Samstag, 29. Dezember 2018

Rezension: Die 100 typischen Mandate im Familienrecht

Kottke / Zahran, Die 100 typischen Mandate im Familienrecht, 6. Auflage, Deubner 2018

Von RAG Dr. Diana Franz, Landstuhl


Die Bearbeitung familienrechtlicher Fragestellungen gehört zum Tagesgeschäft vieler Kanzleien. Der unzweifelhaft hohen praktischen Relevanz steht die nur recht geringe Bedeutung des Familienrechts im Rahmen der juristischen Ausbildung entgegen. Wird dann noch berücksichtigt, dass das Familienrecht per se schon kein überschaubares Rechtsgebiet ist und diverse Bezugspunkte, namentlich zum Steuer- und Erbrecht, aufweist, tut guter Rat für eine ökonomische, zugleich aber korrekte Fallbearbeitung oft Not.

Das Handbuch führt den/die Leser/-in in überraschend leichtem Ton gut verständlich und lesbar durch die einzelnen Stufen der Bearbeitung familienrechtlicher Mandate in allen relevanten Teilbereichen des Familienrechts. Angefangen von Hilfestellungen beim telefonischen Erstkontakt bis hin zu den – haftungsrechtlich relevanten – Hinweisen bei Abschluss des Mandates unterstützt das Werk den im Familienrecht tätigen Rechtsanwalt und holt dabei auch noch nicht so versierte  Kollegen/-innen ab.

Mir hat schon das erste Kapitel, in dem es um organisatorische Fragen, wie das Führen einer familienrechtlichen Akte, die Erstellung eines zweckmäßigen Mandantenfragebogens aber auch die Schulung des Kanzleipersonals geht, sehr gut gefallen, da das Buch damit meines Erachtens ein praktisches Bedürfnis befriedigt. Die Vielzahl der Beteiligten und die teils hohe Emotionalität im Familienrecht stellt besondere Anforderungen an Organisation und Schulung des Kanzleipersonals. Man merkt dem ganzen Werk an, dass hier erfahrene Praktiker schreiben.

Neben einer verständlichen Erläuterung der einschlägigen rechtlichen Grundlagen erklärt das Buch – stets in der gleichen Reihenfolge - anhand von ganz typischen Mandatskonstellationen, wie diese Fälle sinnvoll und sicher bearbeitet werden können. Nach einer kurzen Darstellung des Sachverhaltes folgt jeweils eine Checkliste der zu klärenden Fragen, dann unter dem Stichwort „Lösung“ die rechtliche Bewertung, es wird dann in verfahrensrechtlicher Hinsicht erklärt, wie vorzugehen ist, und abgeschlossen wird der jeweilige Beispielsfall mit einem Muster, das so auch auf der zum Werk gehörigen CD-Rom nebst weiteren Arbeitshilfen zur Verfügung gestellt wird.

Das Werk führt dabei durch alle relevanten Teilbereiche des Familienrechts, namentlich den Kreis Trennung und Ehescheidung, der Umgang mit Eheverträgen, das Unterhaltsrecht, die elterliche Sorge, den Umgang, den Versorgungs- und Zugewinnausgleich. Erfreulich ist, dass daneben aber auch weitere praktisch relevante Themenkreise erläutert werden. Zu nennen wäre insoweit z.B. die oft bedeutsame Frage, wie eigentlich mit Kontoverfügungen umzugehen ist, oder auch der Regelungskreis Eigenheim, das ja oft auch das Hauptvermögen der Beteiligten darstellt.

Schließlich gibt das Buch im Kapitel „typische Mandantenfragen in der familienrechtlichen Beratung“ noch verständliche Antwortvorschläge mit weiterführenden Hinweisen.

Insgesamt meine ich, dass das Buch gerade für den/die Anwalt/Anwältin, der/die nicht jeden Tag nur im Familienrecht tätig ist, wirklich zu empfehlen ist und hilft, die Interessen der Mandantschaft gut und haftungssicher zu vertreten.