Schwartmann / Benedikt / Reif (Hrsg.), Datenschutz im Internet – Rechtshandbuch, C.H. Beck 2025
Von
Ass. iur. Fabian Bünnemann, LL.M., LL.M., Essen
Dass Fragen des Datenschutzes spätestens seit
Inkrafttreten der Datenschutz-Grundverordnung (DS-GVO) in allen Bereichen des
gesellschaftlichen Lebens und damit auch des Rechts zu beachten und vom
Rechtsanwender „mitzudenken“ sind, dürfte sich zwischenzeitlich als allgemeine
Ansicht durchgesetzt haben. Unternehmen, Behörden, Gerichte und Anwaltschaft haben
sich daher mit einer großen Vielzahl an Rechtsbereichen auseinanderzusetzen, in
die der Datenschutz „einstrahlt“. Kommentare zu datenschutzrechtlichen
Vorschriften gibt es mittlerweile einige, Handbücher bearbeiten zumeist
thematische Schwerpunkte, so etwa zum Beschäftigtendatenschutz, dem Datenschutz
in der Wohnungswirtschaft oder dem Sozialdatenschutz. Einen anderen Ansatz
wählt seit jeher das nunmehr von Rolf Schwartmann, umtriebiger Professor
an der TH Köln, der Verwaltungsrichterin Kristin Benedikt und der
Rechtsanwältin Yvette Reif herausgegebene Rechtshandbuch „Datenschutz
im Internet“, das keinen thematischen Zugriff wählt, sondern vielmehr auf
den Ort der Datenverarbeitung – nämlich das Internet – abstellt und sich zum
Ziel gesetzt hat, sämtliche dort relevanten Verarbeitungen systematisch
abzuhandeln und dem Leser so eine Hilfestellung über die gesamte Breite zu
bieten. Hierfür ist es den Herausgebern gelungen, einen Autorenkreis mit großer
datenschutzrechtlicher Expertise zu versammeln; dabei sind etwa Stefan
Brink, Marit Hansen, Tobias Keber, Martin Kessen, Boris B. Paal, Carlo Piltz,
Gregor Thüsing, Tim Wybitul, mithin ehemalige und aktuelle
Landesdatenschutzbeauftragte, aber auch Vertreter aus Wissenschaft,
Anwaltschaft und Justiz, insgesamt ein perfekter Mix für ein praxisorientiertes
Handbuch wie das vorliegende.
Dabei folgt das Werk einem sehr systematischen
Aufbau in vier Teilen, die wiederum in einzelne Kapitel untergliedert sind. Den
Anfang macht ein allgemeiner Teil, der mit „Einführung und rechtliche
Grundlagen“ (Teil A.) überschrieben ist. Benedikt gibt dort einen
Überblick über die Vorschriften zu ePrivacy, Reif/Burkhardt bzw.
teilweise allein Reif eröffnen den Blick auf die allgemeinen
datenschutzrechtlichen Vorschriften; weitere Ausführungen betreffen die sonstigen
maßgeblichen Bezüge, stets unter Beachtung europarechtlicher und
nationalrechtlicher Rechtsakte. Sodann folgt „Teil B.“, der sich mit dem
Datenschutz betreffend „Websites und Apps“ auseinandersetzt. Von einer
allgemeinen Funktionsbeschreibung der technischen Einrichtungen (S. 69 ff.), über
die Verarbeitungen (S. 97 ff.), die betroffenen Datenkategorien (S. 115 ff.),
die Rollen der verschiedenen Beteiligten (S 127 ff.) bis hin zu den
Erlaubnistatbeständen (S. 163 ff.) werden hier zunächst Grundlagenthemen
abgehandelt, auf die das Werk im Folgenden aufbaut, die zum grundsätzlichen
Verständnis aber auch wiederholt lesenswert sind. Wichtig für die
datenschutzrechtliche Praxis erscheinen mir vor allem die Kapitel über die „Einbindung
von Fotografien“ (S. 301 ff.) sowie den Drittlandstransfer (S. 315 ff.). Das
Kapitel zu „Veröffentlichungen von Aufsichtsbehörden“ (S. 277) enthält
eine interessante Fundkiste und ist zum Stöbern gewiss interessant.
Systematisch erscheint es aber als Fremdkörper hier; es bleibt unklar, warum
die hier abgehandelten Inhalte nicht in den einzelnen Kapiteln Aufnahme
gefunden haben, sondern hier eigens herausgestellt werden.
Im dritten Teil des Werks geht es dann hinein in die
einzelnen Rechtsbereiche („Teil C. Spezifische Anwendungsbereiche“). Wichtige
Bausteine sind hier die Abhandlungen zu Einsatz und Anwendung von „Messengern“
(S. 457 ff.) sowie zu „Social Media im Unternehmen“ (S. 477 ff.).
