Beyerbach, Die juristische
Doktorarbeit. Ein Ratgeber für das gesamte Promotionsverfahren, 1. Auflage, Vahlen
2015
Von Carina Wollenweber, Wirtschaftsjuristin,
LL.M., Siegen
Das 211-seitige Werk ist in 6 Teile (§) gegliedert und geht dabei im
Wesentlichen in der Reihenfolge vor, wie auch eine Doktorarbeit entsteht. Dabei
wird im 1. Teil eine Einführung in die Thematik gegeben. Der 2. Teil befasst
sich zunächst mit den verschiedenen Phasen der Dissertation sowie mit der
Zeiteinplanung. Im 3. Teil beginnt das eigentliche Projekt mit der Recherche,
der Themenfestlegung, der Gliederung und mit dem Exposé. Teil 4 widmet sich dem
Hauptteil der Doktorarbeit: dem Schreibvorgang. Im 5. Teil erläutert der Autor
die Funktion des Zitates, einige akzeptable Zitierweisen sowie das
Literaturverzeichnis. Den Abschluss bildet der 6. Teil, in welchem dem Leser
die Schritte nach Beendigung des eigentlichen Schreibprozesses präsentiert
werden.
Der Autor schreibt aus der Ich-Perspektive und spricht den Leser gezielt
an. Somit wird die Distanz zueinander verringert. Dies geschieht ebenfalls
durch die Erzählungen aus dem eigenen Dissertationsprojekt des Autors (z.B.
eigene Erfahrungen und Herangehensweisen: Rn. 11, 49, 83, 146, 261). Der Leser
kann sogar Sympathie zu dem Autor aufbauen (z.B. durch Formulierungen wie „Ich
selbst habe mit einer solchen Planung gute Erfahrungen gemacht – gestehe
jedoch, dass sie meinem Naturell entgegenkam.“, Rn. 249). Der Autor formuliert
auch immer wieder konkrete Fragen, welche den Leser beschäftigen könnten (z.B.
Rn. 60, 234), und beantwortet diese. Dadurch fühlt sich der Leser verstanden
und in guter Gesellschaft. Dem Autor gelingt es hervorragend, den Leser zu motivieren,
an der Doktorarbeit zu schreiben und nicht aufzugeben.
Die Sprache des Autors ist leicht verständlich und hat einen sehr guten
Lesefluss. Zudem ist diese an gewissen Stellen mit Witz angereichert, um die
Atmosphäre aufzulockern (z.B. Rn. 1: Der Abschluss des 1. und möglicherweise
auch des 2. Staatsexamens wird als „fortgeschrittener Masochismus“ bezeichnet;
Rn. 4: Das vorliegende Werk wird mit „Büchlein“ tituliert; Rn. 93: „Viel zu
häufig hat man bei der Lektüre endlose Passagen in bunte Neonfarben getaucht,
um dadurch das eigene Gewissen zu beruhigen.“; Rn. 366: „gänzlich Unwichtiges
gehört weder in den Text noch in die Fußnoten, sondern in den Papierkorb.“; Rn.
524: Internetstellen müssen nicht an den „Katzentisch des
Literaturverzeichnisses verbannt werden“). Durch diese Beispiele wird ebenfalls
bereits deutlich, dass sich der Autor auch einer bildhaften Sprache bedient
(z.B. Rn. 315: „Hand voll Staub“; Rn. 392: „stecken noch in den
Kinderschuhen“). Ebenfalls erhält der Leser eine kleine Grammatikschulung. So
werden u.a. die Effekte der Verneinung (Rn. 340), der Passivkonstruktion (Rn.
337) und des Nominalstils (Rn. 325 – 328) dargestellt.
Besonders wichtige Abschnitte werden durch einen grau hinterlegten Kasten
hervorgehoben (z.B. Rn. 32: Eigenschaften guter Dissertationen; Rn. 77:
Checkliste für initiale Recherche). Dadurch findet der Leser die gesuchten
Stellen leichter. Zusätzlich hilft das 3-seitige Sachverzeichnis. Ausführliche
Passagen werden häufig noch einmal in Kurzform zusammengefasst (Rn. 198, 351).
Dies gilt auch für die bereits dargestellten Schritte im Dissertationsprozess
(z.B. Rn. 205, 244), damit der Leser erkennen kann, ob wichtige Punkte
unbewusst außer Acht gelassen wurden.
Hervorzuheben sind insbesondere die Hinweise, welche direkt durch den
Leser zur Anwendung gelangen können. Dazu zählt das Whatsapp- und Facebook-„Verbot“
während der Arbeitszeit (Rn. 252). Aber auch in Bezug auf Microsoft Word finden
sich kurze, praktische Erläuterungen z.B. zum Setzen von Fußnoten (Rn. 401).
Sowohl die zwingenden Formalien der Doktorarbeit werden durchgesprochen (z.B.
Rn. 438: Schriftgrad 10 pt., einfacher Zeilenabstand, automatische
Silbentrennung und Blocksatz bei Fußnoten) als auch diejenigen, welche durch
den Geschmack des Lesers beeinflusst werden (z.B. Rn. 401: neue Nummerierung
der Fußnoten bei neuem Kapitel).
