Donnerstag, 3. Juli 2014

Rezension Zivilrecht: Vermögensauseinandersetzung der Ehegatten

Wever, Vermögensauseinandersetzung der Ehegatten außerhalb des Güterrechts, 6. Auflage, Gieseking 2014

Von RiAG Dr. Torsten Obermann, Münster/Lüdinghausen


Das Buch erscheint in der FamRZ-Schriftenreihe nunmehr bereits in der 6. Ausgabe. Der Autor, Vizepräsident des OLG Bremen, handelt auf über 500 Seiten darin umfassend und aktuell vermögensrechtliche Ausgleichsansprüche im Familienrecht ab.

Bereits der Blick auf das Inhaltsverzeichnis zeigt, dass der etwas sperrige Buchtitel Inhalt und Bedeutung des Werkes nur unzulänglich wiedergibt. Das Buch ist gerade für die Vorbereitung der güterrechtlichen Auseinandersetzung im nach wie vor statistisch häufigsten Fall der in Zugewinngemeinschaft lebenden Ehegatten von herausragender Bedeutung, da viele der aufgeworfenen Fragen dem Zugewinnausgleich vorgelagert sind, z.B. die Aufteilung von gemeinsamen Schulden oder Schadensersatzansprüche der Ehegatten untereinander. Außerdem wird nicht nur die Auseinandersetzung zwischen Ehegatten dargestellt. Ansprüche im Verhältnis zu den Schwiegereltern werden umfassend erörtert, die Auseinandersetzung zwischen Partnern einer eingetragenen Lebensgemeinschaft hat sogar ein eigenes Kapitel erhalten.

Neben den häufig zu klärenden Fragen nach der Auseinandersetzung von Miteigentum, Gesamtschuldverhältnissen, der Rückabwicklung von Zuwendungen (auch in Form von Ehegattenmitarbeit) und der Aufteilung von Konten etc., werden auch Steuerfragen, Schadensersatzansprüche, der familienrechtliche Ausgleichsanspruch und z.B. Fragen der übernommenen Haftung für Schulden des anderen Ehegatten in eigenen Kapiteln erörtert. Schließlich wird auch die komplizierte Materie der Auseinandersetzung von Ehegattengesellschaften übersichtlich dargestellt.

Ausgehend vom aktuellen Stand der Rechtsprechung werden die Fragestellungen kompakt und übersichtlich aufgearbeitet, wobei durchaus auch auf Kritik aus der Literatur und abweichende Tendenzen eingegangen wird. Besonders wertvoll ist der Blick über den Tellerrand: Auswirkungen der jeweils besprochenen Problematik auf Unterhalts- und Zugewinnausgleichsansprüche werden am Ende der Kapitel übersichtlich dargestellt.

Inhaltsübersicht, ausführliches Inhaltsverzeichnis, umfassendes Register  und die Gliederung nach Randziffern ermöglichen einen schnellen und gezielten Zugriff. Der klare Aufbau (z.B. nach der jeweiligen Inhaberschaft bei der Auseinandersetzung von Konten) und die schnörkellose aber lebendige Sprache erleichtern das Verständnis. Durch den umfassenden Fußnotenapparat fällt es zudem leicht, auf die aktuelle einschlägige Rechtsprechung zuzugreifen. Für den Praktiker sind schließlich die Beispiele aus der Rechtsprechung und die Checklisten auch zu weniger bekannten Ansprüchen eine große Arbeitserleichterung.

Fazit: Wer das Buch noch nicht aus den Vorauflagen kennt, sollte sich von dem Titel nicht abschrecken lassen! Aufgrund der kompakten Darstellung eines umfassenden und praktisch relevanten Bereichs des Familienrechts stellt sich das Werk als eine wertvolle Arbeitshilfe für Anwälte und Richter dar.