Samstag, 28. Juli 2018

Rezension: Personenschaden

Luckey, Personenschaden, 2. Auflage, Luchterhand 2018

Von Rechtsanwältin Marion Andrae, Saarbrücken



Der Autor, Richter am Oberlandesgericht Köln, hat sich als Dozent, Lehrbeauftragter und durch seine Veröffentlichungen auf dem Gebiet des Haftungs- und Verkehrsrechts bereits einen Namen gemacht und führt u.a. das von Jaeger begründete Standardwerk zum Thema Schmerzensgeld fort. So verwundert es nicht, dass bereits die Erstauflage des „Personenschadens“ in 2013 guten Anklang gefunden hat. Die über 620 Seiten starke Neuauflage des „Personenschadens“ berücksichtigt die Neuerungen in der höchstrichterlichen Rechtsprechung zu den Themen Verjährung, Betriebsgefahr, Haftungsausschlüsse und Rentenverkürzungsschaden. Bezüglich der Neuerungen in der Gesetzgebung stellt das Werk das im Juli 2017 in Kraft getretene Hinterbliebenengeld, das Patientenrechtsgesetz und die Kodifizierung der Arzthaftung dar. Weiter wurden die Schmerzensgeldtabellen zu den Haftungskomplexen „Verkehrsunfall“ und „Arzthaftung“ auf den aktuellen Stand gebracht. Die Neuauflage wurde um zahlreiche Schriftsatzmuster erweitert, beispielhaft sind dabei die Themenkomplexe Abfindung und Abfindungsvergleich zu nennen. Insbesondere die außergerichtliche und gerichtliche Abfindung von Personenschäden ist für den Anwalt besonders haftungsanfällig. Das Werk hat nach wie vor den Anspruch, den auf dem Gebiet des Personenschadens Tätigen ein effektives und praxisnahes Werkzeug für die Regulierung an die Hand zu geben.

Dieses Anliegen wird bereits in der Inhaltsübersicht deutlich und in die Tat umgesetzt. Die 11-seitige Inhaltsgliederung ist außerordentlich detailliert, ohne dabei an Übersichtlichkeit einzubüßen und ermöglicht dem Leser einen schnellen Zugriff auf die gesuchte Thematik. Was der Leser darin nicht auf Anhieb findet, findet er jedenfalls in dem ebenfalls ausführlichen Stichwortverzeichnis am Ende des Werkes. Jedes Kapitel beginnt mit einer drucktechnisch hervorgehobenen Zusammenfassung der wichtigsten Gesichtspunkte und schließt mit nützlichen Checklisten für die Schadensregulierung. Durch diese übersichtliche Struktur im Aufbau kann sich der Anwender im Handumdrehen einen guten Überblick über die Kriterien verschaffen, auf die es in der konkreten Falllösung ankommt. Die Unterpunkte vertiefen dann die jeweiligen Problemstellungen und enthalten zahlreiche Rechtsprechungshinweise und vertiefende Literaturhinweise.

Das Werk behandelt nach der Einführung im anschließenden Teil B zunächst die klassischen Haftungssituationen, die zu Personenschäden führen und zwar den Verkehrsunfall und die Arzthaftung. Ein weiteres Kapitel in diesem Teil sind den Besonderheiten gewidmet, wenn Kinder als Schädiger oder Opfer am Haftungsgeschehen beteiligt sind.

Teil C beleuchtet die Haftungsvoraussetzungen, insbesondere Fragen der Kausalität, des Mitverschuldens, die Haftungsausschlüsse, die Verjährung und die unterschiedlichen Haftungsfolgen. Auch in diesem Teil werden dem Leser zahlreiche optisch hervorgehobene Praxistipps und Checklisten an die Hand gegeben.

Im umfangreichsten vierten Teil D geht es um den eigentlichen Personenschaden, also um die Darstellung des Erwerbsschadens, des Haushaltsführungsschadens, die Heilbehandlungskosten, die vermehrten Bedürfnisse und das Schmerzensgeld, wobei letzteres den breitesten Raum einnimmt. Neben allgemeinen Ausführungen zum Thema Schmerzensgeld und den Bemessungsumständen werden auch Sonderfälle, wie z.B. Schockschäden behandelt. Beim Thema Haushaltsführungsschaden greift der Autor die aktuellen Tendenzen der Rechtsprechung zu den Themen Stundensatz und Befristung auf. So setzt sich der Autor beispielsweise kritisch mit einer Begrenzung des Haushaltsführungsschadens auf das 75. Lebensjahr auseinander und gibt dem Leser sinnvolle Argumentationshilfen an die Hand, um die Anspruchsdauer insbesondere dann zu verlängern, wenn sich die Verletzung erst im fortgeschrittenen Alter ereignet hat. Ein weiteres Kapitel ist dem Schmerzensgeldprozess gewidmet. Hierbei erfährt der Leser nützliche taktische Hinweise zu Feststellungsanträgen. Die anschließenden Schmerzensgeldtabellen sind zur besseren Orientierung in Entscheidungen zur Arzthaftung und Entscheidungen zu Verkehrsunfällen aufgeteilt. Der vierte Teil endet mit der Darstellung des neuen Hinterbliebenengeldes.

Teil E behandelt die Regressfragen des Sozialversicherungsträgers und anderer Dritter wegen übergangener Ansprüche und im Teil F wird die Kapitalisierung von Renten dargestellt. Der Abfindungsvergleich in all seinen Facetten ist Thema des Teil G. Hierbei werden außergerichtliche und prozessuale Fragen geklärt und die möglichen Haftungsfallen bei der anwaltlichen Beratung zum Abfindungsvergleich erläutert. Neben einer Checkliste sind auch die Beschlussempfehlungen des Verkehrsgerichtstages zum Thema Abfindungsvergleich wiedergegeben. Der abschließende Teil H wartet mit einer Vielzahl von Schriftsatzmustern für die außergerichtliche und die gerichtliche Schadensregulierung auf.

Das Werk ist sehr gut strukturiert und verständlich geschrieben. Die Checklisten am Ende eines jeden Kapitels lenken das Augenmerk des Lesers auf die wichtigsten Problemkreise und sind ein nützliches Hilfsmittel bei der Fallbearbeitung. Die optisch hervorgehobenen Praxistipps, Beispielsfälle und Zusammenfassungen schärfen den Blick für das Wesentliche und helfen bei der raschen Rechtsanwendung. Damit wird das Werk seinem Anspruch voll und ganz gerecht. Das Werk ist ein praxistaugliches und anwenderorientiertes Werkzeug zur außergerichtlichen und gerichtlichen Regulierung von Personenschäden.