Wie bereits erwähnt erhält das Zitat ein eigenständiges Kapitel (§ 5).
Darin stellt der Autor mögliche Zitierweisen für die unterschiedlichen
Kategorien (z.B. Urteile, Monografien, Aufsätze, Kommentare) vor und gibt an,
welche Variante ihm am besten gefällt (u.a. Rn. 455, 461, 465). Dennoch erwähnt
er immer wieder, dass es auf die Vorlieben von Leser und dessen Betreuer
ankommen sollte.
Auch beinhaltet das Werk eine Auflistung mit besonders renommierten
Verlagen (Rn. 395, Rn. 600), Zeitschriften (Rn. 397) und Kommentaren (Rn. 397).
Anhand dessen kann sich der Leser darüber informieren, welche Quellen er
besonders beachten sollte bzw. auch, bei welchen Verlagen sich später eine
Publikation der eigenen Doktorarbeit anbietet, wenn insbesondere auf den Ruf
großen Wert gelegt wird.
Praktische Hinweise werden auch zum Fund von Literatur gegeben. Neben den
gängigsten wie der Online-Recherche im Universitätskatalog, der Fernleihe (Fn.
55: Kosten) und der Konsultation einer (auch ausländischen) Datenbank (Rn. 70)
enthält das Werk auch Hinweise zu frei zugänglichen Internetseiten (z.B. Rn.
67: Verbundportal und KVK), welche als „Geheimtipp“ betrachtet werden können.
Der Autor ist aber auch pragmatisch und rät dazu, sich einfach die „Nachbarn“
der passenden Literatur in der Bibliothek anzuschauen (Rn. 68).
Wer im Anschluss an das eigentliche Studium die Promotion anstrebt, wird
viele Recherche-Hinweise bereits bei Haus-, Seminararbeiten und vielleicht
sogar bei der Bachelor- oder Masterarbeit (LL.B. und LL.M.) benutzt haben. Wer
sich dazu entscheidet, neben dem Beruf die Doktorarbeit zu verfassen, wird
essentielle Hinweise zu modernen Recherchemöglichkeiten erhalten. Dazu zählt
auch, welche periodischen Schriften i.d.R. bei BeckOnline verfügbar sind (Rn.
70).
Zusätzlich zu dem Literaturverzeichnis existieren 2 Anhänge mit
weiterführender Literatur. Anhang 1 listet die Literaturempfehlungen in
Kategorien unterteilt auf. Zusätzlich kommentiert der Autor die Werke
stichpunktartig und nennt u.a. neben dem Hauptadressatenkreis auch den
Zeitpunkt einer geplanten Neuerscheinung. Im Anhang 2 befinden sich
Promotionsleitfäden, welche im Internet (z.T. jedoch passwortgeschützt)
verfügbar sind. Neben dem Namen des Juraprofessors als Autor werden sowohl
Universität und Name der jeweiligen Quelle als auch der genaue Fundort im
Internet angegeben. Dadurch kann sich der interessierte Leser bereits Zuhause
einen schnellen Überblick verschaffen.
Zwar richtet sich das Werk an Leser, welche eine juristische Doktorarbeit
verfassen möchten. Allerdings sind auch einige Hinweise enthalten, welche auch
für andere Disziplinen oder für die spätere Berufswelt nützlich sein können.
Dazu zählt die Archivierung der Literatur (Rn. 78 ff.), bei welcher
verschiedene Lösungsmöglichkeiten angegeben werden. Außerdem erhält der Leser
Tipps, wie er das Lesen und Erfassen des Textes beschleunigen kann (z.B. Rn.
104: nicht mitsprechen; Rn. 105: keinen Finger unter das zu lesende Wort
legen).
Zusätzlich wird der Leser durch Zahlen über Doktorarbeiten informiert
(z.B. Fn. 16: promotionsstarke Rechtswissenschaft; Rn. 13: „War es um die
Jahrhundertwende vom 19. auf das 20. Jahrhundert noch möglich, mit 30 Seiten in
weniger als einem Jahr promoviert zu werden, ...“). Diese Zusatzinformationen
runden das eigene Wissen zu dem Thema hervorragend ab.
Fazit: Erstmals erscheint ein Werk, welches nur auf die Erstellung einer
juristischen Doktorarbeit ausgelegt ist. Darin sind alle wesentlichen Schritte
und Fragen geklärt, mit welchen sich der Leser beschäftigen wird. Dieser erhält
einen sehr guten Leitfaden mit vielen hilfreichen und vor allem praktischen
Hinweisen und auch „Geheim-Tipps“. Selbst für die Zeit nach der Doktorarbeit
oder für andere Disziplinen kann das Werk Verwendung finden. Dem Autor gelingt
es aber auch, eine Art Verbindung zu dem Leser aufzubauen und diesen zur
Weiterarbeit an dem großen Projekt zu motivieren. Insgesamt muss gesagt werden,
dass sich die Anschaffung für jeden Interessierten lohnen wird.
