Mittwoch, 12. Dezember 2018

Rezension: Beck'sches Formularbuch Mergers & Acquisitions

Seibt, Beck’sches Formularbuch, Mergers & Acquisitions, 3. Auflage, C.H. Beck 2018

Von Rechtsreferendar am Oberlandesgericht Frankfurt am Main, Konstantin Georg Manus, LL. M. (Stellenbosch), Frankfurt a.M.


Der Herausgeber des Beck’schen Formularbuch zum Themenkomplex Mergers & Acquisitions, Christoph H. Seibt, gehört nach vielfach vertretener Ansicht zu den achtbarsten Wirtschaftsanwälten Deutschlands. Er wird regelmäßig für seine unternehmerisch-kreativen Lösungen gelobt. Diese Kreativität ist zwingend erforderlich, um die strategische Unternehmenswicklung im Interesse der betroffenen Parteien bestmöglich zu gestalten. Mit dem Beck’schen Formularbuch soll dem Praktiker eine Hilfestellung geboten werden, exakt dieses Ziel zu erreichen.

Die Erstauflage des Werkes wurde kurz vor der 2008 in Erscheinung getretenen Finanzkrise veröffentlicht. Zum damaligen Zeitpunkt handelte es sich bei dem Werk um das erste Handbuch zu Mergers & Acquisitions, welches bereits zahlreiche Dokumentvorlagen beinhaltete. Der Herausgeber und das Autorenteam beabsichtigten zunächst die Anregung eines wissenschaftlichen Diskurses im Bereich Mergers & Acquisitions. Nunmehr sind 10 Jahre vergangen und laut eines Reports des Medienunternehmens Mergermarket liegt das M&A Transaktionsvolumen (mit deutscher Beteiligung) im Jahr 2017 bei EUR 115,7 Mrd., bei 923 Transaktionen, darunter 17 mit einen Transaktionswert von über EUR 1 Mrd. . Die wissenschaftliche Diskussion ist in vollem Gange und die Relevanz von vermutlichen Nebenschauplätzen, wie Kartell-, Kapitalmarkt-, Investitionskontrollrecht, sowie Branchenregulierung hat immens zugenommen.

Die 25 Autoren, die allesamt in einschlägig tätigen Kanzleien und Notariaten tätig sind, bringen ihren reichen Erfahrungsschatz in die Neuauflage des Formularbuchs ein, um den rasanten Neuentwicklungen Rechnung zu tragen. Insbesondere wurde die Anzahl der Einzeldokumente um weitere 28 auf inzwischen 283 erhöht. Hier ist ausdrücklich auf das Kapitel B.VII (S. 140 ff.) hinzuweisen, das sich mit dem Einsatz von LegalTech bei M&A Transaktionen befasst. Die Benutzung von Digitalisierungstechnologien gewinnt in jüngster Vergangenheit rasant an Bedeutung. Hierbei handelt es sich gegenwärtig „noch“ um wenig komplexe Arbeiten im M&A Prozess. Nichtsdestotrotz tragen die Autoren dieser Entwicklung auf zehn Seiten Rechnung und ermöglichen durch zahlreiche rechtliche Anmerkungen die rasche Entwicklung erfolgsträchtiger und robuster Lösungen, um sich dieser Problematik speziell im Rahmen der Due Diligence zu widmen. Dies zieht sich lückenlos durch das gesamte Werk. Einleitend (A.) werden Checklisten für die Wahl der korrekten Transaktionsstruktur angeboten. Im Anschluss (B.) folgen Ausführungen zu vorbereitenden Begleitdokumenten, wie Non Disclosure Agreement, Process Letter und Letter of Intent. Die nächsten beiden Kapitel (C. und D.) decken die vertragliche Gestaltung bei Share- und Asset Deal ab. Hierbei wird klassischerweise zwischen den verschiedenen Gesellschaftsformen unterschieden. Zudem werden Themen wie der Beteiligungs-, und Unternehmenserwerb im Wege der Kapitalerhöhung (F.) oder Privatisierungsverfahren (H.) erarbeitet. Ferner bietet die Neuauflage Ergänzungen und Vertiefungen zu sektorspezifischen Fragestellungen (I. und J.), wie beispielsweise IT, Chemieindustrie, Energiewirtschaft, Automotive und Kartellrecht, um dem Leser auch im Einzelfall zur Hand zur gehen. Hierbei wird in der erforderlichen Kürze sowohl auf zivilrechtliche, als auch öffentlich rechtliche Besonderheiten Bezug genommen (vgl. I.VII S. 1638 f.). Final gehen die Autoren auf Post-akquisitorische Maßnahmen, wie Cash Pooling Agreement oder Squeeze-Out (neben Umwandlungen) ein (L.).

Die Formulierungsvorschläge erübrigen selbstverständlich nicht die eigenständige Erarbeitung des jeweiligen Vertrages. Nichtdestotrotz überzeugen die Formulierungen durch ihre gedankliche Stringenz, Praxisnähe und sprachliche Geschliffenheit. Der Leser wird spürbar mit der Tatsache konfrontiert, dass die Muster bereits diskutiert, erprobt und für sehr gut befunden wurden. Das Werk kommt durchweg ohne Fußnoten aus. Dies liegt darin begründet, dass es sich hierbei um kein Lehrbuch handelt, sondern vielmehr um ein werthaltiges Werkzeug für Praktiker, dass in den richtigen Händen massiv hilfreich sein kann. Dennoch beinhaltet das Werk ein Sachverzeichnis von 56 Seiten, um einer vertieften Recherche Tür und Tor zu öffnen.

Gegenüber anderen Werken im Bereich M&A bietet das Formularbuch einen umfassenderen und detaillierteren Wissenspool. Hierbei wird das Ziel verfolgt, für ein breites Feld von strategischen Unternehmensentwicklungen, eine Sammlung von Checklisten und Vorlagen für den anwaltlichen Berater, den Unternehmensjuristen und andere M&A Prozessbeteiligte, bereitzustellen. Diese Geste der Autoren ist als Anregung und Stütze für den Entwurf des eigenen Vertrages zu verstehen. Es wird klargestellt, dass jede strategische Unternehmensentwicklung eine Anpassung an die jeweilige wirtschaftliche Lage der Parteien, sowie deren Interessen erfordert.

Final bleibt daher festzuhalten, dass es sich bei dem Beck’schen Formularbuch Mergers & Acquisitions um ein imposantes Werk handelt, das im Gebiet der Umstrukturierung und Übertragung von Unternehmen oder Unternehmensteilen seinesgleichen sucht. Demnach vertritt der Rezensent die Auffassung, dass das Werk zur Standardausrüstung eines jeden bei M&A Transaktionen tätigen Juristen gehören sollte.