Samstag, 14. Oktober 2017

Rezension: Examinatorium Strafprozessrecht

Heinrich / Reinbacher, Examinatorium Strafprozessrecht, 2. Auflage, Nomos 2017

Von Johann v. Pachelbel, Göttingen



Ein weiteres Mal liegt dem Rezensenten eine juristische Publikation zur Vorbereitung auf das 1. Staatsexamen vor – ein Examinatorium zum Strafprozessrecht. Im 1. Staatsexamen streift den Prüfling das Strafprozessrecht meist in Form einer strafprozessualen Zusatzfrage und in der mündlichen Prüfung. Die im Vergleich relativ geringe Prüfintensität im Strafprozessrecht wirft die Frage auf, wie man sich als Examenskandidat – klassischerweise unter großem Zeitdruck stehend – auf die effektivste Weise den examensrelevanten Stoff des Strafprozessrechts zuführt. Einerseits darf nicht zu viel Zeit verloren gehen, die dann bei der Wiederholung des materiellen Rechts fehlt, andererseits muss das Strafprozessrecht umfassend genug erlernt werden, um aus reinem Verständnis für die Rechtsmaterie heraus Fragen beantworten zu können, die noch in keinem Lehrbuch zu finden waren.

Das vorliegende Examinatorium stellt das Strafprozessrecht in Form von 51 strafprozessualen Zusatzfragen auf 260 Seiten dar. Eine jede ist einem bestimmten examensträchtigen Problemkreis des Strafprozessrechts gewidmet und stellt im Grunde ein eigenes Kapitel dar. Zunächst wird eine Thematik abstrakt auf ein paar Seiten knapp erläutert. Hierbei beschränken sich die Ausführungen auf das absolut Wesentliche – es ist mehr nur ein Gerüst als eine umfassende Darstellung, dass der Student erklimmen kann, wenn er vorher schon einmal das Grundwissen des Strafprozessrechts erlernt hat. Zur Vertiefung des abstrakt dargestellten Stoffes werden nach der theoretischen Abhandlung umfangreiche Literaturverweise gegeben und die gesamte relevante höchstrichterliche Rechtsprechung angegeben. Auch auf Übungsfälle zum jeweiligen Thema in juristischen Ausbildungszeitschriften wird hingewiesen. Hiernach wird zum jeweiligen Thema eine „strafprozessuale Zusatzfrage“ gestellt, wie sie auch in der Examensklausur erwartet werden kann. Ein klausurmäßiger Lösungsvorschlag ist in sauberem Gutachtenstil ausformuliert. Positiv fällt auf, dass die Musterlösung sprachlich und intellektuell auf einem Niveau sind, wie sie auch von einem guten Examenskandidaten erwartet werde können. Das Examinatorium vermeidet also die allzu beliebte Falle, professoral „getunte“ Lösungsskizzen anzubieten, die den Examenskandidaten ob ihrer Perfektion nur verunsichern.

In Darstellung Lehrstoffes und Lösungsskizzen ist die aktuelle BGH-Rechtsprechung zum Thema anschaulich verarbeitet. Nach der Lektüre des Buches sind dem Examenskandidaten die wichtigsten Urteile der letzten Jahre bekannt.

Die formale Darstellung überzeugt mit klarer, verständlicher und schnörkelloser Sprache, knappen und sauber gegliederten Absätzen und kursiv abgesetzten Musterlösungen.

Der Rezensent hat sich selbst mit dem Examinatorium auf das 1. Staatsexamen vorbereitet. Die Möglichkeit der punktuellen Wiederholung kleiner „Häppchen“ des Strafprozessrechts in Begleitung der Wiederholung des materiellen Teils hat überzeugt. Auch werden viele Verknüpfungen zum materiellen Strafrecht geschlagen. Diese Verzahnung schafft ein besseres Verständnis für den Sinn und Zweck des Strafprozessrechts, der dem Rezensenten so erst durch Lektüre des Examinatoriums aufgegangen ist. Viele Querverweise machten die Arbeit mit dem Examinatorium spannend – man gerät ins Stöbern und streift von Problem zu Problem, während fast wie nebenbei der examensrelevante Stoff des Strafprozessrechts erlernt und wiederholt wird.

Der Rezensent empfiehlt das Examinatorium Strafprozessrecht also wärmstens an alle Studierenden in der Examensvorbereitung.