Scherrer, Kryptowährungen in der Ermittlungspraxis, 1. Auflage, C.F. Müller 2025
Von StA Dr. Alexander Bleckat
Das Handbuch „Kryptowährungen in
der Ermittlungspraxis“ von Michael Scherrer umfasst 203 Seiten, ist im Jahre 2025
im C.F. Müller Verlag erschienen und befasst sich insbesondere mit der
zunehmenden Konfrontation der Ermittlungsbehörden mit Kryptowährungen in
Ermittlungsverfahren bzw. im Zusammenhang mit Straftaten.
Bereits im Vorwort weist Scherrer dabei
auf die Komplexität von Kryptowährungen hin und macht deutlich, dass sein
Handbuch, welches sich in zwölf Kapitel untergliedert, dazu dienen soll, eine
praxisorientierte Einführung und dauerhafte Hilfestellung in die
kriminalistische Arbeit mit Kryptowährungen zu bieten. Aus diesem Grunde war
der Rezensent, der sich in seinem Arbeitsalltag schon des Öfteren mit
Kryptowährungen beschäftigen musste, sehr gespannt auf die Lektüre des
Handbuches.
In der Einführung macht Scherrer vorab
deutlich, dass die Ermittlungsbeamten keine Angst vor Berührungspunkten mit Kryptowährungen
im Rahmen von Ermittlungen haben müssen, da sie über ausreichend bewährte
kriminalistische Techniken – insbesondere der Blockchainanalyse – verfügen.
Dies deckt sich mit dem Eindruck des Rezensenten aus der Praxis, da es unter
den Ermittlungsbeamten bereits vereinzelte Spezialisten im Bereich der
Kryptowährungen und im Umgang mit der Blockchainanalyse gibt, für die die
Ermittlungen im digitalen Bereich mit Kryptowährungen keine Hürde mehr
darstellen.
Anschließend stellt Scherrer neben
den Vorteilen und Eigenschaften der Kryptowährungen heraus, dass es eine
Vielzahl von Kryptowährungen gibt, die derzeit gehandelt werden, wobei jedoch der
Bitcoin, bei dem es sich um die wohl bekannteste Kryptowährung handelt, einen
Marktanteil von 64% aufweist. Bei der Darstellung der Vorteile macht der Verfasser
deutlich, wieso Kryptowährungen für Kriminelle so attraktiv sind. Als
entscheidendes Argument wird unter anderem aufgeführt, dass diese
sekundenschnell und ohne Kontrollinstanz überall hin transferiert oder über
eine (Hardware-)Wallet spurlos transportiert werden können. Im Anschluss geht
der Verfasser auf die technischen Grundlagen im Zusammenhang mit
Kryptowährungen ein und erläutert diese. Im Rahmen dessen geht er unter anderem
auf die Blockchain-Technologie ein und erklärt diese – auch für einen
technischen Laien – nachvollziehbar.
Im Weiteren geht Scherrer dann darauf
ein, dass diskutiert wird, ob Kryptowährungen als Geld eingestuft werden
können, wobei er dies selbst für nicht abwegig erachtet, welche Arten von
Crypto-Token es gibt und welche Regularien bereits im Zusammenhang mit
Kryptowährungen erlassen wurden. Letztendlich schafft Scherrer damit erfreulicherweise
gleich zu Beginn seines Werkes einen groben Überblick über das Thema
Kryptowährungen, auch im Zusammenhang mit Kriminalität, da er auch eine
Vielzahl von prominenten Fällen darstellt.
Bei der Verknüpfung von
Kryptowährungen mit Kriminalität geht der Verfasser auf den „Ersten Angriff“,
also Spuren von Kryptowährungen am Tatort, in einem eigenen Kapitel ein. Zu
Beginn erläutert er, welche Spuren durch Täter hinterlassen werden können, wofür
er insbesondere auch die Funktionalität von sog. „Wallets“ erklärt. Ferner
kommt der Verfasser auf die unterschiedlichen Arten der Verwahrung – Fremd- und
Selbstverwahrung – von Kryptowerten zu sprechen, wobei er dabei auch zu den
unterschiedlichen Arten von „Wallets“, insbesondere Hardware- und
Software-Wallets, überleitet sowie deren Vor- und Nachteile skizziert.
Im Anschluss geht Scherrer darauf
ein, welche Möglichkeiten zur Verfügung stehen, um Absender und Empfänger einer
Kryptowährungstransaktion zu verschleiern, wobei er zu Recht verdeutlicht, dass
eine Verschleierung auf kriminelle Aktivitäten schließen lässt. Dabei geht Scherrer
unter anderem auf das dezentralisierte Mixing-Verfahren „CoinJoin“ zur
Anonymisierung von Bitcoin-Transaktionen ein. Bei diesem Verfahren bündeln
mehrere Nutzer ihre Einzahlungen in einer einzigen Transaktion, was – so auch
der Verfasser – aus kriminalistischer Sicht die Blockchain-Analyse durch die
Ermittlungsbeamten erheblich erschwert. Ferner führt der Verfasser weitere
Möglichkeiten von Tätern auf, die eine Nachvollziehbarkeit von Transaktionen
durch die Ermittlungsbehörden erschweren können. Dabei wird aus der Sicht des
Rezensenten sehr deutlich, dass die Ermittlungs- und Strafverfolgungsbehörden zwingend
technisch geschult werden müssen, um Straftaten im Zusammenhang mit
Kryptowerten und deren Verschleierung nachvollziehen zu können.
