Freitag, 24. Juli 2015

Rezension Zivilrecht: Die juristische Doktorarbeit


Beyerbach, Die juristische Doktorarbeit. Ein Ratgeber für das gesamte Promotionsverfahren, 1. Auflage, Vahlen 2015

Von Carina Wollenweber, Wirtschaftsjuristin, LL.M., Siegen



Das 211-seitige Werk ist in 6 Teile (§) gegliedert und geht dabei im Wesentlichen in der Reihenfolge vor, wie auch eine Doktorarbeit entsteht. Dabei wird im 1. Teil eine Einführung in die Thematik gegeben. Der 2. Teil befasst sich zunächst mit den verschiedenen Phasen der Dissertation sowie mit der Zeiteinplanung. Im 3. Teil beginnt das eigentliche Projekt mit der Recherche, der Themenfestlegung, der Gliederung und mit dem Exposé. Teil 4 widmet sich dem Hauptteil der Doktorarbeit: dem Schreibvorgang. Im 5. Teil erläutert der Autor die Funktion des Zitates, einige akzeptable Zitierweisen sowie das Literaturverzeichnis. Den Abschluss bildet der 6. Teil, in welchem dem Leser die Schritte nach Beendigung des eigentlichen Schreibprozesses präsentiert werden.

Der Autor schreibt aus der Ich-Perspektive und spricht den Leser gezielt an. Somit wird die Distanz zueinander verringert. Dies geschieht ebenfalls durch die Erzählungen aus dem eigenen Dissertationsprojekt des Autors (z.B. eigene Erfahrungen und Herangehensweisen: Rn. 11, 49, 83, 146, 261). Der Leser kann sogar Sympathie zu dem Autor aufbauen (z.B. durch Formulierungen wie „Ich selbst habe mit einer solchen Planung gute Erfahrungen gemacht – gestehe jedoch, dass sie meinem Naturell entgegenkam.“, Rn. 249). Der Autor formuliert auch immer wieder konkrete Fragen, welche den Leser beschäftigen könnten (z.B. Rn. 60, 234), und beantwortet diese. Dadurch fühlt sich der Leser verstanden und in guter Gesellschaft. Dem Autor gelingt es hervorragend, den Leser zu motivieren, an der Doktorarbeit zu schreiben und nicht aufzugeben.

Die Sprache des Autors ist leicht verständlich und hat einen sehr guten Lesefluss. Zudem ist diese an gewissen Stellen mit Witz angereichert, um die Atmosphäre aufzulockern (z.B. Rn. 1: Der Abschluss des 1. und möglicherweise auch des 2. Staatsexamens wird als „fortgeschrittener Masochismus“ bezeichnet; Rn. 4: Das vorliegende Werk wird mit „Büchlein“ tituliert; Rn. 93: „Viel zu häufig hat man bei der Lektüre endlose Passagen in bunte Neonfarben getaucht, um dadurch das eigene Gewissen zu beruhigen.“; Rn. 366: „gänzlich Unwichtiges gehört weder in den Text noch in die Fußnoten, sondern in den Papierkorb.“; Rn. 524: Internetstellen müssen nicht an den „Katzentisch des Literaturverzeichnisses verbannt werden“). Durch diese Beispiele wird ebenfalls bereits deutlich, dass sich der Autor auch einer bildhaften Sprache bedient (z.B. Rn. 315: „Hand voll Staub“; Rn. 392: „stecken noch in den Kinderschuhen“). Ebenfalls erhält der Leser eine kleine Grammatikschulung. So werden u.a. die Effekte der Verneinung (Rn. 340), der Passivkonstruktion (Rn. 337) und des Nominalstils (Rn. 325 – 328) dargestellt.

Besonders wichtige Abschnitte werden durch einen grau hinterlegten Kasten hervorgehoben (z.B. Rn. 32: Eigenschaften guter Dissertationen; Rn. 77: Checkliste für initiale Recherche). Dadurch findet der Leser die gesuchten Stellen leichter. Zusätzlich hilft das 3-seitige Sachverzeichnis. Ausführliche Passagen werden häufig noch einmal in Kurzform zusammengefasst (Rn. 198, 351). Dies gilt auch für die bereits dargestellten Schritte im Dissertationsprozess (z.B. Rn. 205, 244), damit der Leser erkennen kann, ob wichtige Punkte unbewusst außer Acht gelassen wurden.

Hervorzuheben sind insbesondere die Hinweise, welche direkt durch den Leser zur Anwendung gelangen können. Dazu zählt das Whatsapp- und Facebook-„Verbot“ während der Arbeitszeit (Rn. 252). Aber auch in Bezug auf Microsoft Word finden sich kurze, praktische Erläuterungen z.B. zum Setzen von Fußnoten (Rn. 401). Sowohl die zwingenden Formalien der Doktorarbeit werden durchgesprochen (z.B. Rn. 438: Schriftgrad 10 pt., einfacher Zeilenabstand, automatische Silbentrennung und Blocksatz bei Fußnoten) als auch diejenigen, welche durch den Geschmack des Lesers beeinflusst werden (z.B. Rn. 401: neue Nummerierung der Fußnoten bei neuem Kapitel).

