervorragend. Außerdem kann ich mir vorstellen, dass das Werk auch für Praktiker oder einfach besonders interessierte Studenten geeignet ist.