Daran anschließend erläutert Scherrer
unter anderem die Funktionalität von sog. „Exchanges“, bei den es sich um
Dienstleister handelt, die den Handel und die Verwahrung von Kryptowerten
anbieten und daher insbesondere für „Einsteiger“ sehr attraktiv sind. Für
Ermittler ist dabei von Vorteil, dass eine Verfolgbarkeit von Transaktionen ohne
große Mühen gewährleistet ist. Ferner geht der Verfasser auf weitere
Möglichkeiten des Handels und der Verwahrung von Kryptowerten ein, um dann zur
digitalen Forensik überzuleiten. Dabei erläutert er mögliche digitale Spuren der
Täter (z.B. das Auffinden von Seed Phrasen, eines Browserverlaufs zu Wallets,
E-Mails oder gespeicherten Dateien auf Endgeräten), die den Ermittlungsbehörden
zur Verfügung stehen, um einen Täter hinsichtlich Transaktionen zu
identifizieren bzw. die Straftat letztendlich aufzuklären. Außerdem erwähnt Scherrer,
dass nach einer Blockchainanalyse, deren Umfang und Vorteile vom Verfasser im
Nachgang erklärt werden, zur Aufhebung von Pseudonymität ein behördliches
Auskunftsersuchen gegenüber Kryptowährungsdienstleister erfolgen kann, um den
Inhaber einer bestimmten Wallet-Adresse zu personalisieren.
In der Privatwirtschaft werden sog.
Blockchainanalysetools zur Überwachung von Kryptotransaktionen ihrer Kunden in
Echtzeit genutzt, um mögliche Auffälligkeiten zu erkennen, damit die
verpflichtende Meldung (z. B. nach dem GwG) an die zuständigen Aufsichts- und
Strafverfolgungsbehörden erfolgen kann. Im Jahre 2024 sollen bei der
zuständigen Aufsichtsbehörde 8.700 Verdachtsmeldungen im Zusammenhang mit
Transaktionen von Kryptowerten eingegangen sein.
Danach geht der Verfasser auf die technischen
Aspekte von Kryptowährungen ein, wobei er insbesondere die sog. „Seed Phrases“,
Kryptowährungsadressen und -transaktionen eingehend erläutert. Darüber hinaus
stellt er die unterschiedlichen Kryptowerte, die unterschiedlichen Blockchains
unterliegen, tabellarisch, historisch und technisch dar. Für den Rezensenten
geht der Verfasser etwas zu knapp auf die Sicherungsmaßnahmen bei Kryptowerten
ein. Hier hätte durchaus ausführlicher dargestellt bzw. zwischen den jeweiligen
Wallets differenziert werden können, inwiefern eine Sicherung von Kryptowerten
unter Ausschluss der Einflussmöglichkeit der Täter im jeweiligen Einzelfall,
insbesondere bei beteiligten „Exchanger“ bzw. Dienstleistern, möglich ist.
Scherrer stellt zutreffend heraus,
dass es in verschiedenen Bereichen (z. B. im Darkweb als Zahlungsmittel, bei
BtM-Geschäften/Delikten bei der Terrorismusfinanzierung oder im Bereich des
Anlagebetruges) und nicht nur im Cybercrime (z. B. Ransomware) Sachverhalte
gibt, in denen Kryptowährungen als Taterlangtes eine Rolle spielen. Aus diesem
Grunde verdeutlicht er, dass alle Beteiligten an Ermittlungsverfahren (z. B.
Landes- und Bundespolizei, Steuer- und Zollfahndung sowie Verfassungsschutz),
auf die er im Einzelnen ausführlich eingeht und bei denen er einen Bezug zwischen
deren Tätigkeit und Kryptowährungen herstellt, Aus- und Fortbildungen
wahrnehmen sollten, um ein Grundverständnis für digitale Finanzermittlungen zu
entwickeln. Dem stimmt der Rezensent vollumfänglich zu. Ebenso ist dem
Verfasser dahingehend zuzustimmen, dass die Vermögensabschöpfung eine zentrale
und zunehmend komplexe Rolle im Straf- und Ermittlungsverfahren einnimmt, wobei
der Verfasser in seinem Handbuch nicht eingehend auf die Möglichkeiten der
Vermögensabschöpfung eingeht, was er jedoch auch kenntlich macht. Aufgrund der
Komplexität der Vermögensabschöpfung sollten Fortbildungen seitens der
Generalstaatsanwaltschaften und Oberlandesgerichte auch fortlaufend für
Staatsanwälte/Staatsanwältinnen und Richter/Richterinnen angeboten werden, um
Straftaten wirksam bekämpfen zu können.
Zusammenfassend ist daher festzuhalten,
dass das Handbuch „Kryptowährungen in der Ermittlungspraxis“ von Michael
Scherrer seinem Ziel, eine praxisorientierte Einführung und dauerhafte
Hilfestellung in die kriminalistische Arbeit mit Kryptowährungen zu bieten,
gerecht wird. Im Umkehrschluss eignet sich das Buch damit nicht für eine eingehende
wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema Kryptowährungen. Diesen
Anspruch hat der Verfasser mit seinem Handbuch jedoch auch nie erhoben.
Aus der Sicht des Rezensenten ist das
Handbuch folglich jedem Ermittler uneingeschränkt zu empfehlen. Denn die
Grundlagen, die in diesem Handbuch vermittelt werden, sollten diesen bekannt
sein.

