Güllemann, Internationales Vertragsrecht, 1. Auflage, Vahlen 2011
Von Ass. iur. Laila Gutt, Braunschweig
Internationales Privatrecht (IPR) kam und kommt auch heute noch an den Universitäten und Fachhochschulen nur als Nebenfach vor und spielt eine eher untergeordnete Rolle. Tendenziell erhält das IPR jedoch durch die zunehmende Internationalisierung einen neuen Stellenwert, was wiederum durch die Schaffung neuer Schwerpunktbereiche und Bachelor- und Masterstudiengänge belegt wird. Dies erkennt auch der hiesige Autor, Prof. Dr. Güllemann, und setzt sich mit seinem erstmalig im Vahlen Verlag erschienen Werk zum Ziel, eine praxisbezogene Darstellung der Materie zu geben. Dabei soll sich das Buch vor allem an Studierende wirtschaftsrechtlicher und betriebswirtschaftlicher Studiengänge der Fachhochschulen, aber auch an Jurastudenten der Universitäten richten. Dem Autor ist es darüber hinaus ein Anliegen, ein kompaktes Grundlagenwissen des Wiener Übereinkommens der Vereinten Nationen vom 11.04.1980 über Verträge über den internationalen Warenkauf (sog. „UN-Kaufrecht“ oder auch „CISG“) als Teil des Internationalem Vertragsrechts zu vermitteln.
Inhaltlich gibt das Buch in zehn Kapiteln, auf insgesamt 252 Seiten, einen Überblick nicht nur über das Internationale „Vertragsrecht“. Zunächst wird der Leser in den ersten fünf Kapiteln an das Thema herangeführt. In den Kapiteln sechs bis acht vermittelt Güllemann die notwendigen Grundkenntnisse im Kollisionsrecht des IPR mit den Teilgebieten Internationales Schuldrecht (Rom I-VO), Internationales Deliktsrecht (Rom II-VO) sowie dem Internationalen Sachenrecht (Art.43 f. EGBGB). Danach geht es im 9. Kapitel allein um das UN-Kaufrecht, welches – wie schon vom Autor eingangs angekündigt – im Vergleich zu den restlichen Kapiteln am ausführlichsten behandelt wird. Das Buch schließt mit dem 10. Kapitel, in dem ein Abriss des Internationalen Zivilverfahrensrechts gegeben wird.
Nimmt der Leser das Werk zum ersten Mal zur Hand, fällt sofort die besonders gut gelungene Gestaltung des Buches auf. Das moderne Layout mit der blauen Schriftfarbe verhilft zu einem sehr angenehmen Lesefluss und verschafft dem Leser auf Anhieb einen guten Überblick. Zudem arbeitet der Autor mit vielfältigen Hilfsmitteln, wie beispielsweise der optischen Hervorhebung von Praxisfällen mit dazugehöriger Lösung, Kontrollfragen am Ende der jeweiligen Kapitel, zusammenfassenden Darstellungen sowie Tabellen und Schaubildern. Wichtige Passagen wurden stets im fetten Schriftformat vom Text hervorgehoben. Zudem erleichtert Güllemann dem Studenten das Lernen durch zusammenfassende Auflistungen der Prüfungsreihenfolge, was die schnelle Einprägung und Wiederholung des gelesenen Stoffs immens erleichtert. Auch schafft es der Autor, bestehende Meinungsstreitigkeiten und die einschlägige Rechtsprechung kurz und prägnant darzustellen. Endlose Ausschweifungen sucht man hier vergeblich: hier liegt wahrscheinlich einer der angenehmsten Unterschiede zur gängigen IPR-Literatur.
Ausgezahlt haben sich vor allem die Bemühungen, einen vertieften Einblick in das UN-Kaufrecht zu geben. Bei seiner Darstellung lässt der Autor wirklich keine Wünsche offen. Das Kapitel beginnt mit Hintergrundinformationen zur Entstehung des UN-Kaufrechts, Erläuterungen zu Aufbau und Gliederung des Übereinkommens, sowie des Anwendungsbereichs. Auch wurde zum Zwecke der Festlegung des räumlichen Anwendungsbereichs eine Liste mit den aktuellen Vertragsstaaten eingefügt. Die Darstellung orientiert sich inhaltlich an dem Aufbau des UN-Kaufrechts, d.h. Güllemann beginnt mit den Allgemeinen Bestimmungen, woran sich eine eingehende Darstellung des „materiellen Kaufrechts“ des CISG anschließt. Hierbei stellt der Autor immer wieder fest, dass die Regelungen dem deutschen Recht an vielen Stellen sehr ähnlich sind und zeigt dem Leser an den relevanten Stellen die Unterschiede zum BGB auf. Auch auf Regelungslücken (Stichwort AGB) wird aufmerksam gemacht und dargestellt, wie das Recht bestimmt wird, nach dem sich diese Lücken dann schließen lassen.
Der Autor hat mit seiner Erstauflage ein wirklich leicht handhabbares und lesenswertes Werk vollbracht, das den Anforderungen der Studierenden unterschiedlicher Fachrichtungen aber auch dem Praktiker wirklich mehr als gerecht wird. Besonders gut eignet sich dieses Buch für Studierende der Rechtswissenschaften, welche das IPR als Grundkurs hören. Für solche, die einen Schwerpunkt im IPR belegen, stellt das Werk eine wertvolle Ergänzung dar, denn wenige Bücher auf diesem Gebiet schaffen es, Wichtiges so verständlich und prägnant darzustellen. Das gilt vor allem für die Abhandlung zum UN-Kaufrecht. Selbstverständlich entspricht Güllemanns Werk dabei dem aktuellsten Stand. Denn wegen der zügig fortschreitenden Vereinheitlichung des Kollisionsrechts handelt es sich bei dem IPR um ein äußerst dynamisches und damit vor allem spannendes Rechtsfeld, welches ständigen Entwicklungen ausgesetzt ist.
Dieses Werk kann mit der juristischen Standardliteratur auf dem Gebiet des IPR allemal mithalten und wird voraussichtlich bei vielen Studenten einen festen Platz im Regal finden.