Wie bereits erwähnt erhält das Zitat ein eigenständiges Kapitel (§ 5). Darin stellt der Autor mögliche Zitierweisen für die unterschiedlichen Kategorien (z.B. Urteile, Monografien, Aufsätze, Kommentare) vor und gibt an, welche Variante ihm am besten gefällt (u.a. Rn. 455, 461, 465). Dennoch erwähnt er immer wieder, dass es auf die Vorlieben von Leser und dessen Betreuer ankommen sollte.

Auch beinhaltet das Werk eine Auflistung mit besonders renommierten Verlagen (Rn. 395, Rn. 600), Zeitschriften (Rn. 397) und Kommentaren (Rn. 397). Anhand dessen kann sich der Leser darüber informieren, welche Quellen er besonders beachten sollte bzw. auch, bei welchen Verlagen sich später eine Publikation der eigenen Doktorarbeit anbietet, wenn insbesondere auf den Ruf großen Wert gelegt wird.

Praktische Hinweise werden auch zum Fund von Literatur gegeben. Neben den gängigsten wie der Online-Recherche im Universitätskatalog, der Fernleihe (Fn. 55: Kosten) und der Konsultation einer (auch ausländischen) Datenbank (Rn. 70) enthält das Werk auch Hinweise zu frei zugänglichen Internetseiten (z.B. Rn. 67: Verbundportal und KVK), welche als „Geheimtipp“ betrachtet werden können. Der Autor ist aber auch pragmatisch und rät dazu, sich einfach die „Nachbarn“ der passenden Literatur in der Bibliothek anzuschauen (Rn. 68).

Wer im Anschluss an das eigentliche Studium die Promotion anstrebt, wird viele Recherche-Hinweise bereits bei Haus-, Seminararbeiten und vielleicht sogar bei der Bachelor- oder Masterarbeit (LL.B. und LL.M.) benutzt haben. Wer sich dazu entscheidet, neben dem Beruf die Doktorarbeit zu verfassen, wird essentielle Hinweise zu modernen Recherchemöglichkeiten erhalten. Dazu zählt auch, welche periodischen Schriften i.d.R. bei BeckOnline verfügbar sind (Rn. 70).

Zusätzlich zu dem Literaturverzeichnis existieren 2 Anhänge mit weiterführender Literatur. Anhang 1 listet die Literaturempfehlungen in Kategorien unterteilt auf. Zusätzlich kommentiert der Autor die Werke stichpunktartig und nennt u.a. neben dem Hauptadressatenkreis auch den Zeitpunkt einer geplanten Neuerscheinung. Im Anhang 2 befinden sich Promotionsleitfäden, welche im Internet (z.T. jedoch passwortgeschützt) verfügbar sind. Neben dem Namen des Juraprofessors als Autor werden sowohl Universität und Name der jeweiligen Quelle als auch der genaue Fundort im Internet angegeben. Dadurch kann sich der interessierte Leser bereits Zuhause einen schnellen Überblick verschaffen.

Zwar richtet sich das Werk an Leser, welche eine juristische Doktorarbeit verfassen möchten. Allerdings sind auch einige Hinweise enthalten, welche auch für andere Disziplinen oder für die spätere Berufswelt nützlich sein können. Dazu zählt die Archivierung der Literatur (Rn. 78 ff.), bei welcher verschiedene Lösungsmöglichkeiten angegeben werden. Außerdem erhält der Leser Tipps, wie er das Lesen und Erfassen des Textes beschleunigen kann (z.B. Rn. 104: nicht mitsprechen; Rn. 105: keinen Finger unter das zu lesende Wort legen).

Zusätzlich wird der Leser durch Zahlen über Doktorarbeiten informiert (z.B. Fn. 16: promotionsstarke Rechtswissenschaft; Rn. 13: „War es um die Jahrhundertwende vom 19. auf das 20. Jahrhundert noch möglich, mit 30 Seiten in weniger als einem Jahr promoviert zu werden, ...“). Diese Zusatzinformationen runden das eigene Wissen zu dem Thema hervorragend ab.

Fazit: Erstmals erscheint ein Werk, welches nur auf die Erstellung einer juristischen Doktorarbeit ausgelegt ist. Darin sind alle wesentlichen Schritte und Fragen geklärt, mit welchen sich der Leser beschäftigen wird. Dieser erhält einen sehr guten Leitfaden mit vielen hilfreichen und vor allem praktischen Hinweisen und auch „Geheim-Tipps“. Selbst für die Zeit nach der Doktorarbeit oder für andere Disziplinen kann das Werk Verwendung finden. Dem Autor gelingt es aber auch, eine Art Verbindung zu dem Leser aufzubauen und diesen zur Weiterarbeit an dem großen Projekt zu motivieren. Insgesamt muss gesagt werden, dass sich die Anschaffung für jeden Interessierten lohnen wird.