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Mittwoch, 1. Januar 2020

Rezension: Legal Tech

Hartung / Bues / Halbleib, Legal Tech – How Technology is Changing the Legal World, 1. Auflage, C.H. Beck 2018

Von Rechtsanwalt Oliver Köhler, Köln


Die Verfasser des vorliegenden Handbuchs zum Thema Legal Tech hatten einige Zeit vor Erscheinen des Buches bereits das Handbuch „Legal Tech – Die Digitalisierung des Rechtsmarkts“ veröffentlicht, welches zum Teil in Englischer und zum Teil in Deutscher Sprache gehalten war. Bei dem hier besprochenen Handbuch handelt es sich anscheinend um eine englische Übersetzung dieses Werkes, die jedoch noch stark erweitert worden ist – dies ergibt sich jedenfalls nach Studium des Inhaltsverzeichnisses des deutschen Werkes, liegt dem Verfasser dieser Rezension dieses leider nicht vor.

Das vorliegende Buch ist somit ganz in englischer Sprache gehalten und versucht auch das Thema „Legal Tech“ international zu beleuchten. Das Buch ist ein wirkliches Handbuch mit breitem Fokus. Doch fehlt diesem nicht die bei dem Thema Digitalisierung des Rechts so wichtige Praxisnähe. So werden die Funktionsweisen der einzelnen Legal Tech Tools detailliert beschrieben, sodass man sich die Benutzeroberfläche teilweise gut vorstellen kann. Beispielhaft seien hier die Ausführungen zu der bekannten Artifical-Intelligence-Software KIRA im Kapitel 2.C genannt. Auch die generelle Arbeitsweise im Rahmen der Dokumentenautomation ist hier ausführlich behandelt. Zur besseren Veranschaulichung finden sich in dem Buch an vielen Stellen Graphiken oder Screenshots, die man jedoch sicher noch weiter verbessern könnte.

Praxisnah sind auch die beiden Kapitel zu der Umsetzung von Legal Tech bei der internationalen Rechtsanwaltskanzlei Norton Rose sowie der Big-Four-Gesellschaft Deloitte, doch bleibt ob der etwas platten Werbung für diese Unternehmen ein leichter Beigeschmack.

Die zweite Hälfte des Buches – die in der deutschen Version meines Wissens auch nicht enthalten war – bilden Länderberichte zu Legal Tech in insgesamt 21 der unterschiedlichsten Länder und Regionen. Hier werden von den USA und UK über Afrika bis hin zu Estland, Israel und Indien Blicke in die Chancen und Herausforderungen des jeweiligen Legal-Tech-Marktes geworfen. Interessant ist hierbei insbesondere der Vergleich der unterschiedlichen berufsrechtlichen Rahmenbedingungen. Die jüngsten Entwicklungen der Rechtsprechung in Deutschland (BGH-Urteil „wenigermiete.de“) ist in dem Handbuch aus 2018 naturgemäß leider noch nicht enthalten.

Montag, 1. April 2019

Rezension: Legal Tech

Solmecke / Arends-Paltzer / Schmitt, Legal Tech: Die digitale Transformation in der Anwaltskanzlei, 1. Auflage, Rheinwerk 2019

Von Dipl.-Jur. Julius Remmers, LL.M. (Edinburgh), Hamburg


Seitdem vermehrt über „Legal Tech“ gesprochen wird, erscheinen nicht nur immer mehr Zeitschriftenbeiträge, sondern auch Bücher. Eines davon ist das dem Rezensenten vorliegende Buch „Legal Tech: Die digitale Transformation in der Anwaltskanzlei“ von den Autoren Christian Solmecke, Petra Arends-Paltzer und Robin Schmitt. Jedoch bezieht sich der Inhalt des Buches nicht nur auf „Legal Tech“ in Anwaltskanzleien, sondern auch in Bezug zu Endkunden, Verbraucher, Unternehmer usw. (siehe Aussage „immerhin ist Legal Tech kein Thema, das allein Kanzleien betrifft“, S. 18).

Das Buch umfasst 489 Seiten und gliedert sich in fünf Teile: Was ist Legal Tech (I.), Moderne Marketing-Strategien (II.), Digitale Akquise (III.), Digitale Abarbeitung (IV.) und Legal Tech 3.0 – ein Ausblick (V.).

