Dienstag, 4. Dezember 2018

Rezension: BGB


Jauernig, BGB Kommentar, 17. Auflage, C.H. Beck 2018

Von Dipl.-Jur. Julius Remmers, Edinburgh


In neuer Auflage ist in diesem Jahr der neue Jauernig BGB-Kommentar im C.H. Beck Verlag erschienen. Die neue Auflage hat deutlich mehr Seiten, da – neben anderen Faktoren – neue Vorschriften in den Gesetzeskommentar mitaufgenommen wurden. Und doch wird das vorliegende Werk dem inoffiziellen Zusatz „Kurzkommentar“ gerecht und ist keineswegs überfüllt. Wie die Verfasser in ihrem Vorwort zur 17. Auflage mitteilen, erfährt die neue Auflage einige Änderungen und Vereinheitlichungen der Zitierweise aufgrund der Anpassung an die Onlineversion in der Beck-Datenbank. Inhaltlich ist hauptsächlich die Reform des Bauvertragsrechts mit Änderungen im Kauf- und Werkvertragsrecht und den Folgewirkungen auf die AGB und auf das Verbraucherschutzrecht berücksichtigt. Zudem sind unter anderem das neue Finanzaufsichtsrechtergänzungsgesetz und das Gesetz zur Förderung der Entgelttransparenz zwischen Frauen und Männern sowie das reformierte Reisevertragsrecht in der neuen Auflage miteinbezogen.

Die Kommentierung zum neuen Reisevertragsrecht (ab § 651a n.F.) finden sich direkt hinter der Kommentierung zum alten Reisevertragsrecht (ab § 651a a.F.). Das heißt, dass die Autoren die Kommentierung zur alten Fassung nicht aus dem Kommentar genommen haben, sondern die Kommentierung zur neuen Fassung einfach hinter die veralteten Normen verordnet haben. So ist dem Leser möglich, gut nachzuvollziehen, inwiefern sich die neuen Normen von dem alten Reisevertragsrecht unterscheiden, weil er die Kommentierungen und Normen einfach vergleichen kann. Die Kommentierungen zur neuen Fassung gehen auch darauf ein, inwiefern sich das Gesetz geändert hat (z.B. S. 1198).

Besondern positiv hervorzuheben ist, dass im Jauernig zentrale EU-Verordnungen des Internationalen Privatrechts (IPR) hinten abgedruckt sind (ab S. 2545). Dies ist insbesondere in der Praxis relevant, da im Zuge der Globalisierung immer mehr grenzübergreifende Fälle vorkommen. Zwar sind die EU-Verordnungen im Einzelnen nicht kommentiert, jedoch sind diesen jeweils Vorbemerkungen vorangestellt. Beispielsweise ist die Vorbemerkung der EU-Verordnung Rom I (S. 2545 ff.) sehr verständlich ausgeführt und gibt für Neulinge einen sehr guten Einstieg in das IPR. Wie im gesamten Kommentar sind auch hier die wesentlichen Begriffe fett markiert, was einerseits den richtigen Fokus setzt und andererseits das Suchen bestimmter Begriffe vereinfacht (z.B. „Trennungsprinzip“ in Rn. 10, „Rechtswahl“ in Rn. 14, „Formenlehre“ in Rn. 48).

Weiterhin fällt die gute Schwerpunktsetzung im vorliegenden Kommentar auf, da relevante Paragraphen wie der allgemeine Schadensersatzanspruch gem. § 280 BGB (S. 347-362) viel intensiver kommentiert sind, als weniger relevante Paragraphen wie die Schadensersatzpflicht der Liquidatoren (S. 27 Rn. 1-5). Durch diese richtige Schwerpunktsetzung sind einerseits viele wichtige Kommentierungen zu den Vorschriften im Kommentar enthalten und andererseits kann der Kommentar seine kompakte Form beibehalten.

Über dies hinaus sind die Einleitungen sehr hilfreich (z.B. Vorbemerkung zum Recht der Schuldverhältnisse auf S. 201, Vorbemerkung zum Sachenrecht auf S. 1605, Einführung zum Familienrecht auf S. 1875, Vorbemerkung zum Erbrecht auf S. 2225). Diese geben eine gute Einführung in die fortlaufenden Paragraphen und sind für diejenigen besonders gut geeignet, die den Jauernig als Lernmittel benutzen (z.B. zum Lernen des Sachen- oder Erbrechts).

Der Jauernig Kurzkommentar ist in seiner neuen Auflage wieder einmal ausgezeichnet. Die angenehme Kommentierungsweise macht es dem Leser leicht, den Inhalt problemlos zu lesen und sich im „Paragraphendschungel“ gut zurechtzufinden. Ein Vergleich zum Palandt oder zu MüKo-Reihe zeigt zwar, dass der Jauernig aufgrund seines – im Vergleich zu anderen BGB-Kommentaren – eher schlanken Formats weniger Informationen zu den Normen beinhaltet. Jedoch hat der Jauernig eine ganz andere Schwerpunktsetzung und reiht sich durch seine Prägnanz in die Reihe von BGB-Kurzkommentaren gut ein. Der Jauernig Kurzkommentar ist vergleichsweise erschwinglich und ist von daher insbesondere für Studenten eine gute Option, sich einen eigenen BGB-Kommentar anzuschaffen.