Sonntag, 22. Juli 2018

Rezension: Handbuch Unternehmensrestrukturierung

Knecht / Hommel / Wohlenberg, Handbuch Unternehmensrestrukturierung, Grundlagen – Konzepte – Maßnahmen, 2. Auflage, Springer Gabler 2018

Von Ass. iur. Oliver Köhler, Berlin


Das 2006 erstmals erschienene „Handbuch Unternehmensrestrukturierung“ wurde für die 2. Auflage umfassend überarbeitet und erweitert, sodass es nunmehr in zwei Bänden mit insgesamt über 2.000 Seiten erscheint. Das Team der 111 namhaften Autoren besteht aus Rechtsanwälten, Insolvenzverwaltern, Wirtschaftsprüfern, Professoren, Unternehmensberatern sowie Managern von Kreditinstituten und Kreditversicherern, was sowohl eine hohe juristische und betriebswirtschaftliche Qualität wie auch die nötige Praxisnähe des Handbuchs gewährleistet. Die Autorenliste liest sich fast wie ein Who Is Who der deutschen Insolvenz-Szene. Aufgrund der hohen Anzahl von Autoren besteht das Handbuch aus vielen längeren Aufsätzen, die thematisch gut geordnet sind und die gesamte Bandbreite der Restrukturierung abdecken. Der Gefahr, dabei zu viele „Liebhaberthemen“ abzuhandeln, ist dieses Handbuch glücklicherweise nicht erlegen.

Die einzelnen Aufsätze beleuchten jeweils einen wichtigen Aspekt der Restrukturierung, viele der Aufsätze bieten einen guten Überblick über allgemein relevante Themen, wie beispielsweise „Die doppelnützige Treuhand als Sanierungsinstrument“, „Sanierungsinstrument Debt for Equity Swap“, „Insolvenzplanverfahren“ oder „Haftungsrisiken für das Management in der Unternehmenskrise“. Insbesondere werden alle wichtigen Restrukturierungsinstrumente in je einem Aufsatz dargestellt. Es werden jedoch auch Themen behandelt wie „Bedeutung des Unternehmenswerts für das Restrukturierungsmanagement“, „Controlling und Reportingsysteme in der Unternehmensrestrukturierung“, aber auch „Bedeutung und Renditeverteilung von Hedgefonds“ oder „Stundung, Verzicht, Fresh Money und Bankenbeiträge“. Behandelt wer-den sowohl die außergerichtliche als auch die gerichtliche Restrukturierung, wobei der Schwerpunkt bei der außergerichtlichen Restrukturierung liegt.

Naturgemäß eignet sich das Handbuch Unternehmensrestrukturierung aufgrund der Aufsatz-Struktur nicht unbedingt dazu, von vorn bis hinten „durchgearbeitet“ zu werden. Ich empfinde dies jedoch nicht als Nachteil. Vielmehr garantieren die einzelnen Aufsätze jeweils eine abgeschlossene Betrachtung eines Themas, was das Lesen etwas kurzweiliger macht. Querverweise sucht man daher jedoch auch vergebens, was Vor- und Nachteile hat.

Am Anfang jedes Aufsatzes stehen eine kurze Zusammenfassung sowie eine Liste von Schlüsselwörtern, wodurch man schnell herausfinden kann, ob der entsprechende Aufsatz das gewünschte Thema wirklich enthält. Dies ist sehr angenehm, erspart es doch viel zeitraubendes Querlesen mehrerer Kapitel. Auch hat jeder Aufsatz ein eigenes kleines Inhaltsverzeichnis sowie am Ende ein Literaturverzeichnis und teilweise sogar eine Rechtsprechungsübersicht.

Wie bei SpringerGabler üblich, ist das Buch auf dem bei juristischen Fachbüchern ungewohnten Hochglanzpapier gedruckt. Mir persönlich gefällt sowohl die Haptik als auch der optische Lesekomfort dieses Papiers nicht, andererseits ermöglicht es wohl erst die rund 240 farbigen Abbildungen und Tabellen, die größtenteils sehr gelungen sind. Woran ich mich wohl nie gewöhnen werde, sind Werbeanzeigen in einem Buch für € 200.

Alles in allem empfehle ich dieses Buch allen mit Unternehmensrestrukturierungen beschäftigten Beratern als zuverlässiges Nachschlagewerk zur Vertiefung einzelner Themen.