Bräutigam / Rücker
[Hrsg.], E-Commerce Rechtshandbuch, 1. Auflage, C.H. Beck 2017
Von Carina
Wollenweber, Wirtschaftsjuristin, LL.M., Siegen
Das vorliegende
Rechtshandbuch „E-Commerce“ von den Herausgebern Peter Bräutigam und Daniel
Rücker umfasst insgesamt 1085 Seiten inkl. Sachverzeichnis und ist in 14 Teile
gegliedert. Jeder Teil ist wiederum in Unterkapitel eingeteilt. Wie der Titel
bereits vermuten lässt, beschäftigt sich das Werk mit dem E-Commerce, also mit
dem elektronischen Geschäftsverkehr.
Der 1. Teil
nennt sich „Die Weiterentwicklung des E-Commerce zum E-Commerce 2.0“. Darin
wird sowohl Geschichtliches behandelt als auch die Vernetzung von Endgeräten
und Produkten und die damit zusammenhängenden Gefahren. Ein Blick in die
Zukunft zeigt, mit welchen neuen Technologien und Erfindungen die Menschheit in
der nächsten Zeit rechnen darf. „Websites und Online-Werbung“ ist der Name von
Teil 2. Es wird erläutert, welche Angaben auf Websites notwendig sind und wie
Online-Werbung z.B. per E-Mail aussehen kann. Besonders interessant ist die
Haftung des Betreibers und die Rechtsdurchsetzung. Der 3. Teil („Webshops“) ist
mit den über 300 Seiten der längste Teil und stellt demnach einen wesentlichen
Schwerpunkt des Werkes dar. Er bildet bereits für sich ein breites Spektrum ab.
Thematisiert werden die verschiedenen Elemente des Web Shops (z.B. AGB,
Datenschutzerklärung, Impressum), aber auch der Vertragsschluss und der
Bestellprozess. Auch Gestaltungshinweise zu AGB werden gegeben. Schwerpunkte
bilden der Verbraucher- und der Datenschutz. Besondere Aufmerksamkeit verdient
auch der internationale Web Shop. Die Bereiche Lebensmittel, Online-Apotheke
und „Curated Shopping“, was als „betreutes Einkaufen“ zu verstehen ist, werden
in speziellen Kapiteln behandelt.
Im 4. Teil
(„Online-Verkaufsplattformen“) werden die vertraglichen Strukturen und wichtige
Regularien besprochen. Ein Thema ist die Versteigerung (z.B. auf eBay). Darüber
hinaus sind die Bereiche Kartellrecht und Haftung immer von Bedeutung. Der 5.
Teil widmet sich den Vergleichsportalen und erläutert die verschiedenen Arten
und Vertragsstrukturen. Als besonders wichtige Rechtsbereiche werden das
Wettbewerbs-, das Kartell- und das Urheberrecht behandelt. Auch auf die Haftung
wird eingegangen. Im 6. Teil „Media Commerce“ wird der Kauf in digitaler Form
z.B. von Filmen, eBooks, Musik und Gaming thematisiert. Dabei spielt der
Jugendschutz naturgemäß eine große Rolle. Aber auch z.B. die Ansprüche aus dem
Urheberrecht sind nicht zu vernachlässigen. Der. 7. Teil widmet sich dem
„Social Commerce“, also den sozialen Medien. Der Umgang mit „User-generated
Content“ stellt dabei eine Herausforderung dar. Des Weiteren sind das
Vertragsrecht, der Datenschutz sowie das Marketing besonders relevant. Im 8.
Teil „Search Engines“ dreht sich alles um die Suchmaschinen. Behandelt wird in
diesem Zusammenhang auch die Autovervollständigung sowie die Rechtsbereiche
Markenrecht, Jugendschutz, Kartellrecht und erneut die Haftung. „Glückspiel im
Internet“ lautet der Name des 9. Teils. Neben der Historie und Werbung ist
besonders das Strafrecht relevant.
Der 10. Teil
steht unter der Überschrift „Mobile Commerce“. Es werden die Chancen, Risiken
und rechtliche Bedenken geäußert, welche von den mobilen Geräten ausgehen.
Darüber hinaus ist auch das Marketing ein Bestandteil dieses Teils. Im 11. Teil
„App Commerce“ wird die Entwicklung dieser “Apps”, also Anwendungen,
dargestellt. Auch das Thema Compliance wird aufgegriffen. Der 12. Teil trägt
den Titel „Finanzdienstleistungen im Internet“. Neben den Rahmenbedingungen
werden auch ausgewählte Beispiele wie das Online-Banking erläutert. „E-Payment
und Mobile Payment“ heißt der 13. Teil. Thematisiert werden Zahlungsformen im
Internet. Dabei wird auch auf außergewöhnliche Zahlungsformen wie die IKEA Family
Bezahlkarte eingegangen. Es existieren sehr viele Abbildungen bei den
unterschiedlichen Bezahlsystemen, welche dem Leser das Verständnis erleichtern.
Selbst die kontaktlosen Bezahlmöglichkeiten finden Erwähnung. Der 14. und somit
letzte Teil des Werkes heißt „E-Commerce und das Internet der Dinge“. Er
beschäftigt sich mit intelligenten und vernetzten Gegenständen. Daher ist es
nicht verwunderlich, wenn der Datenschutz in diesem Bereich sehr wichtig ist.
