Von ref. iur. Kim-Naike Sander, Kaiserslautern
Das
Familienrecht wird besonders stark vom gesellschaftlichen Wandel beeinflusst. Außerdem
werden immer mehr multinationale Familien gebildet, so dass der Blick allein
auf deutsches Recht nicht mehr ausreicht. Dies sind die Herausforderungen,
denen sich auch Nina Dethloff in ihrer neuen Auflage gegenüber sah.
Gleichzeitig stellt das Buch den Anspruch an sich, ein Lehrwerk zu sein,
welches Studenten mit unterschiedlichem Vorwissen einen Zugang zum
Familienrecht gewährt. Doch dieses Buch enttäuscht die Erwartungen nicht: Mit
einem Blick in die Vergangenheit, einem über die Ländergrenzen hinaus und einem
in die Zukunft stellt es grundlegendes und tiefergehendes Wissen didaktisch
aufbereitet dar.
Mit einer Länge
von 569 Seiten geht das Werk über das bloße Basiswissen hinaus. In drei
Kapiteln (und einer Einleitung) befasst es sich mit Ehe und Partnerschaft (die
Hälfte des Buches), der Familie (ein weiterer großer Teil) und
Schutzverhältnissen wie Vormundschaft und Betreuung (knappe 10 %). Hierbei
werden alle Stadien einer Beziehung abgedeckt: von der faktischen,
nicht-ehelichen Lebensgemeinschaft über das Verlöbnis bis hin zur Ehe und ihrem
Scheitern. Die Autorin ist hierbei stets darauf bedacht, der tatsächlichen
Relevanz des Themas mit der entsprechenden Seitenzahl Rechnung zu tragen: so
verwendet sie mehr Platz für die Zugewinngemeinschaft und weniger (aber
trotzdem ausreichend) für Gütertrennung, Gütergemeinschaft und den neuen
Güterstand der Wahl-Zugewinngemeinschaft. Am Anfang des jeweiligen Kapitels
untermauert sie meist mit Zahlen die Relevanz und historische Entwicklung des
Themas. Besonders ausführlich geriet diese beispielsweise zum Thema der
Gleichstellung der nicht-ehelichen Kinder. Während das BGB anfänglich
nicht-ehelichen Kindern nur zaghaft Rechte zuordnete (die bloße
„Zahlvaterschaft“ im Gegensatz zu richtiger Verwandtschaft mit dem Vater) wurde
die Gleichstellung tatsächlich erst vor 20 Jahren gesetzlich in die Tat
umgesetzt. Auch der Blick nach Europa überrascht zeitweise: So hat Malta erst
2011 ein Recht auf Scheidung gesetzlich vorgesehen. Es ist erkennbar: Wenn sich
die gesellschaftliche Einstellung ändert, ist es nur eine Frage der Zeit, bis
der Gesetzgeber handelt. Aktuell ist dies insbesondere an der Öffnung der Ehe
für alle, der Einführung eines dritten Geschlechts und der Einführung eines
Samenspenderregisters zu sehen.
Gleichzeitig
vergisst das Buch seine didaktische Ausrichtung nicht. Fast jedes Kapitel
enthält einen Fall, der ein Kernproblem klausurtauglich aufbereitet. Gerade bei
den schwierigen und komplexen Rechnungen im Unterhaltsrecht sind diese Beispiele
sehr hilfreich, um sich etwa mit der Düsseldorfer Tabelle (welche im Anhang
abgedruckt ist) vertraut zu machen. Dazu schließt jedes Kapitel mit
Wiederholungs- und Vertiefungsfragen (deren Antworten sich ebenfalls im Anhang
finden), die so gewählt sind, dass es für eine schnelle Wiederholung grundsätzlich
ausreicht, sich allein diese Fragen und ihre Antworten anzuschauen.
Dieses Buch geht
– insbesondere bezüglich der Scheidungsfolgen - über das typische Wissen des
Examensstudenten hinaus. Gleichzeitig enthält es aber ausführlich aufbereitete
Standardprobleme, gerade im Bereich der allgemeinen Ehewirkungen und des
gesetzlichen Vertretungsrechts. Somit ist seine Lektüre sowohl dem Examens- als
auch dem Wahlfachstudenten eine Bereicherung.