Im ersten allgemeinen Teil stellen die Autoren die Neuheit „Legal Tech“ und die dazugehörigen Anwendungsfelder vor. Die Autoren führen für „Legal Tech“ eine Definition an, die sehr passend ist: „juristische Arbeitsabläufe und Transaktionen mithilfe intelligenter Software, die ‚lernfähig‘ ist, unterstützt oder in hohem Maß automatisiert werden können“ (S. 25). Als wichtigste Anwendungsfelder nennen die Autoren: „Legal Tech“ für Kanzleien, Rechtsabteilungen und Endkunden. Insbesondere für Rechtsanwälte mag dieser Teil eine besondere Relevanz haben. Denn einerseits wird Bezug zu Kanzleien bzw. Rechtsabteilungen und den anwaltlichen Tätigkeiten genommen. Andererseits listet dieser Abschnitt viele Applikationen und Unternehmen auf, die zum jeweiligen Anwendungsfeld gehören. Allerdings wird durch solch eine bloße Auflistung weniger der Fokus auf die Erklärung der einzelnen Anwendungsfelder gelegt (beispielsweise, weshalb juristische Datenbanken als „intelligente Software, die ‚lernfähig‘ ist“ (S. 25) qualifiziert werden). Nichtsdestotrotz eignet sich dieser Teil gut als Nachschlagewerk. Zudem wird sich der aufmerksame Leser wundern, weshalb das auf S. 29 genannte Anwendungsfeld für Kanzleien „Automatisierung von Dokumenten und künstlicher Intelligenz“ in den folgenden Ausführungen nicht auftaucht. Dies mag ein redaktionelles Versehen sein.

Für den Verbraucher ist der Unterabschnitt „Legal Tech für Endkunden“ (S. 65 bis 81) höchstwahrscheinlich am interessantesten. Den Autoren gelingt hier der Einstieg in das Thema sehr gut. Weiterhin positiv auffällig ist, dass gut recherchiert wurde und die wichtigsten Legal Tech-Unternehmen für Verbraucher vorgestellt werden (z.B. Flightright, Geblitzt.de und bankright.de).

Der zweite Teil (Moderne Marketing-Strategien) umfasst die Entwicklung von Marketing-Konzepten und führt – wie auch im ersten Teil – viele Beispiele in Form von Dienstleistern an. Auch hier mag dem Leser der Eindruck entstehen, dass es sich um gezielte Werbung handelt, die den Leser auf ausgewählte Unternehmen aufmerksam machen soll. Dennoch muss man bei „Legal Tech“ eingestehen, dass dies ohne Erklärungen und Beispiele nur schwer zugänglich ist. Als Umsetzungsidee machen die Autoren Ausführungen zu einer „Landingpage“ (S. 133 ff.), die sie wie folgt definieren: „eine einzige Website, mit der Sie einen potenziellen Kunden auf ein einziges Thema hinweisen und dabei das Ziel verfolgen, diesen Kunden zu einer gezielten Aktion zu bewegen“ (S. 133). Dieser Unterabschnitt ist für die praktische Anwendung besonders interessant, da er wie eine „Anleitung“ aufgebaut ist und Schritt für Schritt zeigt, wie eine Landingpage aufgebaut wird.

Fortlaufend im „Anleitungsstil“ widmen sich die Autoren im dritten Teil (Digitale Akquise) der digitalen Mandantenakquise. Sie nehmen Bezug auf Website, Blog, Newsletter, Social Media und Pressearbeit. Es finden sich viele gute Praxistipps für Kanzleien, wie die Mandantenakquise erfolgreich durchgeführt werden kann (beispielsweise die Einholung einer Zertifizierung vom TÜV, S. 184 f.). Jedoch ist die inhaltliche Darstellung deswegen eher einseitig, da für viele Beispiele die Kanzlei WBS (Wilde Beuger Solmecke) oder der RA Christian Solmecke herangezogen wird (S. 161, 169, 170, 247, 257 etc.). Zudem ist zu erkennen, dass im gesamten Buch viel Eigenwerbung für Solmecke gemacht wird (z.B. S. 138, 161, 170, 171, 257, 261, 267, 276, 315, 329). Hierdurch mag für den Leser der Eindruck eines sehr großen „Werbekatalogs“ entstehen.

