Dienstag, 11. Dezember 2018

Rezension: Sozialrecht

Kokemoor, Sozialrecht, 8. Auflage, Vahlen 2018

Von Stud. iur. Lara Ruckh, Münster


Axel Kokemoor ist ein deutscher Rechtswissenschaftler, Hochschullehrer an der Hochschule Fulda und Autor zahlreicher juristischer Lehrbücher. Kokemoors Forschungsschwerpunkte liegen im Arbeits- und Sozialrecht sowie im Bankenrecht und Kreditwesen. Sein Lehrbuch zum Sozialrecht erscheint nun schon in der 8. Auflage und berücksichtigt in der Neuauflage alle wesentlichen Neuerungen im Sozialrecht, beispielsweise das 6. SGB IV-Änderungsgesetz vom 11.11.2016 sowie das Flexirentengesetz vom 08.12.2016.

Inhaltlich beginnt das Werk mit einer Einführung in das Sozialrecht und stellt die gemeinsamen Vorschriften für das gesamte Sozialrecht dar. Der Leser wird somit zunächst in den Allgemeinen Teil des SGB I eingeführt. Diesen Aufbau finde ich sehr gelungen, denn insbesondere wird einem dadurch das Klammerprinzip des Gesetzes (Ähnlich dem Bürgerlichen Gesetzbuch) deutlich und man weiß später in den einzelnen Rechtsgebieten genau, wie und wo man auf den allgemeinen Teil zurückgreifen kann. Danach wird in das Sozialverwaltungsverfahren und den Sozialdatenschutz in SGB X eingeführt. Anschließend werden die gemeinsamen Vorschriften der Sozialversicherung und der Arbeitsförderung erläutert. Erst dann geht es in die konkreten Rechtsgebiete und somit über die gesetzliche Krankenversicherung zur sozialen Pflegeversicherung, zur gesetzlichen Unfall- und Rentenversicherung und schließlich in die Arbeitsförderung bzw. Arbeitslosenversicherung. Als letzte Kapitel werden noch steuerfinanzierte Sozialleistungen und der Rechtsschutz im Sozialrecht erläutert.

Das Lehrbuch richtet sich an Studenten und Studentinnen der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften sowie der sozialen Arbeit. Ich habe es für die Vorlesung „Sozialrecht“ aus meinem rechtswissenschaftlichen Schwerpunkt „Arbeit & Soziales“ durchgearbeitet. Dabei ging der Stoff zwar über die für mich klausurrelevanten Themen hinaus, das Werk wurde aber trotzdem explizit von meiner Professorin empfohlen. Im Vergleich zu den meisten anderen Lehrbüchern im Sozialrecht ist Kokemoors Werk nämlich noch knapp gehalten und somit für Studierende bestens geeignet.

Als positiv hervorheben möchte ich den Schreibstil des Autors: Als Leser fühlt man sich „an die Hand genommen“, wenn der Autor einen systematisch an die Lösung zu einer Aufgabenstellung heranführt. So wird man mehr als einmal dazu aufgefordert, das Gesetz zur Hand zu nehmen und zunächst in das Inhaltsverzeichnis zu schauen. So bekommt man selbst ein Gefühl dafür, wo man die relevanten Vorschriften in der Klausur findet. Ein solches Vorgehen finde ich immer sehr gut, da man ansonsten beim Durchgehen eines Lehrbuchs oft zum bloßen Abschreiben neigt. Kokemoor erinnert einen aber regelmäßig daran, auch am Gesetz zu arbeiten, teilweise sogar durch explizite Anweisungen wie „Unterstreichen!“. Die Stoffvermittlung nach dem Prinzip „Lernen im Dialog“ klappt wirklich prima.

Weiterhin haben mir die regelmäßigen Zwischenfragen zur Wissensüberprüfung sowie die knapp gehaltenen Übersichten gut gefallen. Insbesondere am Ende eines jeden Kapitels findet der Leser eine Übersicht im Umfang von ca. einer Seite, in der das Gröbste aus dem vorgehenden Kapitel zusammengefasst ist. Diese Darstellungen sind optimal geeignet, um sie auf Karteikarten zu übertragen und anhand dessen den Inhalt auswendig wiederzugeben.

Einziger Kritikpunkt ist für mich ein wenig die Optik des Lehrbuches: Nur selten wird etwas wirklich deutlich hervorgehoben, insb. die Zwischenfragen und Schlagwörter könnten optisch mehr hervortreten. Außerdem gibt es leider nicht eine komplett gutachterlich ausformulierte Falllösung, wie man sie zur Hilfestellung für die Klausur gut gebrauchen könnte.

Nichtsdestotrotz halte ich Kokemoors Werk zum Sozialrecht für äußerst gelungen. Insbesondere vom lebendigen Stil, der durch die vielen Zwischenfragen erreicht wird, könnte sich so mancher Lehrbuch-Autor gerne etwas abschauen. Klare Empfehlung!