Im finalen Teil „D.“ werden dann noch die „Risiken
bei Datenschutzverstößen“ beschrieben und ausbuchstabiert.
Unterlassungsansprüche spielen hier eine gewichtige Rolle. Prima gefallen hat
mir insbesondere die dogmatische Systematisierung nach Anspruchsgrundlagen, die
Herbrich vornimmt und die für die Praxis wirklich hilfreich erscheint
(S. 794 ff.). Weitere Kapitel betreffen Schadensersatzansprüche, Bußgeld- und
aufsichtliche Verfahren. Zu letzteren hat Benedikt einen gelungenen,
wenngleich naturgemäß nur überblicksartigen Beitrag verfasst. Treffend
herausgearbeitet wird der Gang des (Verwaltungs-)Verfahrens, eher an der
Oberfläche bleibt jedoch die Auseinandersetzung mit der für die
Aufsichtsbehörden überragend wichtigen Fragestellung, ob der Aufsichtsbehörde
bei Vorliegen eines Datenschutzverstoßes ein Ermessensspielraum hinsichtlich
des „Obs“ eines möglichen Einschreitens zusteht (Entschließungsermessen).
Während die DS-GVO ein solches Ermessen nicht vorsieht, hat der EuGH ein
solches – unter bestimmten Voraussetzungen – durchaus für zulässig erachtet
(vgl. EuGH, Urt. v. 26.09.2024 – C-768/21, NJW 2024, 3427).
Das wohl als „Schwarmann/Benedikt/Reif“
abgekürzte Werk verfügt selbstverständlich auch über ein Inhalts-, ein
Bearbeitungs- und ein Literaturverzeichnis. Das Stichwortverzeichnis ist mit 11
Seiten im Verhältnis zum übrigen Inhalt verhältnismäßig knapp geraten;
gleichwohl habe ich gesuchte Stichworte bislang recht zügig gefunden. Gefreut
habe ich mich auch über die Haptik des Werks, dem der Verlag eine sehr
angenehme Papierstärke spendiert hat. Nur ein Lesebändchen würde den
Lesekomfort in der Anwendung noch erhöhen, springt man in der täglichen
Anwendung gerade in Werken wie diesem doch das ein oder andere Mal von einer an
die nächste Stelle und wieder zurück.
Mein Fazit nach mehrwöchiger Nutzung fällt
ausgesprochen positiv aus: Der Zuschnitt des Werks hat mir gut gefallen, das
Match aus Titel und Inhalt ist gut gelungen, sodass der Leser den Inhalt
erhält, den er erwartet. Wermutstropfen ist natürlich die im Vergleich zu
anderen Rechtsgebieten wohl überaus schnelle Fortentwicklung der Rechtsprechung
im Datenschutzrecht – gewissermaßen eine Rechtsprechungsakzeleration –, wodurch
Printwerke ihre bisherigen Stärken im Vergleich zu Online-Werken etwas
einbüßen. Im Grundlegenden hat dies jedoch Auswirkungen, im Spezifischen kann
es dann schon eher zu Abweichungen kommen. Dies ist aber im Allgemein
hinzunehmen.
Hat der Markt und hat der Leser auf dieses Buch
gewartet? Angesichts der Vielzahl neuer Fachtitel, die jedes Jahr neu oder in
neuer Auflage den Buchmarkt erreichen, wird man dies nur für die wenigsten
Titel noch behaupten können. Und doch ist das Rechtshandbuch von Schwartmann/Benedikt/Reif
ein prima Werk gerade für Fragen rund um den Datenschutz im Digitalen. So
dürfte das Werk etwa Rechtsanwälten (ohne Schwerpunkt im Datenschutzrecht) zu
empfehlen sein, da es viele Themen aufgreift und so einen angemessenen Umgang
damit gewährleistet. Auch Beschäftigte in Unternehmen und Aufsichtsbehörden
können sicherlich einen Mehrwert aus dem Werk ziehen, insbesondere dann, wenn
Fragen, die über die Masse des Tagesgeschäfts hinausgehen, virulent werden –
insbesondere betreffend die Verarbeitung von personenbezogenen Daten auf
Websites, in Apps und vor allem auch in der Schnittstelle zwischen ePrivacy und
DS-GVO. Gerade in diesen Bereichen hilft das vorliegende Handbuch weiter. Für
159 Euro bekommt man hier 873 Seiten Qualität. Kurzum: Ich freue mich über das
Erscheinen und werde das Werk auch weiter zu Rate ziehen.