Der vierte Teil (Digitale Abarbeitung) beschäftigt sich mit der anwaltlichen Arbeit im Zeitalter der Digitalisierung. Eine essentielle Frage, die in diesem Teil bearbeitet wird, ist, ob Rechtsanwälte überhaupt eine Kanzleisoftware benötigen (S. 333 ff.). Sehr akribisch wägen die Autoren Vor- und Nachteile bei diesem Thema ab und stellen im nächsten Kapitel das Cloud Computing vor (S. 369 ff.). Beim Cloud Computing gelingt es den Autoren, verständlich die unterschiedlichen Cloud-Leistungen (SaaS, IaaS und PaaS) voneinander abzugrenzen (S. 372 ff.). Auch hier werden wieder viele Beispiele genannt, wie Google G-Suite (S. 383), TeamDrive (S. 383) oder WebMerge (S. 384). Zum besonderen Anwaltspostfach (beA) machen die Autoren Ausführungen zur Entstehung, zum Vorläufer, zu den Problemen des beA und den technischen Besonderheiten (S. 425 ff.). Für den Leser ist dies sehr plausibel und prägnant dargestellt.

Der fünfte Teil (Legal Tech 3.0 – ein Ausblick) gibt einen Ausblick in zukünftige Rechtsberatung durch Vorstellung verschiedener Business-Modelle und verschiedener Länder im Vergleich zu Deutschland. Dieser Teil rundet die Ausführungen zu Legal Tech ab, indem aufgezeigt wird, wie sich der Rechtsmarkt in der Zukunft verändern kann.

Allgemein betrachtet, lassen sich weitere folgende positive und negative Kritikpunkte festhalten. Optisch spricht das Buch sehr an, was nicht nur dem belebten Cover, sondern auch den zahlreichen Abbildungen (fast auf jeder Seite) geschuldet ist. Die Autoren schaffen es, das Lesevergnügen mit den Abbildungen zu steigern und die Schwelle zur Überladung grafischer Darstellungen nicht zu übertreten. Zudem ist das Buch gut zu lesen, da es in einem eher umgangssprachlichen Stil verfasst ist. Wer ein „sprachliches Feuerwerk“ erwartet, wird in diesem Punkt etwas enttäuscht sein.

Wie die Aussage auf dem Buchrücken schon verrät („Machen Sie Ihre Kanzlei fit für die Zukunft“), handelt es sich um eine Art Handbuch für Anwälte bzw. Kanzleien, wie man sich bestmöglich der Digitalisierung anpassen kann. Insofern zieht sich der Praxisbezug wie ein roter Faden durch das Buch. Dementsprechend werden fast keine Quellenangaben benutzt und kein wissenschaftlich-juristischer Stil verwendet, was jedoch neutral zu bewerten ist, da dies vermutlich nicht die Intention der Autoren war. Allerdings fällt es dadurch schwer, den Wahrheitsgehalt des Inhalts zu überprüfen. Dass das vorliegende Buch viele moderne Technologien im Rahmen des Legal Tech abdeckt, wird in mehreren Kapiteln deutlich. Denn die Autoren erwähnen beispielsweise das Natural Language Processing anhand von Chatbots (S. 61), Augmented Reality (S. 100), Sharing Economy (S. 101), Blockchain (S. 105) und das beA (S. 425). Dem Vollständigkeitsanspruch zu neuen Technologien wird dieses Buch also gerecht. Jedoch ist es empfehlenswert, schwer zugängliche Themen, wie Blockchain, zumindest grob zu erklären, da ansonsten die Assoziation zum Legal Tech erschwert wird. Beim Thema „ICO“ (Initial Coin Offering) gelingt eine allgemeine Erklärung hingegen sehr gut (S. 108 f.).

Summa summarum ist das Buch über „Legal Tech“ allen Praktikern im Rechtsmarkt zu empfehlen. Dies wird dadurch deutlich, dass das vorliegende Buch eine Art „Anleitung“ für Kanzleien, Rechtsabteilungen etc. ist, wie „Legal Tech“ bestmöglich implementiert werden kann. Die Bearbeitung von „Legal Tech“ aus rechtswissenschaftlicher Perspektive bleibt dagegen außen vor. Als Einstieg in die „Legal Tech-Welt“ und für einen guten Überblick über dieses Thema ist dieses Buch zu empfehlen. Allerdings fällt es eher nicht in die Reihe der günstigen Bücher (89,90 Euro). 

