Mittwoch, 4. Oktober 2017

Rezension: Die Anwaltsklausur Zivilrecht

Kaiser / Kaiser / Kaiser, Die Anwaltsklausur Zivilrecht 7. Auflage, Vahlen 2017

Von Dipl. Jur. Jannina Schäffer, Stuttgart

  
Mit dem Referendariat kommen viele neue Bücher auf einen zu, die den Schwerpunkt auf praxisrelevantes Wissen setzen. So auch das Skript „Die Anwaltsklausur Zivilrecht“ von Kaiser/Kaiser/Kaiser, das 2017 in der 7. Auflage beim Verlag Franz Vahlen erschienen ist. Es gehört zu der Reihe „Assessorexamen – Lernbücher für die Praxisausbildung“. Bei den meisten Referendaren ist die Reihe mit der markanten blau-grünen Umschlaggestaltung äußerst bekannt. Die drei Autoren leiten nämlich die gleichnamigen Kaiserseminare, die auf das zweite Staatsexamen vorbereiten sollen und in diesem Bereich wohl zu den Marktführern gehören.

Im zweiten Examen besteht knapp die Hälfte der Zivilrechtsklausuren aus Anwaltsklausuren. Das Skript soll dementsprechend zielgerecht genau auf diesen Klausurtyp vorbereiten. Die Verfasser wollen das examensrelevante Wissen auf diesem Gebiet prüfungsorientiert, anschaulich und komprimiert darstellen. Außerdem soll das Skript zur Begleitung bzw. Vor- und Nachbereitung ihrer Kaiserseminare dienen. Grundsätzlich kann man das Skript aber auch unabhängig von den Seminaren verstehen.

Das Skript ist in drei Teile gegliedert. Im ersten Teil wird die zivilrechtliche Anwaltsklausur besprochen. Zuerst folgt dabei eine kurze Einführung in das Thema. Sodann werden die fünf typischen Konstellationen besprochen, in denen eine Anwaltsklausur im Examen abgefragt werden kann. Dazu zählen die Anwaltsklausur aus Klägersicht, die Anwaltsklausur aus Beklagtensicht, die Anwaltsklausur im einstweiligen Rechtsschutz, die Anwaltsklausur aus Sicht des Berufungsführers und die Anwaltsklausur aus Sicht des Berufungsbeklagten. Innerhalb der jeweiligen Fall-Konstellationen erfolgt zunächst eine Einleitung und ein kurzes Schema wie die Klausur aufgebaut werden soll. Daraufhin werden die typischen Probleme thematisiert, die in diesem Klausurtyp auftauchen können. Beispielsweise bei der Prüfung der Erheblichkeit oder der Prüfung der Schlüssigkeit oder innerhalb der Zweckmäßigkeitserwägungen.

Im zweiten Teil des Skripts wird die Anwaltsklausur aus dem Zwangsvollstreckungsrecht dargestellt. Die Autoren unterscheiden dabei zwischen der echten Zwangsvollstreckungsklausur und der unechten Zwangsvollstreckungsklausur. Im Rahmen der echten Zwangsvollstreckung werden die typischen Klagearten wie Erinnerung gem. § 766 ZPO, Vollstreckungsgegenklage gem. § 767 ZPO, Drittwiderspruchsklage gem. § 771 ZPO usw. näher erörtert und diese auch ausführlich voneinander abgegrenzt. Sodann erfolgt eine kurze Erklärung, was man unter einer unechten Zwangsvollstreckungsklausur versteht und wie diese von der echten Zwangsvollstreckungsklausur zu unterscheiden ist.

Im dritten und letzten Teil geht es schließlich um die zivilrechtliche Kautelarklausur. Nach einer allgemeinen Einführung bemühen sich die Autoren, dem Leser die üblichen Klausurtaktiken näherzubringen. Dazu gehören die Mandantenzielermittlung, die Tatsachenermittlung und die rechtliche Umsetzung der so gewonnenen Ergebnisse. Außerdem werden die verschiedenen Klausurtypen näher beleuchtet. Insbesondere das vorbereitende Gutachten, das überprüfende Gutachten und die Formulierung eines eigenen Entwurfs. Im Anschluss daran erfolgt eine Erörterung der materiell-rechtlichen Aspekte. Dabei geht es beispielsweise um Besonderheiten der Klausuren im Vertragsrecht, Gesellschaftsrecht, Erbrecht und Familienrecht.

