Von
Rechtsreferendarin Patricia M. Popp, M.A., Darmstadt
Da das Staatshaftungsrecht
für Studenten und Examenskandidaten eine meist unbekannte und bisweilen
gefürchtete Materie darstellt, wird es bei der Vorbereitung oftmals
stiefmütterlich behandelt. Viele Examenskandidaten stellen ihre Vorbereitung im
öffentlichen Recht daher unter die Prämisse: „Staatshaftungsrecht? Kommt schon
nicht dran, ich lerne lieber Grundrechte.“ Obwohl Staatshaftungsrecht nunmehr zu
den Exoten im Examen zählen dürfte, ist es eine viel zu unterschätzte Examensmaterie.
Die Vorbereitung hierauf lohnt deshalb sich in jedem Fall! Wird
Staatshaftungsrecht im Ernstfall in einer öffentlich-rechtlichen Klausur
thematisiert, so sollten wichtige Punkte aus diesem Bereich nicht liegen
gelassen werden.
Aus dem
Hause Beck kommt nunmehr druckfrisch ein völlig neu konzipiertes Studienbuch
zum Staatshaftungsrecht aus der Reihe „juristischer Studienkreis“ daher. Dr.
iur. Dr. phil. Martin Will, M.A., LL.M. (Cambridge)
seines Zeichens Professor für öffentliches Recht an der EBS Universität für
Wirtschaft und Recht in Wiesbaden, hat sich gemeinsam mit seinem wissenschaftlichen
Mitarbeiter Benedikt Quarch, LL.B., M.A. der staathaftungsrechtlichen
Materie angenommen und diese in einer völlig neuen Art und Weise aufbereitet.
Es sei bereits vorweggenommen: Dieses Werk war längst überfällig, denn es gab
bisher einfach kein vergleichbares Lehrbuch zum Staatshaftungsrecht auf dem
Markt.
Bereits
die optische Aufmachung des Lehrbuchs besticht durch das auffällige DIN A4
Format, welches zunächst an ein Skript erinnern dürfte. Allerdings gehen die
knapp 350 Seiten weit über den Inhalt und Umfang eines Skripts hinaus. Das
Layout ist dank der zahlreichen Gliederungspunkte und Absätze sehr übersichtlich
gestaltet, weshalb sich der Leser innerhalb der einzelnen Textabschnitte gut orientieren kann.
Auch die großzügigen Zeilenabstände ermöglichen einen angenehmen Lesefluss, da die
Absätze hierdurch nicht so gedrungen wirken, wie bei manch anderen Lehrbüchern.
Ein breiter Rand bietet dem Leser zudem Platz für eigene Notizen und Anmerkungen.
Da das
Staathaftungsrecht wenig kodifiziert ist und überwiegend auf Rechtsprechung
basiert, ist auch das vorliegende Lehrbuch als detaillierte Fallsammlung
konzipiert. Die Sammlung gliedert sich in 16 Fälle auf, die alle auf aktueller
Rechtsprechung basieren. Den staatshaftungsrechtlichen Nebengebieten
(Aufopferungsanspruch oder Polizei- und ordnungsrechtliche Haftung) ist jeweils
ein Fall gewidmet. Zu den drei Schwerpunkten des Staatshaftungsrechts (Amtshaftungsanspruch,
Folgenbeseitigungsanspruch und öffentlich-rechtlicher Erstattungsanspruch)
finden sich hingegen je ein Grundfall, gefolgt von zwei weiteren
Vertiefungsfällen. Mittels des Grundfalls erleichtern es die Autoren dem Leser
ungemein, sich zunächst in die staathaftungsrechtlichen Materie einzudenken
oder das bereits vorhandene Wissen erneut aufzufrischen. Anhand der
Vertiefungsfälle kann der Leser dann Schritt für Schritt auf das Wissen aufbauen
und dieses vertiefen – ein didaktisch durchdachter und sehr gelungener Aufbau!
Die
konkreten Falldarstellungen erfolgen dann stets nach demselben einprägsamen
Schema: Zu Beginn werden zunächst die Schwerpunkte des jeweiligen Falls in
einem grau hinterlegten Kasten aufgezeigt. Sodann folgt die gerichtliche Entscheidung
mit entsprechender Fundstelle, auf welcher der Fall basiert. Die Sachverhalte
erstrecken sich dann meist auf eine halbe bis ganze Seite – sind also nicht zu
ausladend – gefolgt von meist einer oder zwei Fallabwandlungen. Teilweise
wurden relevante Normen (so beispielsweise das SGB VIII bei Fall 4) ergänzend abgedruckt.
Bevor die Autoren auf die eigentliche Lösungsskizze eingehen, wird zunächst
eine Gliederung der Lösungsskizze vorangestellt. Diese ermöglicht es dem Leser
bereits vorab, den eigenen Lösungsvorschlag kurz abzugleichen. Die
Lösungsskizzen enthalten dann stets weiterführende Hinweise zu der besprochenen
Thematiken (beispielweise die wörtliche Formulierung des BVerfG zum
Betreuungsgeld oder die Auffassung des BVerwG zum Wegfall der Bereicherung auf
den öffentlich-rechtlichen Erstattungsanspruch), die am Seitenrand mit einem grauen
Balken gekennzeichnet sind. Hierdurch kann der Leser diese einfach erkennen und
bei Bedarf „überspringen“, etwa dann wenn er lediglich den reinen
Lösungsvorschlag des Falls erfassen möchte.
Das
Durcharbeiten der Fälle gestaltet sich aufgrund der übersichtlichen
Gliederungspunkte mit entsprechenden Überschriften als sehr angenehm. Die Lösungen
sind präzise formuliert und beinhalten alles Wesentliche. Trotzdem wirken sie
nicht überladen. Anhand der Zwischenergebnisse wird das zuvor Dargestellte in
regelmäßigen Abständen zusammengefasst. Die Autoren verwenden zudem
wiederkehrende Formulierungen, welche sehr einprägsam sind. Alles in allem wird
ein guter Lesefluss ermöglicht, sodass die Fallsammlung in einem angemessenen
Tempo durchgearbeitet werden kann.
Lobend
seien auch die kreativen Titel der Fälle, wie „Demo mit Biss“, „Beamtin auf
Raten“ oder „Feindliches Grün“ erwähnt. Diese erwecken gekonnt das Interesse
des Lesers, regen zum Schmunzeln an und geben jeweils einen kleinen
Vorgeschmack auf die dem Fall zugrundeliegende Materie (im ersten Beispielsfall
etwa die Tierhalterhaftung).
Dank Will
/ Quarchs neuem Lehrbuch zum Staatshaftungsrecht gehören Ausreden für die
Vorbereitung zum Staatshaftungsrecht fortan der Vergangenheit an. Für jeden
Kandidaten lohnt sich bereits ein kurzer Blick ins Buch. Die einprägsame
Aufmachung hilft Jedermann dabei, sich mindestens einen guten Überblick zum
Staatshaftungsrecht zu verschaffen. Die Autoren nehmen dem Leser fast
spielerisch die Angst vor der Materie und beim Durcharbeiten erschließt sich
diese dem Leser mehr und mehr. Mit dem Werk ist daher jeder (angehende) Jurist sicher
aufgestellt und für den staatshaftungsrechtlichen Klausur-Ernstfall absolut gerüstet.
Dieses Lehrbuch hätte es viel früher geben sollen.