Von
Ass. iur. Mandy Hrube, LL.M. (Stellenbosch), Hamburg
Das Buch von Grüneberg enthält in der mittlerweile 15. Auflage über 5000
übersichtlich zusammengestellte Entscheidungen zur Haftungsabwägung bei
Verkehrsunfällen nach den §§ 9, 17 StVG, § 13 HPflG und § 254 BGB. Für die
Neuauflage wurden über 130 neue Gerichtsentscheidungen eingearbeitet, die bis
zum 1.9.2017 veröffentlicht worden sind. Zudem wurden die Vorbemerkungen zu den
einzelnen Kapiteln – die über Grundsätzliches und neue Tendenzen der
Rechtsprechung bei den jeweiligen Fallkonstellationen informieren – durchgehend
aktualisiert. Auf höchstrichterlicher Ebene erging seit der Vorauflage
allerdings nur eine einzige Entscheidung. Diese fasst jedoch die für einen
Auffahrunfall wichtigen Grundsätze zusammen, unter welchen Umständen das
Kerngeschehen „Auffahrunfall“ als Grundlage für einen Anscheinsbeweis für ein
Verschulden des auffahrenden Verkehrsteilnehmers ausreicht (BGH, Urt. v.
13.12.2016, Az. VI ZR 32/16, S. 157 f.) Natürlich finden sich auch weiterhin
die klassischen Unfallgeschehen, wie Unfälle zwischen Kraftfahrzeugen und
Fußgängern (S. 465 ff.) und Unfälle beim Linksüberholen (S. 204 ff.), in diesem
Werk.
Um möglichst effektiv mit dem Buch zu
arbeiten, sollte zunächst die Einleitung (XXV - XXVIII) gelesen werden, denn dem
Grüneberg liegt ein differenziertes
Gliederungssystem zugrunde, welches mit der richtigen Handhabe einen schnellen
Überblick über die Rechtsprechung zu einer bestimmten Unfallsituation
ermöglicht. Bearbeitet man z.B. einen Unfall, der sich zwischen einem
Kraftfahrzeug und einem Radfahrer ereignet hat und bei dem der Radfahrer die
Vorfahrt hatte, so lässt sich dem Inhaltsverzeichnis schnell entnehmen, dass
man zu diesem Fallgeschehen auf den S. 425 ff. fündig wird. Um ein solch
schnelles Auffinden, das wertvolle Zeit spart, zu ermöglichen, unterscheidet
das Buch zunächst nach der Art der Verkehrsmittel und der beteiligten
Verkehrsteilnehmer (Kraftfahrzeug, Schienenbahn, Fuhrwerk, Radfahrer,
Fußgänger, Tier). Anschließend orientiert es sich am typischen äußeren
Erscheinungsbild der Verkehrssituation (Bewegungsrichtung, Unfallort, Fehlverhalten,
Sichtverhältnisse). In den einzelnen Kapiteln sind die Entscheidungen nach dem
Instanzenzug (BGH, KG bzw. OLG, LG, AG), sodann alphabetisch (z.B. OLG Hamburg
vor OLG Köln) und schließlich nach dem Datum der Entscheidung, beginnend mit
der jeweils jüngsten Entscheidung, geordnet. Inhaltlich wird der Sachverhalt
der zugrundeliegenden Entscheidung knapp mit den vom Gericht geurteilten Quoten
dargestellt. Das Werk schließt mit einem umfassenden Sachverzeichnis ab.
Fazit: Der Grüneberg stellt eine wertvolle Arbeitshilfe für den
Verkehrsrechtler dar. Das Buch ist systematisch und übersichtlich geordnet und
führt den Benutzer schrittweise zu den für ihn einschlägigen Entscheidungen, mit
deren Hilfe sodann gezielt der eigene Fall ausgewertet und die Haftungsquote
nach einem Verkehrsunfall begründet werden kann. Auch Neulingen im
Verkehrsrecht gelingt mit diesem Werk ein schneller Einstieg in die Materie, da
es rasch Informationen über die Rechtslage und alle typischen
entscheidungserheblichen Kriterien liefert, die bei der Festlegung der
Haftungsquote zu beachten sind. Die Anschaffung dieses Buchs kann daher nur
empfohlen werden.