E-Commerce ist
ein Querschnittsbereich, welcher viele Rechtsgebiete wie z.B. das Verbraucher-
oder Datenschutzrecht anschneidet. Dabei existiert keine klassische Anordnung
nach Rechtsbereichen, sondern nach praktischen Erscheinungsformen. Das
Themengebiet ist äußerst groß und sehr vielschichtig und zeichnet sich durch
die größte Dynamik aus. Zum besseren Verständnis werden moderne Beispiele und
Phänomene gezeigt (z.B. S. 18: „Showrooming“; S. 36: „Crowd Sourcing“; S. 274:
„Facebook Like-Buttons“).
Das Werk steht
unter dem Motto „aus der Praxis für die Praxis“ und richtet sich in erster
Linie an Praktiker wie z.B. Geschäftsführer, Manager, Unternehmensjuristen und
Rechtsanwälte. Das Werk eignet sich sowohl für den B2B- als auch für den
B2C-Markt. Die Abgrenzung wird häufig bereits aus den Überschriften deutlich
(z.B. S. 132). Die Praxisbezogenheit zeigt sich auch dadurch, dass z.B.
Anbieter von Miet- bzw. Kauf-Shop-Lösungen (inkl. Kosten)
dargestellt/aufgelistet werden (S. 100 f.). Des Weiteren wird geschildert, wie
ein Impressum aussehen sollte (S. 104). Immer wieder finden sich „Empfehlungen
für die Praxis“ (z.B. S. 281). Beispiele aus der Praxis helfen dem Leser beim
Verständnis (z.B. S. 433: Preisparitätsklausel im Fall Amazon Marketplace; S.
445 ff.: weitere Beispiele). Gelegentlich veranschaulichen Abbildungen das
Gesagte (z.B. S. 481, 939). Gelungen ist ebenfalls der Rückgriff auf
signifikante Daten, welche die Aussagen unterstreichen (z.B. S. 17 zu Mobile
Commerce). Besonders gelungen ist, dass die 2018 rechtlich anwendbar werdende
Datenschutz-Grundverordnung (DS-GVO) bereits immer wieder thematisiert wird
(z.B. S. 222 f., 282, 287), sodass sich der Leser auf die kommenden
Gegebenheiten einstellen kann.
Obwohl das Werk
mit dem Zusatz „Rechtshandbuch“ versehen ist, werden nicht nur rechtliche Aspekte
beleuchtet, sondern u.a. betriebswirtschaftliche und technische Elemente.
Demnach sind die Informationen sehr umfangreich und vielschichtig. Der Leser
erhält einen hervorragenden Einblick in sämtliche Aspekte der Thematik.
Zusätzlich zum
detaillierten Inhaltsverzeichnis ist auch eine grobe Inhaltsübersicht
vorhanden. Jedes Unterkapitel hat wiederum eine eigene Übersicht mit Verweis
auf die Randnummern. Das Bearbeiterverzeichnis ist sowohl nach Kapiteln als
auch nach Autoren in alphabetischer Reihenfolge geordnet. Der jeweilige Autor
ist bei Betrachtung der Fußzeile ersichtlich. Ein Literaturverzeichnis
existiert zwar nicht; dafür listet jeder Teil die verwendete Literatur
eigenständig auf. Sowohl das Sach- als auch das Abkürzungsverzeichnis sind sehr
umfangreich und unterstützen den Leser beim Verständnis bzw. Dem gezielten
Aufsuchen.
Zahlreiche
Fußnoten zeigen dem Leser die Quelle der Information. Soweit vorhanden werden
die dort gelisteten Urteile auch mit ihrem Namen bezeichnet, damit der Leser
direkt weiß, um welches Urteil es sich handelt. Durch diese Stichwörter bleibt
es länger im Gedächtnis.
Im Text
befinden sich Verweise auf andere Fundstellen innerhalb des Werkes. Die
Kopfzeile gibt sowohl den Teil und dessen Namen als auch das Kapitel an. So findet
sich der Leser gut zurecht. Mit Hilfe der Randnummern finden sehr präzise
Verweisungen statt (z.B. im Sachverzeichnis oder in der Kapitelübersicht).
Besonders
wichtige Wörter werden durch Fettdruck hervorgehoben. Weitere relevante
Informationen befinden sich in einem grau hinterlegten Kasten. So sieht der
Leser bereits auf einen Blick, was wirklich wichtig ist.
Die Sprache ist
sehr gut verständlich. Hilfreich ist jedoch, wenn der Leser die englische
Sprache beherrscht, da besonders viele Fachbegriffe in dieser Sprache
auftauchen und gelegentlich nicht weiter erklärt werden (z.B. S. 9: „Barcode
Scanner“). Hier wird die Bekanntheit vorausgesetzt.
Fazit: Im
vorliegenden Werk werden beinah unfassbar viele Informationen zu
unterschiedlichen Kategorien wie Recht, Betriebswirtschaft und Technik
untergebracht. Die Themengebiete sind gut ausgewählt, interessant, hochaktuell
und gut recherchiert. Sogar Nischenbereiche werden ausführlich behandelt. Das
Werk richtet sich an die Praxis und ist sowohl für den B2B- als auch für den
B2C-Bereich geeignet. Die Erstellung des Werkes hat sich demnach definitiv
gelohnt. Es kann ohne Bedenken weiterempfohlen werden.