Kirchhof / Kube /
Schmidt (Hrsg.), Von Ursprung und Ziel der Europäischen Union, 1. Auflage, Mohr
Siebeck 2016
Von stud. iur.
Maren Wöbbeking, Göttingen
„Von Ursprung und Ziel der Europäischen Union“ ist ein Werk basierend
auf elf Perspektiven unterschiedlicher Autoren, entstanden anlässlich eines entsprechenden
zweitägigen Symposiums im Mai 2015.
Reflektiert wird die Thematik auf 200 Seiten aus geschichts- und rechtswissenschaftlicher,
sowie politischer und wirtschafts- und finanzwissenschaftlicher Sicht. Dementsprechend
finden sich unter den Autoren neben vielen Juristen auch Ökonomen und
Historiker.
Die Beiträge liegen jeweils bei zwischen 7 bis 30 Seiten und finden durchweg
ihre eigene Herangehensweise, sodass sich für den Leser nicht ein Mosaik,
sondern vielmehr ein Fundus an verschiedenartigen Denkanstößen findet.
Aufgeworfene Fragen sind unter anderem die von Christian Meier,
emeritierter Professor der alten Geschichte, nach der Weiterentwicklung von
Demokratie und inwieweit eine solche innerhalb der Europäischen Union und
innerhalb des so bezeichneten postdemokratischen Zeitalters überhaupt möglich
sein kann. Im Zusammenhang dazu äußert sich auch Uwe Volkmann, Inhaber
eines Lehrstuhls für Öffentliches Recht und Rechtsphilosophie, der eine echte
Wertegemeinschaft auf europäischer Ebene begründet verneint und generell auf die
aus seiner Sicht fehlende kulturelle Kraft des Rechts in der europäischen
Rechtssetzung hinweist.
In Teilen findet auch der momentan in aller Munde liegende Brexit
Anklänge in einigen der Thesen. Das hierauf kein Schwerpunkt liegt, ist nicht
zuletzt auf den Zeitpunkt der Entstehung des Buches zurückzuführen. Dies ist
jedoch insbesondere dahingehend unschädlich, dass neben den historischen
Herleitungen, der Fokus generell primär auf Grundsatzfragen liegt.
Wiederkehrender Streitpunkt ist dabei zum Beispiel die altbekannte
Gretchenfrage nach einer Vertiefung der Europäischen Union in Richtung von „Vereinigten
Staaten von Europa“ oder doch eher einer Rückübertragung der Kompetenzen an die
Mitgliedsstaaten. Eine weitestgehende Einigkeit hinsichtlich der Zukunft der
Europäischen Union kann wohl lediglich in der Notwendigkeit von
Strukturreformen erkannt werden.
Exemplarisch lässt sich der Beitrag von Peter Adolff (unter
anderem Mitglied des Vorstands der Allianz SE) anführen, der sich mit der
Chance der stärkeren Integration Europas durch international erfolgreiche
europäische Unternehmen auseinandersetzt. Auch Adolff vertritt die
Ansicht, dass politische Struktur grundsätzlich auf Basis der Nationalstaaten
abläuft, hält dies aber für einen verlässlichen Anknüpfungspunkt einer
überstaatlich strukturierten Wirtschaft. Er zeigt am Beispiel europäisch
agierender deutscher Unternehmen, wie Robert Bosch GmbH, BASF SE und Allianz
SE, die gelebte europäische Integration auf.
Übergreifend sprechen sich mehrere der Autoren für ein Zusammenspiel
von nationalen und europäischen Lösungen aus und erläutern dies unter anderem am
Beispiel der Währungsunion und den Fehlern aus der Euro-Krise. Immer wieder
klingt dabei die wertvolle Eigenschaft der Europäischen Union in Form ihrer
kulturellen, sprachlichen und wirtschaftlichen Vielfalt an.
Angesichts der Vielschichtigkeit der Anknüpfungspunkte und der zum Teil
stark differierenden Ansichten der Autoren, lässt sich das Werk schwer
zusammenfassen. Wie man die Zukunft der Europäischen Union schließlich einschätzt,
bleibt dem Leser am Ende selbst überlassen. Das Buch bietet jedenfalls eine ausgezeichnete
Stütze zur gezielten Meinungsbildung und glänzt durch die interdisziplinäre
Zusammenführung der Thesen. Einziger persönlicher Wehmutstropfen ist, dass bei
einer Mitwirkung von dreizehn Autoren keine Frau vertreten ist.