Von RA Sebastian Gutt, FA für Verkehrsrecht,
Helmstedt
Das vorliegende
Handbuch ist das wohl bekannteste für das Notariat, jedenfalls auch das
umfangreichste. Jeder Notar kennt das Würzburger Notarhandbuch, wird es
wahrscheinlich bei sich auch im Regal stehen haben – und das zu Recht.
Auf über 3.700
Seiten werden von namhaften Notaren sämtliche für das Notariat relevanten
Themengebieten behandelt: Vom Erbrecht bis zum Berufsrecht. Im Mittelpunkt
stehen dabei regelmäßig die Musterverträge. Denn von guten Mustern lebt ein
Notar letztendlich.
Zunächst werden
das Berufsrecht und das Beurkundungsverfahren dargestellt. Die Autoren gehen
auf die relevanten Vorschriften der BNotO sowie das BeurkG ein. Hier werden
beispielsweise die Verschwiegenheitspflicht, die Dienstaufsicht über die Notare
u.s.w. besprochen. Sehr wichtig ist für die Notare das BeurkG, welches quasi
das Verfahrensrecht darstellt. Hier geht es beispielsweise darum, wie
vorzugehen ist, wenn ein Beteiligter blind oder taub ist. Ebenfalls erklärt
wird, wann ein Notaranderkonto eingerichtet werden darf und was zu beachten
ist, wenn ein Unternehmer und ein Verbraucher beteiligt sind. Dabei erfolgt die
Darstellung dergestalt, dass neben den sehr detaillierten Ausführungen stets
ein Muster angeboten wird, welches regelmäßig sehr praxistauglich ist und die
Arbeit enorm erleichtert.
Nach diesem
„allgemeinen Teil“ - der z.B. auch die Notarhaftung und –kosten u.v.m. enthält
– folgen dann die „großen“ Kapitel, also die Rechtsgebiete, die den größten
Notarbezug aufweisen. Begonnen wird mit dem Grundbuchrecht/Grundstückskauf
(Kapitel 2). Aufgrund des Umfangs dieses Handbuchs kann natürlich nicht auf
sämtliche Details eingegangen, nicht alles auf Herz und Nieren überprüft
werden. Deshalb wird an dieser Stelle näher nur auf den Grundstückskauf Bezug
genommen. Im Rahmen des Grundstückrechts wird nicht nur der klassische
Kaufvertrag besprochen. Auch das für den Notar wichtige Grundbuchverfahren,
quasi der Umgang mit dem Rechtspfleger beim Grundbuchamt, wird dargestellt,
gleichfalls wie etwa der Aufbau des Grundbuchs. Erst dann folgt der eigentliche
Grundstückskaufvertrag. Das Konzept ist dabei (auch bei den anderen
Rechtsgebieten) so, dass am Anfang ein sehr ausführliches Muster eines
Kaufvertrages abgedruckt ist. Schon dieses Muster bietet für verschiedene
Konstellationen Alternativen an. Die jeweiligen Begrifflichkeiten, die von
Bedeutung sind sowie teilweise auch ganze Passagen sind mit Fußnoten versehen,
die sodann auf die Randnummern verweisen, in denen der Abschnitt des Musters
von den Autoren erklärt wird. Dieses Konzept gefällt mir sehr gut, da ich als
Leser nicht ewig lange in den Erläuterungen suchen muss, bis ich die
entsprechende Passage gefunden habe, also wirklich selektieren kann, was für
mich von Interesse ist. Teilweise finden sich in der Bearbeitung auch Checklisten
wieder (z.B. Fragebogen Grundstückskauf). Hier wird etwa das Wichtigste
zusammengefasst oder eben auf das verwiesen, worauf der Notar von Beginn achten
sollte.
Es bleibt
selbstverständlich nicht dabei, dass nur zu Beginn jedes Kapitels ein Muster
abgedruckt ist. Das Muster kann man sich quasi wie einen Mantel vorstellen.
Alternativen und weitere Muster finden sich auch im Rahmen der Erklärungen
wieder (beispielsweise, wenn in der Beurkundung der Ausweis vergessen wurde,
muss dies im Urkundseingang wegen des Geldwäschegesetztes vermerkt werden).
Man kann sagen,
dass eigentlich alles, was im Grundstücksrecht von Bedeutung ist für den Notar
in diesem Handbuch zu finden ist. Spezialfälle, wie zum Beispiel der Erwerb
durch eine GbR oder Optionsverträge sind ebenso enthalten wie auch
Bauträgerverträge oder Wohnungseigentumskaufverträge und Erbbaurechtsverträge.
Auch der Umgang mit Grundpfandrechten darf selbstverständlich nicht fehlen.
In den weiteren
Teilen des Handbuchs folgen das Familienrecht, das Erbrecht, das
Gesellschaftsrecht, das Öffentliche Recht in der notariellen Praxis sowie das
internationale Privatrecht.
Ich habe viel
mit dem Buch für meine Notarvertretungen gearbeitet. Ich fand es stets
hervorragend. Obwohl es so umfangreich ist, war es für mich regelmäßig
verständlich - als Nachschlagwerk wie auch als Lehrbuch. Aus meiner Sicht
eignet sich das Würzburger daher auch gut zur Vorbereitung auf die notarielle
Fachprüfung – sofern man bereit ist, mit dem Buch zu arbeiten und der Umfang
nicht abschreckt. Es gibt sicher überschaubarere Alternativen, allerdings habe
ich für mich festgestellt, dass dann dort durchaus Themen fehlen oder aber
nicht detailliert genug dargestellt werden. Deshalb habe ich immer das
Würzburger vorgezogen.
Auch die Notare
bei uns in der Kanzlei haben stets auf das Würzburger gesetzt, vor allem wenn
„die Not groß war“. Für mich handelt es sich hier um das Standardwerk der
notariellen Praxis. Ein wirklich hervorragendes Werk, bei dem keine Wünsche offen
bleiben und mit dem man perfekt arbeiten (und lernen) kann. Bei einem Notar
darf das Würzburger auf keinen Fall im Regal fehlen. Klare Kaufempfehlung!