Samstag, 29. September 2018

Rezension: Rechtshandbuch Legal Tech

Breidenbach / Glatz (Hrsg.), Rechtshandbuch Legal Tech, 1. Auflage, C.H. Beck 2018

Von Ass. iur. Oliver Köhler, Berlin


Ein Handbuch (griechisch ἐγχειρίδιον‚ „etwas, das man in der Hand hält“) ist in der Literatur eine geordnete Zusammenstellung eines Ausschnitts des menschlichen Wissens und kann als Nachschlagewerk dienen. Diese Definition der Online-Enzyklopädie Wikipedia entspricht ungefähr dem, was ich von einem Handbuch – auch aus dem Bereich des Rechts erwarte. Mit dieser Erwartungshaltung hielt ich auch das 2018 erstmalig erschienene Rechtshandbuch Legal Tech „in Händen“.

Zunächst fiel mir – etwas überrascht, aber nicht unbedingt enttäuscht – auf, dass das Buch einen Umfang von nur knapp über 270 Seiten aufweist. Herausgeber sind Prof. Dr. Stephan Breidenbach, Professor und Gründer des Legal Tech Centers an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder, und Florian Glatz, Präsident des Blockchain Bundesverbandes. Die Auswahl der Autoren zeigt eine gute Mischung aus Rechtspraktikern, Unternehmern und Wissenschaftlern. Darunter sind auch zwei ausländische Autoren, weshalb zwei Kapitel des Buches in englischer Sprache gehalten sind. Eine Tatsache, die den an Legal Tech interessierten Juristen wohl nicht abschrecken dürfte.

Um ein Handbuch nach der oben genannten Definition handelt es sich bei dem vorliegenden Buch nicht. Denn es stellt weder eine geordnete Zusammenstellung zum Thema Legal Tech zusammen, noch kann es als Nachschlagewerk verwendet werden. Es ähnelt in seinem Aufbau eher einer Festschrift: Viele verschiedene Aufsätze, die das Thema Legal Tech aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchten, ohne eine geordnete und aufeinander abgestimmte Zusammenstellung dieses Themas darzustellen. Die Aufsätze sind teilweise sehr interessant und aufschlussreich, teilweise sind es jedoch auch lediglich aus Stereotypen, Mutmaßungen oder Allgemeinplätzen bestehende Berichte, wie das Kapitel „Digitalisierung und Beruf des Anwalts“, in dem die fiktive Geschichte eines Anwalts im Jahr 2007, 2017 und 2027 erzählt wird. Das Buch enthält auch ein Kapitel über die philosophischen Grundlagen von Legal Tech, sowie eine (bereits in der NJW erschienene) Übersicht über alle deutschen Legal Tech-Unternehmen. Gerade hier wirken die Kapitel besonders unzusammenhängend. Die interessanten Aufsätze, zum Beispiel die Erläuterungen zu den Themen Blockchain und Smart Contracts sind gut, jedoch mutmaßlich für Legal Tech-Neulinge ohne Vorkenntnisse nur schwer verständlich.

Kaufen würde ich dieses Buch für rund 100 € daher nicht. Einen Blick in einer Bibliothek in das Buch zu werfen und den ein oder anderen Aufsatz darin zu lesen, kann bei Interesse an Legal Tech nicht schaden. Sollte eine weitere Auflage des Handbuch Legal Tech geplant werden, würde eine stärkere Ausgestaltung als Handbuch zu einem stärkeren Nutzen für die Praxis führen.


Dienstag, 24. April 2018

Rezension: Legal Tech

Hartung / Bues / Halbleib, Legal Tech – Die Digitalisierung des Rechtsmarkts, 1. Auflage, C.H. Beck 2018

Von Maren Wöbbeking, Göttingen


Mit „Legal Tech – Die Digitalisierung des Rechtsmarkts“ haben Markus Hartung, Dr. Micha-Manuel Bues und Dr. Gernot Halbleib ein Buch herausgegeben, das sich mit einem Thema auseinandersetzt, das zwar erst seit circa einem Jahr einen eigenen Wikipedia-Eintrag hat, aber dafür bereits umso mehr in aller Munde liegt. Das Werk stellt den Anspruch an sich, die mittlerweile schon recht unübersichtliche Fülle an Legal Tech-Lösungen, -Überlegungen und -Publikationen in eine Gesamtdarstellung zu bringen – mit Fokus auf die Auswirkungen auf die Anwaltschaft. Das Buch ist dabei – alles andere hätte wohl auch verwundert – auch als E-Book verfügbar.

Die insgesamt acht Kapitel nehmen neben einer Einführung (auch in die relevanten Technologien) sowie einem abschließenden Zukunftsausblick insbesondere die verschiedenen praktischen Auswirkungen von Legal Tech Lösungen auf Rechtsabteilungen, große, mittelständische und kleine Kanzleien in den Blick. Zudem wird ein Vergleich zum Stand in den USA und England gezogen, der von dort ansässigen Spezialisten, wie beispielsweise Roland Vogl, dem Mitgründer und Geschäftsführer des Stanford Center für Legal Informatics (CodeX), jeweils in englischer Sprache verfasst wurde.