Vorweg sei gleich gesagt, dass sich dieses Skript nicht für Anfänger/Einsteiger in das Referendariat eignet. Das Skript erklärt nicht den für das Referendariat relevanten Stoff, sondern reiht lediglich alle Probleme aneinander, die einem innerhalb eines der genannten Klausurtypen begegnen können. Für Anfänger gilt deswegen: Hände weg! Mit dem Kaiserskript kann man erst etwas anfangen, wenn einem die Grundzüge des zivilrechtlichen Urteils sowie des Zwangsvollstreckungsrechts bereits bekannt sind. Hierzu gibt es auf dem Markt zahlreiche gute Lehrbücher wie beispielsweise den Anders/Gehle oder den Knöringer. Das Skript ist somit speziell darauf ausgelegt, typische Examensprobleme kompakt darzustellen und zu wiederholen. Außerdem enthält das Buch zahlreiche Schemata und Muster. Anhand dieser kann man sehen, wie beispielsweise ein Mandantenschreiben zu verfassen ist oder an welcher Stelle des Klageentwurfs ein bestimmtes Problem untergebracht werden muss.

Neben diesen hilfreichen Schemata und Mustern kann außerdem positiv hervorgehoben werden, dass das Skript mit ca. 150 Seiten wirklich kompakt ausgefallen ist und wohl auch alle relevanten Probleme kurz abhandelt. Es kann damit wunderbar als Checkliste vor dem Examen verwendet werden. Hinzu kommt, dass das Skript wirklich aktuell ist und beispielsweise bereits berücksichtigt, welche Streitstände 2016 bundesweit im Examen abgefragt wurden.

Allerdings hat das Kaiserskript auch einige Macken. Sehr störend ist insbesondere die ständige Werbung für die Kaiserseminare. Fast auf jeder Seite wird erwähnt wie toll diese sind. Ebenfalls nervtötend sind die vielen Verweise, wann genau wo genau ein Problem im Examen aufgetaucht ist. Den Leser wird es kaum interessieren, was im Herbsttermin 2012 in Bayern im Examen gelaufen ist. Statt ständig darauf hinzuweisen, wann und wo ein Streitstand aufgetaucht ist, hätte man die Seiten sinnvoller dazu nutzen können, die Probleme wirklich ausführlich zu erklären. So enthält das Skript nämlich keine umfassenden Erklärungen, sondern nur zahlreiche aneinander gereihte Probleme ohne Tiefgang. Ebenfalls sehr ungeschickt ist das A4 Format des Buches. Wegen der Größe passt es in keine Handtasche und die Hälfte der Seiten besteht aus weißem Rand. Das ist zwar für Notizen ganz nett, hat aber ansonsten keinerlei Mehrwert. Mit 22,90 € ist das Skript außerdem recht teuer. Erschwerend kommt noch hinzu, dass immer wieder auf andere Werke der Kaiser-Autoren verweisen wird. Statt darauf hinzuweisen, in welchem Skript das Problem nachzulesen ist, hätte man es an dieser Stelle auch einfach direkt in zwei Sätzen erläutern können. Grundsätzlich ist das Skript zwar auch verwertbar, wenn man die Kaiserseminare nicht besucht hat. Die Autoren drängen einen aber alle zwei Seiten dazu, ein weiteres ergänzendes Skript von ihnen zu kaufen oder eines der Seminare zu besuchen. Das ist eher unglücklich.

Insgesamt lässt sich festhalten, dass das Buch gut erklärt, welche unterschiedlichen Klausurtypen im Examen auf einen warten. Ebenfalls geeignet ist es als Checkliste, um zu sehen, ob einem alle examensrelevanten Probleme bekannt sind. Nicht geeignet ist das Skript für Anfänger, weil der Stoff nicht wirklich erklärt wird. Außerdem sollte man sich gut überlegen, ob man für diesen Preis nicht lieber ein gutes Lehrbuch kauft, das keine Werbung beinhaltet und tatsächlich etwas erklärt, statt nur die Probleme aufzulisten.