Von Stud. iur. Lara Ruckh, Münster
Axel Kokemoor
ist ein deutscher Rechtswissenschaftler, Hochschullehrer an der Hochschule
Fulda und Autor zahlreicher juristischer Lehrbücher. Kokemoors Forschungsschwerpunkte liegen im Arbeits- und Sozialrecht
sowie im Bankenrecht und Kreditwesen. Sein Lehrbuch zum Sozialrecht erscheint
nun schon in der 8. Auflage und berücksichtigt in der Neuauflage alle
wesentlichen Neuerungen im Sozialrecht, beispielsweise das 6. SGB
IV-Änderungsgesetz vom 11.11.2016 sowie das Flexirentengesetz vom 08.12.2016.
Inhaltlich
beginnt das Werk mit einer Einführung in das Sozialrecht und stellt die gemeinsamen
Vorschriften für das gesamte Sozialrecht dar. Der Leser wird somit zunächst in
den Allgemeinen Teil des SGB I eingeführt. Diesen Aufbau finde ich sehr
gelungen, denn insbesondere wird einem dadurch das Klammerprinzip des Gesetzes
(Ähnlich dem Bürgerlichen Gesetzbuch) deutlich und man weiß später in den
einzelnen Rechtsgebieten genau, wie und wo man auf den allgemeinen Teil
zurückgreifen kann. Danach wird in das Sozialverwaltungsverfahren und den
Sozialdatenschutz in SGB X eingeführt. Anschließend werden die gemeinsamen
Vorschriften der Sozialversicherung und der Arbeitsförderung erläutert. Erst
dann geht es in die konkreten Rechtsgebiete und somit über die gesetzliche
Krankenversicherung zur sozialen Pflegeversicherung, zur gesetzlichen Unfall-
und Rentenversicherung und schließlich in die Arbeitsförderung bzw. Arbeitslosenversicherung.
Als letzte Kapitel werden noch steuerfinanzierte Sozialleistungen und der
Rechtsschutz im Sozialrecht erläutert.
Das Lehrbuch richtet sich an Studenten
und Studentinnen der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften sowie der sozialen
Arbeit. Ich habe es für die Vorlesung „Sozialrecht“ aus meinem
rechtswissenschaftlichen Schwerpunkt „Arbeit & Soziales“ durchgearbeitet.
Dabei ging der Stoff zwar über die für mich klausurrelevanten Themen hinaus,
das Werk wurde aber trotzdem explizit von meiner Professorin empfohlen. Im
Vergleich zu den meisten anderen Lehrbüchern im Sozialrecht ist Kokemoors Werk nämlich noch knapp
gehalten und somit für Studierende bestens geeignet.
Als positiv hervorheben möchte ich den
Schreibstil des Autors: Als Leser fühlt man sich „an die Hand genommen“, wenn
der Autor einen systematisch an die Lösung zu einer Aufgabenstellung
heranführt. So wird man mehr als einmal dazu aufgefordert, das Gesetz zur Hand
zu nehmen und zunächst in das Inhaltsverzeichnis zu schauen. So bekommt man
selbst ein Gefühl dafür, wo man die relevanten Vorschriften in der Klausur
findet. Ein solches Vorgehen finde ich immer sehr gut, da man ansonsten beim
Durchgehen eines Lehrbuchs oft zum bloßen Abschreiben neigt. Kokemoor erinnert einen aber regelmäßig
daran, auch am Gesetz zu arbeiten, teilweise sogar durch explizite Anweisungen
wie „Unterstreichen!“. Die Stoffvermittlung nach dem Prinzip „Lernen im Dialog“
klappt wirklich prima.
Weiterhin haben mir die regelmäßigen
Zwischenfragen zur Wissensüberprüfung sowie die knapp gehaltenen Übersichten
gut gefallen. Insbesondere am Ende eines jeden Kapitels findet der Leser eine
Übersicht im Umfang von ca. einer Seite, in der das Gröbste aus dem vorgehenden
Kapitel zusammengefasst ist. Diese Darstellungen sind optimal geeignet, um sie
auf Karteikarten zu übertragen und anhand dessen den Inhalt auswendig
wiederzugeben.
Einziger Kritikpunkt ist für mich ein
wenig die Optik des Lehrbuches: Nur selten wird etwas wirklich deutlich
hervorgehoben, insb. die Zwischenfragen und Schlagwörter könnten optisch mehr
hervortreten. Außerdem gibt es leider nicht eine komplett gutachterlich
ausformulierte Falllösung, wie man sie zur Hilfestellung für die Klausur gut
gebrauchen könnte.
Nichtsdestotrotz halte ich Kokemoors Werk zum Sozialrecht für
äußerst gelungen. Insbesondere vom lebendigen Stil, der durch die vielen
Zwischenfragen erreicht wird, könnte sich so mancher Lehrbuch-Autor gerne etwas
abschauen. Klare Empfehlung!