Dienstag, 23. April 2019

Rezension: Soziale Arbeit und Recht

Stock / Schermaier-Stöckl u.a., Soziale Arbeit und Recht (Lehrbuch), 1. Auflage, Nomos 2016

Von RAin, FAin für Sozialrecht Marianne Schörnig, Düsseldorf


Die Autoren stammen aus der Praxis des Studienbetriebes und sind allesamt vertraut mit den Anforderungen des Studiums der Sozialen Arbeit und mit dem Spagat, den die Studierenden im Übergang von Lehre zum Berufsalltag bewältigen müssen. Es handelt sich u.a. um Prof. Dr. iur. Barbara Schermaier-Stöckl, Professorin für Familien- sowie Kinder- und Jugendhilferecht an der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen, Mediatorin (BAFM) und Prof. Dr. iur. Christof Stock, Professor für Sozial-, Verwaltungs- und Medizinrecht an der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen, Rechtsanwalt, Fachanwalt für Medizin- und Verwaltungsrecht.

Das Buch stellt das für das sozialarbeiterische Handeln notwendige rechtliche Wissen in verschiedenen Handlungsfeldern der Sozialen Arbeit dar. Die Autoren vereinen zwei unterschiedliche Disziplinen mit jeweils verschiedenen Methoden und Sprachgebräuchen.

Das Lehrbuch wird durch die "Fallsammlung und Arbeitshilfen für Soziale Arbeit und Recht“ derselben Autoren ergänzt. Der Aufbau des Buches ist gegliedert in Vorwort, Inhalts-, Abbildungs- und Abkürzungsverzeichnis, den eigentlichen Text sowie Literatur- und Stichwortverzeichnis. Bereits im Vorwort weisen die Autoren darauf hin, dass die Schreibweise gendergerecht und geschlechtsneutral ist. Auf die leserunfreundliche Schreibweise "SozialarbeiterInnen" oder "Sozialarbeiter/ - Innen" wird hier dankenswerterweise verzichtet.

Gleich zu Beginn (Teil A) geben die Autoren einige wertvolle Hilfestellungen, die meines Wissens in jedem anderen Lehrbuch für Soziale Arbeit und Recht fehlen: "Wo finde ich ein Gesetz? Wie lese ich ein Gesetz? Was sind Gesetzessammlungen, Urteile, Kommentare? Was ist ein Leitsatz?" Diese sind die absolut notwendigen Grundlagen, die auch jeder Studienanfänger verinnerlichen muss und Materienfremden wenn auch nicht die Vorgehensweise, so doch immerhin das nötige Rüstzeug vermittelt.

Der erste Teil ist dann aber eher abstrakter Natur: Es geht den Autoren um das Verhältnis der Sozialen Arbeit zu ihren Bezugswissenschaften einerseits und zur Rechtswissenschaft andererseits. Die Professionen unterscheiden sich unter anderem in Sprache, Methodik und Abstraktion. Berührungspunkte ergeben sich aus den gemeinsamen Zielgruppen von Rechtswissenschaft und Sozialer Arbeit.

Die nächsten Kapitel in Teil B greifen die rechtlichen Aspekte unterschiedlicher Handlungsfelder der Sozialen Arbeit auf. Zunächst führen die Autoren anhand eines typischen Falls in das jeweilige Handlungsfeld ein: Soziale Arbeit mit Menschen in finanziellen Problemlagen, Soziale Arbeit mit Paaren, Familien, Kindern, arbeitsrechtliche Fragen zur Sozialen Arbeit, Soziale Arbeit im Bereich Bildung, Soziale Arbeit mit Menschen mit Behinderung, mit kranken und pflegebedürftigen Menschen , mit Migranten und Flüchtlingen, mit Straffälligen und Opfern von Straftaten. Besonders hervorzuheben sind die Schaubilder, mit denen z. B. alle Bereiche des Sozialrechts dargestellt oder juristische Begriffe bis in kleinste Details erläutert werden (so z. B. der Begriff der Behinderung, S. 164).

Der Teil C behandelt allgemeine Rechtsgrundlagen der Sozialen Arbeit. Dies ist vor allem das allgemeine Rechtssystem, gegliedert in Zivil und Zivilverfahrensrecht, Straf- und Strafprozessrecht und Verwaltungs- und Sozialrecht. Teil D behandelt wieder wie Teil B verschiedene Schwerpunkte der Sozialen Arbeit. Dies sind u.a. Haftungsfragen, Existenzsicherungsrecht, Kinder- und Jugendhilfe, rechtliche Betreuung, Eingliederungshilfe, Familiennachzug u. v. m. Das Buch endet mit Wiederholungsfragen, gegliedert zu allen Kapiteln des Lehrbuchs.

Der Aufbau des Buches erschließt sich mir nicht: Teil A behandelt theoretische Aspekte und abstrakte Fragen, Teil B die Praxis des Berufsalltags, Teil C wieder die theoretische Anwendung des Erlernten auf verschiedenen Rechtsgebieten, Teil D springt wieder zurück zur Praxis: Anwendung des Lehrstoffs auf verschiedenen Gebieten der Sozialen Arbeit. Das Hin- und Her zwischen Theorie und Praxis ist unlogisch. Das ist aber auch der einzige Kritikpunkt. Für den Bereich "Soziale Arbeit und Recht" gibt es einige gute rechtliche und methodische Darstellungen. Was hier hervorsticht und die Lesbarkeit erhöht (neben dem eingangs schon erwähnten Verzicht auf politisch korrekte Geschlechterspezifische Leserbezeichnungen) sind die Abbildungen und Schaubilder.