Donnerstag, 13. Juni 2019

Rezension: Medizinrecht

Quaas / Zuck / Clemens, Medizinrecht, 4. Auflage, C.H.Beck 2018

Von Ri’inSG Domenica D’Ugo, Saarbrücken


„Medizinrecht“ ist ein recht schwammiger Begriff, weswegen der jeweils zuständige Autor im Vorwort und auf den ersten Seiten des Buches zunächst klar stellt, was genau Gegenstand der Ausführungen ist. Demnach liegt der Schwerpunkt des Werks auf dem öffentlichen Medizinrecht, also dem Recht betreffend die gesetzliche Krankenversicherung, die Leistungserbringer ((Zahn-)Ärzte, psychologische Psychotherapeuten, Heilpraktiker, MVZ, medizinische Einrichtungen) sowie dem Recht über Medizinprodukte, Arzneimittel- und Verbandrecht, Heil- und Hilfsmittel. Außerdem finden sich Erläuterungen über besondere Bereiche des Medizinrechts, namentlich über die Biomedizin, die Pflegeversicherung und das Arztstrafrecht.

Als Schwerpunkt der Rezension soll exemplarisch der Abschnitt (§§ 18 bis 24 des Buches) über das Vertrags(zahn)arztrecht herangezogen werden, dessen Bearbeitung vom ehemaligen Richter am Bundessozialgericht Prof. Dr. Clemens übernommen worden ist. Etwas irritierend ist bei der Lektüre der ersten Seiten des Abschnitts, dass die Fußnoten (insgesamt 1100 auf rund 150 Seiten) teilweise mehr als die Hälfte, hin und wieder sogar bis zu vier Fünftel (!) der Seiten einnehmen. Dies wird jedoch im Verlauf der Ausführungen besser. Nach den extrem fußnotenlastigen geschichtlichen und allgemeinen Erläuterungen kehrt sich das Verhältnis zwischen Text und Nachweisen in ein normales Verhältnis um und das Lesen wird einfacher. Nicht allzu einfach allerdings, was ein bisschen dem teilweise inflationär benutzten Fettdruck von einzelnen Begriffen geschuldet ist, sicherlich aber mehr der sehr komplexen Materie selbst. Weiterhin ist das Thema höchst vielschichtig, so dass eine kurze, pointierte Abhandlung darüber aller Erfahrung nach schwer möglich ist. Insoweit ist dem Autor, dessen Ausführungen erwartungsgemäß an keiner Stelle fachliche Schwächen aufweisen, kein Vorwurf dahingehend zu machen, dass beim Lesen hin und wieder Fokus und Standort verloren gehen. Als schnell helfendes Handbuch in der alltäglichen Praxis kann das Werk diesbezüglich also nicht wirklich dienen, als grundlagen- und problemorientiertes Lehrbuch für Fortgeschrittene aber durchaus. Dies ist ausweislich des Vorwortes zur ersten Auflage aber auch das erklärte Ziel der Herausgeber, denen die geschilderte Problematik natürlich bekannt war und die dies auch erfrischend ehrlich erläutert haben.

Ebenso erfrischend ehrlich ist, um ein weiteres Kapitel heranzuziehen, auch die ausführliche, fundierte und völlig zu Recht zum Teil bissig formulierte Kritik von Prof. Dr. Gokel, Rechtsanwältin und Professorin in Heidelberg, am Heilpraktikertum. Gerade nach der Lektüre zur umfassenden Regulierung der an der Universität ausgebildeten Heilberufler (also die rund 650 Seiten vor dem Kapitel „§ 33 Heilkunde und ihre Ausübung“) erscheint es noch absurder als sonst, dass gewissermaßen staatlich abgesegnet „Heilmagnetierung“ und Irisdiagnostik betrieben werden dürfen und die Kosten teilweise sogar durch Versicherungen und Beihilfe übernommen werden.

Ob das Buch sich zu Recht, wie es im Vorwort angepriesen wird, als Standardwerk für Wissenschaft und gerichtliche/anwaltliche Praxis entwickelt hat, mag jeder einzelne Nutzer für sich selbst beurteilen. Mit Blick auf den bunten Strauß an Informationen, die es auf seinen über 1000 Seiten birgt, dürfte der Preis von 159 € angemessen sein.

Abschließend soll noch angeregt werden, dass der Verlag – auch wenn Papiersparen grundsätzlich begrüßenswert ist – zumindest so viel Platz zwischen den einzelnen Abschnitten zubilligen sollte, dass beim Durchblättern und gezielten Suchen optisch klar wird, wann das Thema wechselt. Dies würde das Handling deutlich verbessern.