Montag, 3. Dezember 2018

Rezension: Familienrecht

Dethloff, Familienrecht – Ein Studienbuch, 32. Auflage, C.H. Beck 2018

Von ref. iur. Kim-Naike Sander, Kaiserslautern


Das Familienrecht wird besonders stark vom gesellschaftlichen Wandel beeinflusst. Außerdem werden immer mehr multinationale Familien gebildet, so dass der Blick allein auf deutsches Recht nicht mehr ausreicht. Dies sind die Herausforderungen, denen sich auch Nina Dethloff in ihrer neuen Auflage gegenüber sah. Gleichzeitig stellt das Buch den Anspruch an sich, ein Lehrwerk zu sein, welches Studenten mit unterschiedlichem Vorwissen einen Zugang zum Familienrecht gewährt. Doch dieses Buch enttäuscht die Erwartungen nicht: Mit einem Blick in die Vergangenheit, einem über die Ländergrenzen hinaus und einem in die Zukunft stellt es grundlegendes und tiefergehendes Wissen didaktisch aufbereitet dar.

Mit einer Länge von 569 Seiten geht das Werk über das bloße Basiswissen hinaus. In drei Kapiteln (und einer Einleitung) befasst es sich mit Ehe und Partnerschaft (die Hälfte des Buches), der Familie (ein weiterer großer Teil) und Schutzverhältnissen wie Vormundschaft und Betreuung (knappe 10 %). Hierbei werden alle Stadien einer Beziehung abgedeckt: von der faktischen, nicht-ehelichen Lebensgemeinschaft über das Verlöbnis bis hin zur Ehe und ihrem Scheitern. Die Autorin ist hierbei stets darauf bedacht, der tatsächlichen Relevanz des Themas mit der entsprechenden Seitenzahl Rechnung zu tragen: so verwendet sie mehr Platz für die Zugewinngemeinschaft und weniger (aber trotzdem ausreichend) für Gütertrennung, Gütergemeinschaft und den neuen Güterstand der Wahl-Zugewinngemeinschaft. Am Anfang des jeweiligen Kapitels untermauert sie meist mit Zahlen die Relevanz und historische Entwicklung des Themas. Besonders ausführlich geriet diese beispielsweise zum Thema der Gleichstellung der nicht-ehelichen Kinder. Während das BGB anfänglich nicht-ehelichen Kindern nur zaghaft Rechte zuordnete (die bloße „Zahlvaterschaft“ im Gegensatz zu richtiger Verwandtschaft mit dem Vater) wurde die Gleichstellung tatsächlich erst vor 20 Jahren gesetzlich in die Tat umgesetzt. Auch der Blick nach Europa überrascht zeitweise: So hat Malta erst 2011 ein Recht auf Scheidung gesetzlich vorgesehen. Es ist erkennbar: Wenn sich die gesellschaftliche Einstellung ändert, ist es nur eine Frage der Zeit, bis der Gesetzgeber handelt. Aktuell ist dies insbesondere an der Öffnung der Ehe für alle, der Einführung eines dritten Geschlechts und der Einführung eines Samenspenderregisters zu sehen.

Gleichzeitig vergisst das Buch seine didaktische Ausrichtung nicht. Fast jedes Kapitel enthält einen Fall, der ein Kernproblem klausurtauglich aufbereitet. Gerade bei den schwierigen und komplexen Rechnungen im Unterhaltsrecht sind diese Beispiele sehr hilfreich, um sich etwa mit der Düsseldorfer Tabelle (welche im Anhang abgedruckt ist) vertraut zu machen. Dazu schließt jedes Kapitel mit Wiederholungs- und Vertiefungsfragen (deren Antworten sich ebenfalls im Anhang finden), die so gewählt sind, dass es für eine schnelle Wiederholung grundsätzlich ausreicht, sich allein diese Fragen und ihre Antworten anzuschauen.

Dieses Buch geht – insbesondere bezüglich der Scheidungsfolgen - über das typische Wissen des Examensstudenten hinaus. Gleichzeitig enthält es aber ausführlich aufbereitete Standardprobleme, gerade im Bereich der allgemeinen Ehewirkungen und des gesetzlichen Vertretungsrechts. Somit ist seine Lektüre sowohl dem Examens- als auch dem Wahlfachstudenten eine Bereicherung.