Roxin / Schünemann, Strafverfahrensrecht 29.
Auflage, C.H. Beck 2017
Von stud. iur. Jannina Schäffer, Tübingen
Das Buch
„Strafverfahrensrecht“ von Roxin/Schünemann erscheint 2017 bereits in der 29.
Auflage. Es gehört zu der erfolgreichen Reihe „Juristische Kurz-Lehrbücher“ des
C.H. Beck Verlags. Das Werk wurde vor über einem halben Jahrhundert von dem
Juristen Eduard Kern begründet. Es existieren Übersetzungen ins Japanische,
Chinesische und Spanische.
Dr. Dr. h.c.
mult. Claus Roxin (*1931) ist emeritierter Professor an der Universität München
und genießt hohes Ansehen. Insgesamt vierundzwanzig Universitäten haben ihm die
Ehrendoktorwürde verliehen. Auch seine Lehrbücher zum Strafrecht AT und BT sind
bei den Jurastudierenden sehr beliebt. Das hier vorgestellte Buch übernahm er
1967. Dr. Dr. h.c. Bernd Schünemann (*1944) ist ebenfalls emeritierter
Professor an der Universität München. Bekannt ist er unter anderem für seine
Mitarbeit am Leipziger Kommentar (StGB).
Dem Vorwort der
Autoren zu diesem Lehrbuch ist zu entnehmen, dass sie das Strafverfahrensrecht
als Herzkammer des Rechtsstaats verstehen. Dementsprechend wichtig sollte das
Thema daher auch in der juristischen Ausbildung sein. Das Werk soll den
kompletten examensrelevanten Stoff
abbilden und das gesamte Strafprozessrecht klar und prägnant behandeln.
Es stellt den Gang des Strafverfahrens vom Ermittlungsverfahren bis zu
Vollstreckung dar. Das Buch erläutert unter anderem die Strafgerichtsverfassung,
die Beteiligten des Strafverfahrens, das Beweisrecht, die Zwangsmaßnahmen, das
Urteil und seine Rechtskraft sowie die Rechtsbehelfe der StPO. Das Kurzlehrbuch
eignet sich damit nicht nur für Jurastudierende, sondern auch für Referendare
als wertvoller Begleiter durch die juristische Ausbildung.
Das Werk umfasst
über 500 Seiten. Die meisten Studenten würden es daher wohl nicht mehr als
„Kurzlehrbuch“ bezeichnen, sondern als ausführliche, voll umfassende Literatur
zum Strafprozessrecht. Das Buch gliedert sich in eine Einleitung und daran
anschließend in 15 Kapitel. In der Einführung werden der Begriff und die
Aufgaben des Strafverfahrensrechts behandelt und es erfolgt ein Überblick über
den Gang des Verfahrens. Im ersten Kapitel geht es um das
Strafgerichtsverfassungsrecht. Teil davon ist die sachliche und örtliche
Zuständigkeit. Im zweiten Kapitel dreht sich alles um die Grundsätze des
Strafverfahrensrechts. In Kapitel drei wird die Rechtsstellung der
Verfahrensbeteiligten erörtert. Im vierten Kapitel erklären die Autoren den
Gegenstand und die Voraussetzungen des Strafverfahrens. Das fünfte Kapitel
handelt vom Beweisrecht. Hier werden insbesondere auch die examensrelevanten
Beweisverbote näher dargestellt. Im sechsten Kapitel findet der Leser alles
Wichtige zu den Zwangsmaßnahmen und den Grundrechtseingriffen. Dazu gehört auch
die Erläuterung der im Examen häufig anzutreffenden Prüfung der
Untersuchungshaft. In Kapitel sieben werden das Vorverfahren und das
Zwischenverfahren dargestellt, während Kapitel acht das Hauptverfahren in
erster Instanz näher beleuchtet. Kapitel neun erläutert schließlich das Urteil
und dessen Rechtskraft. Im zehnten Kapitel sind die Rechtsbehelfe Berufung,
Beschwerde und Revision dargestellt, die man für das Examen unbedingt lernen
sollte. Das elfte Kapitel dreht sich schließlich um die Strafvollstreckung und
deren Kosten, während das zwölfte Kapitel einige Besonderheiten des
ordentlichen Verfahrens aufgreift. Im vorletzten Kapitel geht es um die
Beteiligung des Opfers am Strafverfahren. Das letzte Kapitel beschäftigt sich
mit besonderen Verfahrensarten wie dem Sicherungsverfahren und dem
Strafbefehlsverfahren. In einem gesonderten Epilog am Ende des Buches wird die
Zukunft des Strafverfahrens thematisiert.
Insgesamt ist
das Buch für Kandidaten des ersten Examens sehr umfangreich gestaltet. Obwohl
Kenntnisse der StPO nur am Rande erwartet werden, umfasst das Buch über 500
Seiten, was den Leser auf den ersten Blick eher abschreckt. Dafür kann man sich
aber sicher sein, dass das Lehrbuch alle relevanten Themen voll umfassend
behandelt und ausführlich erklärt. Insbesondere eignet sich das Werk daher
ebenfalls für Referendare, die sich gezwungenermaßen vertieft mit dem
Strafprozessrecht auseinandersetzen müssen.
Sehr gelungen
ist die Einführung in das Strafprozessrecht, die den Einstieg in die Materie
erleichtert. Eher störend sind dafür die vielen Querverweise und Quellenangaben
mitten im Fließtext. Das Buch ist zwar verständlich geschrieben, allerdings
wird der Lesefluss dadurch erheblich beeinträchtigt. Bedauerlich ist auch, dass
das Werk keinerlei Schemata oder Übersichten enthält. Gerade bei den
Rechtsbehelfen wäre dies sehr sinnvoll gewesen. Für blutige Anfänger oder
Studenten, die nur die wichtigsten Grundlagen schnell wiederholen wollen, ist
das Buch daher weniger geeignet, als Nachschlagewerk und ausführlicher
Begleiter im Studium dafür umso mehr. Jedes Kapitel enthält umfangreiche
Literaturempfehlungen, sodass das Buch auch ein nützlicher Helfer für
Hausarbeiten ist. Wer sich schnell, leicht verständlich und übersichtlich die
Grundlagen des Strafprozessrechts aneignen will, dem sei das Lehrbuch von
Roxin/Schünemann eher nicht empfohlen. Wer sich gerne vertieft in die Materie
einlesen möchte, der ist hier jedoch genau richtig.







