Donnerstag, 9. Juli 2015

Rezension Zivilrecht: Fälle zum Sachenrecht

Koch / Löhnig, Fälle zum Sachenrecht, 4. Auflage, C.H. Beck 2015

Von stud. iur. Andreas Seidel, Göttingen



Insbesondere im Sachenrecht fällt es oftmals schwer, das Gelernte in die Fallbearbeitung einzubauen. Daher ist es gerade in diesem Rechtsgebiet unerlässlich, nicht nur die Theorie zu lernen sondern auch das erarbeitete Wissen beim Erstellen von Gutachten praktisch anzuwenden. Dabei wollen Prof. Dr. Jens Koch aus Bonn und Prof. Dr. Martin Löhnig aus Regensburg helfen und haben dieses Fallbuch in der nun schon vierten Auflage erarbeitet. Dabei können die beiden Autoren auf ihre Erfahrungen beim Stellen von Abschluss- und universitären Examensklausuren an den Universitäten Bonn und Bochum sowie  Regensburg und Konstanz und ihren Fundus an Fällen zurückgreifen, die sowohl für Studenten des Grund- und Hauptstudiums, als auch für Examenskandidaten geeignet sind.

So ist ein Werk mit 17 Fällen entstanden, das den Zugang zur sachenrechtlichen Fallbearbeitung allgemein erleichtern will. Neben neun Fällen zum Mobiliarsachenrecht, wovon eine Klausur das Pfandrecht an beweglichen Sachen behandelt, stehen acht Fälle zum Immobiliarsachenrecht, wovon wiederum vier davon Grundpfandrechte zum Thema haben.

Das Buch beginnt mit einem Inhaltsverzeichnis, in dem unter den Fallnamen jeweils die behandelten Schwerpunkte genannt werden um ein präzises Studium zu ermöglichen. Daran anschließend finden sich dann die Fälle, die nach der Darstellung des Sachverhalts stets sowohl mit einer graphischen Skizze als auch mit einer klassischen geschriebenen Lösungsskizze sowie ggf. einer Zeittabelle beginnen. Die Sachverhalte sind im Mittel etwa eine Seite lang, wobei die gesamte Fallbearbeitung pro Fall ca. 15 Seiten beträgt. Entgegen anderer Fallbücher wie etwa die von Prof. Dr. Fezer zum BGB AT und zum Schuldrecht finden sich hier keinerlei Exkurse oder sonstigen Darstellungen, die vom Fall losgelöst sind. Jedoch wird dies auf zweierlei Wegen kompensiert. Zum einen verweisen die Autoren stets auf die einschlägigen Lehrbücher, wobei seitens des Verlages besonders die von Prütting und Wolf/Wellenhofer hervorgehoben werden. Jedoch wird auch auf andere Lehrbücher verwiesen und vor allem auf einschlägige Kommentarliteratur, in der der Fallbearbeiter die Streitstände noch einmal nachvollziehen und vertiefen kann. Zum anderen behandeln die Fälle nicht nur vereinzelte Probleme sondern wollen umfassend die Probleme gutachterlich darstellen. Dies fällt etwa im Rahmen des Problems der Schenkung von Eltern an ihre minderjährigen Kinder in Verbindung mit der Auflassung als Insichgeschäft gem. § 181 2. Hs. BGB auf. Nach der Darstellung des Streitstandes zwischen der Gesamtbetrachtungslehre und der teleologischen Reduktion des § 181 2. Hs. BGB wird hierbei nicht nur auf einen rechtlichen Nachteil eingegangen, sondern sowohl die Belastung mit öffentlichen Lasten, das Bestehen einer Grundschuld, die Belastung durch ein fremdes Niesbrauchrecht und die Vermietung des Grundstückes als mögliche Nachteile diskutiert (S. 118 ff.). Auf diesem Weg entsteht ein Eindruck von Geschlossenheit und auf den Einschub von Exkursen, in denen abstrakt andere alternative Fallkonstellationen behandelt werden, kann verzichtet werden.

Neben Klassikerstreiten wie der Schenkung an einen Minderjährigen, dem gutgläubigen Zweiterwerb einer Anwartschaft, einer Vormerkung oder einer Hypothek oder dem Wettlauf der Sicherungsgeber finden sich immer wieder auch interessante Querverbindungen in andere Rechtsgebiete, die insbesondere im Hinblick auf Examensklausuren interessant sind. So wird neben dem Sachenrecht auch Bezug auf den BGB-AT, das Kauf- sowie Schenkungsrecht, die GoA, das Delikts- und Bereicherungsrecht, das Erbrecht und die ZPO genommen.

Das Fallbuch von Koch/Löhnig macht den Eindruck eines sehr studentenfreundlichen Werkes, in dem viele Hilfestellungen gegeben werden. So findet sich neben einem Stichwortverzeichnis auch ein Paragrafenverzeichnis, dass das schnellere Finden von Problemen vereinfacht. Auch sind immer wieder Hinweise eingestreut, die auf etwaige Kommentierungsmöglichkeiten im Gesetz aufmerksam machen, um die vielen Querverweise im Sachenrecht nachzuvollziehen oder klausurtaktische Tipps zu geben. Somit eignet sich das vorliegende Buch hervorragend, um sich auf das umfangreiche Themengebiet des Sachenrechts vorzubereiten und die markanten Streitstände fallorientiert nachzuarbeiten und zu vertiefen.