Dienstag, 4. Juni 2019

Rezension: StGB

Satzger / Schluckebier / Widmaier, StGB, 4. Auflage, Carl Heymanns 2019

Von RA Dr. Sebastian Braun, Leipzig


Bereits 2 Jahre nach der 3. Auflage erscheint der „SSW-StGB“ in der neuen Version. Trotz dieses verhältnismäßig kurzen Zeitabstandes hat der Gesetzgeber genug Anlass gegeben, um die Kommentierung zu aktualisieren. Beispielhaft seien hier die Neueinführung von § 315d StGB, die neuen Tatbestände im Sportstrafrecht, §§ 265c, d StGB oder die Novellierung von § 203 StGB erwähnt.

Wer bereits mit dem „SSW-StGB“ gearbeitet hat, weiß, dass es sich hierbei um ein Werk der vorhandenen strafrechtlichen Kommentarliteratur handelt, das eine Zwischenposition einnimmt. Schließlich handelt es sich nicht um einen Großkommentar wie den MüKo oder LK, aber auch nicht um einen knackigen Kurzkommentar, wie es bei Fischer oder Lackner/Kühl der Fall ist. Das bedeutet: Der „SSW-StGB“ eignet sich optimal für denjenigen, der sich übersichtlich in eine Strafnorm einarbeiten, aber gleichzeitig detaillierte und auch kritische Darstellungen lesen möchte. Das Werk umfasst knapp 2600 Seiten, wobei der Preis von 149,00 Euro absolut vertretbar ist.

Das Format ist wie gewohnt praktisch und angenehm zu nutzen. Zu betonen ist auch, dass man als Leser schnell findet, wonach man sucht. Hierzu tragen die im Fließtext eingebetteten Fettmarkierungen bei, die die relevanten Begriffe, Schlagwörter und Normen optisch zur Geltung bringen und dem Nutzer dadurch eine zuverlässige Orientierung bieten.

Optisch wäre jedoch wünschenswert, die Literaturangaben in separate Fußnoten zu überführen. Insbesondere wenn die Quellennachweise einen größeren Umfang einnehmen, wird der Lesefluss etwas unterbrochen.

Inhaltlich hat der Rezensent bereits verstärkt mit der Kommentierung von Satzger zu § 263 StGB gearbeitet. Diese überzeugt sowohl hinsichtlich der inhaltlichen Schwerpunktsetzung als auch bezüglich der strukturierten Darstellungsweise. Sehr schön gelungen ist z.B. die mitunter diffizile Abgrenzung von ignorantia facti und sachgedanklichem Mitbewusstsein im Rahmen des Irrtumsmerkmales. Hier bildet Satzger übersichtliche Kategorien, die den Zugang zur Materie erheblich erleichtern. Selbiges gilt für die alphabetische Darstellung von Einzelfällen der konkludenten Täuschung. Von A wie Abo-Falle bis Z wie Zahlungsbereitschaft werden prägnant und teilweise sehr ausführlich die in Rechtsprechung und Schrifttum vertretenen Auslegungsprämissen dargelegt und mitunter auch kritisch beleuchtet.

Ebenfalls überzeugend ist die Kommentierung von Bosch zu § 203 StGB. Ausführlich stellt er die Grundlagen der Norm, aber auch die Neuregelungen vor. Hier ist begrüßenswert, dass sich Bosch näher mit dem Merkmal der Erforderlichkeit im neuen § 203 III StGB auseinandersetzt. Dieses ist höchst unbestimmt formuliert und weist praktische Anwendungsschwierigkeiten auf, was auch Bosch – aus Sicht des Rezensenten vollkommen zutreffend – moniert (§ 203 Rn. 1 und Rn. 46).

Die Kommentierung des neuen § 315d StGB hat Ernemann übernommen. Im Zentrum des Straftatbestandes steht der Begriff des Kraftfahrzeugrennens. Diesen füllt der Autor anschaulich mit Leben. Grundlage seiner Darstellung sind die Gesetzesmaterialien, von denen er sich jedoch an entscheidenden Punkten auch abzugrenzen traut und damit vor Fehlauslegungen der Norm schützen will. Beispielhaft sei die Definition des Begriffes „Rennen“ genannt, in deren Rahmen Ernemann eine obligatorische Rückkopplung zu § 29 I StVO ablehnt.

Als Fazit bleibt festzuhalten: Der Kommentar überzeugt. Man erhält ein kompaktes und dennoch detailliertes Werk, das sowohl Ansprüche von Wissenschaftlern als auch Praktikern befriedigen dürfte.