Sonntag, 9. Juni 2019

Rezension: Examenskurs BGB

Musielak / Mayer, Examenskurs BGB, 4. Auflage, C.H. Beck 2019

Von Stud. iur. Antonia Gaupp, Halle


Im Januar 2019 ist die vierte Auflage des Examenskurses zum Bürgerlichen Gesetzbuch im Beck Verlag erschienen, herausgegeben von Herrn Prof. Dr. Hans-Joachim Musielak und Mitautorin Frau Prof. Dr. Claudia Mayer, die an die Stelle von Prof. Dr. Wolfgang Hau tritt.

Aufbauend und ergänzend zum Grundkurs BGB desselben Autors werden mit dem Werk in erster Linie Studierende der fortgeschrittenen Semester, die sich auf das erste Staatsexamen vorbereiten, wie auch Referendare, die das materielle Recht auffrischen möchten, angesprochen. Empfehlenswert ist es daher, vor der Lektüre des Examenskurses über das notwendige Grundlagenverständnis zu verfügen, welches nicht notwendigerweise mithilfe des entsprechenden Grundkurses erworben werden muss. Der Examenskurs BGB verweist allerdings auf entsprechende Erörterungen im Grundkurs, sodass sich beide Werke ergänzen und Wiederholungen vermieden werden sollen. Damit dient der Examenskurs der Darstellung examensrelevanter Schwerpunkte mit einer Lern- und Verständniskontrolle.

Inhaltlich werden das Zustandekommen sowie der Inhalt von Verträgen, die Geschäftsführung ohne Auftrag (GoA), das Bereicherungsrecht, Deliktsrecht, Besitz und Eigentum, das Recht der Kreditsicherheiten sowie Grundzüge des Familien- und Erbrechts auf 563 Seiten behandelt.

Bei der Neuauflage wurden gesetzliche Änderungen, wie die Modernisierung des Kaufrechts, aktuelle Gerichtsentscheidungen und Veröffentlichungen berücksichtigt und an entsprechender Stelle auf diese verwiesen. Beispielsweise wird bei der Behandlung des Verkäuferregresses nach § 445 a BGB auf einen aktuellen Beitrag von Weidt in der JuS 2018 zum „Rückgriff des Verkäufers im neuen Mängelhaftungsrecht“ hingewiesen (S. 58), der zur vertiefenden Lektüre empfehlenswert ist. Im Rahmen der Grundzüge des Erbrechts findet auch die BGH Rechtsprechung aus 2018 Erwähnung, nach der Nutzungsrechte, die dem Erblasser eines sozialen Netzwerks aus dem Nutzungsvertrag zustehen, eine Rechtsposition darstellt, in die die Erben eintreten (S. 421). Auch Entscheidungen aus den Jahren 2016 und 2015 zur Unterhaltspflicht der Kinder gegenüber ihren Eltern finden ihren Eingang im Rahmen des Kapitels zum Familienrecht (S. 412).

Besonders hervorzuheben ist, dass auch bei der vierten Auflage ein jedes Kapitel mit Fällen und Fragen abschließt, sodass Studierende selbstständig anhand der am Ende des Buches beigefügten Lösungen überprüfen können, ob das entsprechende Kapitel verstanden wurde und die Anwendung des theoretisch Erlernten gelingt. Dies ist insbesondere vor dem Hintergrund wichtig, dass es im Examen nicht darum geht, theoretisches Wissen losgelöst niederzuschreiben, sondern an entsprechender Stelle im Gutachten in gebotener Ausführlichkeit und unter Berücksichtigung des jeweiligen Falles anzuwenden.

Innerhalb des Textes erfolgen immer wieder prägnante Exkurse, die beispielsweise Besonderheiten und Streitstände des allgemeinen Schuldrechts aufgreifen und so mit dem besonderen Schuldrecht verknüpfen. Im Rahmen der Falschlieferung im Kaufrecht wird die Frage der Rechtsnatur der Erfüllung und Tilgungsbestimmung virulent, weshalb hier die verschiedenen Erfüllungstheorien kurz erwähnt werden. Dadurch wird dem Leser deutlich, an welcher Stelle diese Problematik Relevanz innerhalb des Kaufrechts entfaltet (S. 44 ff.).

Im Kontext der Darstellung vertraglicher Schuldverhältnisse werden neben dem Kauf die Schenkung, der Werkvertrag sowie das Verbraucherkreditrecht behandelt. Es wäre wünschenswert, den Mietvertrag und die Besonderheiten des Leasings mit aufzunehmen.

Auch die bei Studierenden nicht unbedingt beliebte Prüfung von AGB wird auf neun Seiten eingehend erklärt. Zudem wird ein übersichtliches Prüfungsschema an die Hand gegeben (S. 88 f.), mithilfe dessen eine AGB-Kontrolle kein Hindernis mehr darstellen sollte.

Die Ausführungen zum Bereicherungsrecht stellen anhand vieler kleiner Beispielsfälle und der anschließenden Fälle zur eigenständigen Übung eine gute Möglichkeit dar, insbesondere den Bereicherungsausgleich in Drei- und Mehrpersonenverhältnissen zu wiederholen und zu vertiefen.

Ebenso positiv anzumerken ist die ausführliche Darstellung der durch § 823 I BGB geschützten „sonstigen Rechte“ (S. 182 ff.), welche anhand von Beispielen in verständlicher Sprache mit Leben gefüllt und so für die Studierenden greifbar werden. Im Anhang zum Deliktsrecht werden auf acht Seiten (S. 217 – 224) Schuldner- und Gläubigermehrheiten inklusive der gestörten Gesamtschuld anschaulich mithilfe von Fallabwandlungen erklärt. Leider lässt das Kapitel zum Deliktrecht Ausführungen zur Gefährdungs- und Produkthaftung vermissen.

Im Abschnitt des Rechts der Kreditsicherheiten sind unter anderem Ausführungen zur Bürgschaft, dem Eigentumsvorbehalt und seinen Sonderformen sowie zu Pfandrechten mitsamt der Problemdarstellung zum gutgläubigen Erwerb eines Unternehmerpfandrechts (S. 352) zu finden. Zur ersten Erarbeitung der jeweiligen Sicherheiten ist zweifellos ein vertiefendes Lehrbuch vorab zur Hand zu nehmen.


Insbesondere die Option der Selbstkontrolle anhand von über 270 Fällen und Fragen und die Ergänzung des Stoffes um Beispiele erleichtern die Vermittlung und das Festigen der behandelten Themen, weshalb ich den Examenskurs BGB jedem fortgeschrittenen Studierenden empfehlen kann.