Besonders gelungen sind bei diesem Werk vor allem die allgemeineren Ausführungen, die sich beispielsweise zunächst auf Definitionen von „Legal Tech“ konzentrieren und sich durchgängig auch mit den damit zusammenhängenden Thematiken beschäftigen, die einigen Lesern zwar sicher als Begriff, aber nicht im Detail bekannt sein werden. Zu nennen sind zum Beispiel die Ausführungen dazu, um was es sich bei Künstlicher Intelligenz im technischen Sinne eigentlich überhaupt handelt oder wie ein „smart contract“ abläuft. Überzeugend sind auch die allgemeinen Skizzierungen der möglichen Anwendungsbereiche für künftige Legal Tech-Lösungen und deren Herausforderungen in den unterschiedlichen Bereichen. Dabei wird als wiederkehrendes Thema am Rande auch immer wieder auf die ethischen Fragen, die mit dem Einsatz von Legal Tech Lösungen zusammenhängen, eingegangen. Allem voran die Frage, ob und wie sich Legal Tech beziehungsweise die Veränderungen des Rechtsmarktes durch die Digitalisierung auf das Bestehen von Arbeitsplätzen auswirken könnten.

Deutlich wird dies etwa anhand des Kapitels, welches sich mit der Digitalisierung beziehungsweise der Zukunft von Legal Tech-Lösungen in mittelständischen und kleineren Kanzleien beschäftigt. Denn einerseits verbindet man Legal Tech gedanklich typischerweise eher mit Großkanzleien, andererseits – so beschreibt Marco Klock, seinerseits involviert in zwei Legal Tech Unternehmen, als Autor eines der Unterkapitel – bieten sich gerade aber auch für kleinere Unternehmen vielfach neue Chancen durch Legal Tech. Wie diese Chancen konkret aussehen können, wird detailliert und praxisnah beschrieben.

Als konkretes Anwendungsbeispiel für den Einsatz von Legal Tech in Großkanzleien wird auf der anderen Seite zum Beispiel die Analyse-Software Kira eingeführt. Diese ist dank einer machine learning-Technologie in der Lage, Dokumente beziehungsweise Verträge nach bestimmten Vertragsklauseln auszulesen und findet ihren Anwendungsbereich entsprechend insbesondere im Bereich Mergers and Acquisitions bei der Legal Due Diligence. Vorgestellt wird Kira dabei von Rechtsanwälten einer Kanzlei, die die Software tatsächlich nutzt. Vergleichbar dazu präsentieren zum Beispiel Rechtsanwälte von Deloitte Legal ihre hauseigenen Legal Tech Lösungen. Dies hat zum einen den Vorteil, dass Stärken und Schwächen der konkreten Legal Tech Anwendungen aus erster Hand dargestellt werden, kann aber durchaus auf den ersten Blick für den Leser wie eine Produktplatzierung wirken.

Tatsächlich können sowohl die Notwendigkeit solch praktischen Anschauungsmaterials sowie der moderate Umfang, den die konkreten Beispiele jeweilig im Buch einnehmen, als auch die Auswahl der einzelnen Legal Tech Lösungen, diese Wirkung aber durchaus entkräften. Letzteres wird unter anderem dadurch deutlich, dass beispielsweise auf die Software Leverton nicht näher eingegangen wird, obwohl der Mitherausgeber dieses Buches, Dr. Bues, dort als Geschäftsführer tätig ist.

Insgesamt handelt es sich mit „Legal Tech – Die Digitalisierung des Rechtsmarkts“ um eine bisher einmalig umfassende Darstellung von Legal Tech und verwandten Themen. Die Herausgeber sowie viele der Autoren sind führende Experten für die digitalisierte Rechtsberatung und Legal Tech-Anwendungen und recht viele der aktuell relevanten Legal Tech-Projekte finden Erwähnung. Moniert werden könnte lediglich, dass keine komprimierte Übersicht über alle laufenden Legal Tech-Lösungen (in Deutschland) bereitgestellt wird. Dem Anspruch, praktische Hinweise für die allgemeine Nutzung von Legal Tech Lösungen in der Anwaltschaft zu bieten, wird das Werk aber jedenfalls vollends gerecht.